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Kultur

Friedensnobelpreisträger kritisiert USA und China

Bei der Entgegennahme des Preises fordern Al Gore und der IPCC-Vorsitzende deutlichere Maßnahmen gegen den Klimawandel. Mehrere der anderen Nobelpreisträger konnten nicht zur Preisverleihung anreisen.

Mann im Anzug steht neben einer großen, in eine Wand eingelassene goldene Plakette die den Kopf eines Mannes (Nobel) zeigt (Quelle: AP)

Al Gore - Friedensnobelpreis für den Kampf gegen den Klimawandel

Der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore hat seine Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis am Montag (10.12.2007) für eine Kritik an der Klimapolitik Washingtons und Pekings genutzt. Die USA und China müssten ihre Treibhausgasemissionen senken, forderte Gore laut vorab veröffentlichtem Text in seiner Dankesrede während der Zeremonie im Rathaus von Oslo. Andernfalls würden die internationalen Bemühungen gegen den Klimawandel keinen Erfolg haben. Gore erhielt den Friedensnobelpreis gemeinsam mit dem UN-Klimarat IPCC. In Stockholm wurden am Montag außerdem die Nobelpreise für Literatur, Medizin, Physik, Chemie und Wirtschaft überreicht.

Die USA und China müssten "aufhören, das Verhalten der Anderen als Entschuldigung für die Blockade" der internationalen Bemühungen um die Verringerung von Treibhausgasen zu benutzen, sagte Gore laut Redetext. "Es sollte klar sein, dass die beiden größten Verursacher von CO2 – vor allem mein eigenes Land – die größten Schritte machen müssen." Gore forderte unter anderem eine CO2-Steuer und ein Moratorium für den Bau neuer Kohlekraftwerke, die Kohlendioxid nicht sicher lagern können.

"Politischer Wille ist eine erneuerbare Ressource"

Konferenz-Podium, eine Person am Rednerpult links im Bild, im Hintergrund ein großes Banner mit dem Text United Nations Climate Change Conference (Quelle: AP)

In Bali sprechen Politiker über Maßnahmen gegen den Klimawandel

"Wieder einmal ist es fünf vor zwölf", sagte Gore. Der globale Schutz der Umwelt müsse zum zentralen Thema der Politik werden. An den in Bali tagenden UN-Klimagipfel appellierte Gore, ein umfassendes Mandat für die Verringerung der Treibhausgase zu erteilen. Zudem müsse das für 2012 geplante Inkrafttreten einer Nachfolgeregelung für das Kyoto-Abkommen um zwei Jahre vorgezogen werden. Es fehle vielleicht am politischen Willen, etwas zu ändern, "aber politischer Wille ist eine erneuerbare Ressource", schloss Gore seine Rede ab.

Der 59-Jährige hatte mit seinem Oscar-prämierten Dokumentarfilm "Eine unbequeme Wahrheit" über den Klimawandel für Aufsehen gesorgt. Der frühere Politiker der US-Demokraten, der im Jahr 2000 beim Rennen um das Weiße Haus knapp gegen George W. Bush gescheitert war, lehnte es trotz großer Popularität ab, erneut zur Präsidentschaftswahl anzutreten.

"Fundamentale Fragen"

Mann (Pachauri) vor UN-Logo auf blauem Grund (Quelle: AP)

Der Vorsitzende des UN-Klimarats Pachauri erhält den Preis zusammen mit Al Gore (Archivbild)

Der Vorsitzende des Nobelkomitees, Ole Mjoes, überreichte den mit rund 1,1 Millionen Euro dotierten Friedensnobelpreis - bestehend aus einem Scheck, einem Diplom und einer Goldmedaille – zunächst an den Inder Rajendra Pachauri, der die Auszeichnung für den IPCC entgegennahm, und dann an Gore. "Es ist lange her, dass das Komitee sich mit so fundamentalen Fragen befasst hat", sagte er. Bei der Verkündung der Preisträger im Oktober hatte Mjoes gesagt, Gore sei "vielleicht die Einzelperson, die am meisten dafür getan hat, ein größeres weltweites Verständnis für die zu beschließenden Maßnahmen (gegen den Klimawandel) zu schaffen".

Mit dem Friedensnobelpreis werden meist Menschen oder Organisationen geehrt, die sich für Frieden und Menschenrechte oder gegen Armut einsetzen. Mjoes hatte die diesjährige Entscheidung mit einem breiteren Verständnis von Frieden begründet, der nicht nur auf der Verhinderung von Gewalt oder Hunger basiert.

Warnung vor neuen Kriegen

Entsprechend warnte Pachauri in seiner Dankesrede laut vorab verbreitetem Text vor den Folgen der globalen Klimaerwärmung für die Menschen. So drohten Wanderungsbewegungen, Konflikte um Wasser und andere Ressourcen sowie eine neue Machtverteilung unter den Staaten. Der Klimawandel werde in den kommenden Jahren in vielen Regionen zu akutem Wassermangel führen, vor allem in Afrika. Es sei noch möglich, diesen Prozess zu stoppen, sagte der Inder.

Im Konzerthaus von Stockholm sollte der schwedische König Carl XVI. Gustav die Nobelpreise in den anderen Kategorien überreichen. Aus Deutschland stammen gleich zwei Preisträger, der Physiker Peter Grünberg und der Chemiker Gerhard Ertl. Die 88-jährige Britin Doris Lessing konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht anreisen, um den Literaturnobelpreis persönlich entgegenzunehmen. Auch der 90-jährige US-Wirtschaftswissenschaftler Leonid Hurwicz musste absagen. (rri)

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