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Aktuell Welt

Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel ist tot

Weltweit herrscht Bestürzung über den Tod des Friedensnobelpreisträgers und Publizisten Eli Wiesel, der 87-jährig in den USA gestorben ist. Wiesel galt als einer der profiliertesten Autoren über den Holocaust.

Wiesel wurde 1928 in Rumänien geboren. Er wurde von den Nationalsozialisten nach Auschwitz deportiert. Nach Studien in Frankreich ließ er sich 1963 in den USA nieder und wurde amerikanischer Staatsbürger. Er lehrte an den Universitäten von New York und Boston Judaistik.

"Sieg des Geistes über das Böse"

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat bestürzt auf den Tod Elie Wiesels reagiert. "Der Staat Israel und das jüdische Volk trauern zutiefst um Elie Wiesel", sagte Netanjahu. "Der Wortkünstler Elie hat mit seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit und seinen faszinierenden Büchern den Sieg des menschlichen Geistes über die Grausamkeit und das Böse verkörpert. Im Dunkeln des Holocaust, in dem sechs Millionen unser Brüder und Schwestern ermordet wurden, diente Elie Wiesel als ein Licht und als Vorbild der Menschlichkeit sowie des Glaubens an das Gute im Menschen", so Netanjahu weiter.

Der israelische Friedensnobelpreisträger Schimon Peres erinnerte an Elie Wiesel als Menschen, der sich stets gegen das Vergessen eingesetzt hat. "Wiesel hat seine Spuren in der Menschheit hinterlassen durch das Erhalten und Hochhalten des Vermächtnisses des Holocaustes", sagte Peres. Er habe die schlimmsten Gräueltaten der Menschheit ausgehalten, überlebt und sein Leben dem Vermitteln der Nachricht "Niemals wieder" gewidmet.

"Stimme von Auschwitz"

Auch das Internationale Auschwitz-Komitee trauert um den Nobelpreisträger und würdigte ihn als "Lehrer der Menschheit". "Elie Wiesel war kein Weg zu weit und kein Anlass zu gering, Menschen über die Schrecken und Verbrechen von Auschwitz zu informieren", sagte Christoph Heubner, der Vize-Exekutivpräsident der Überlebendenorganisation. Wiesel sei die Stimme der in Auschwitz von den Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Frauen, Kinder und Männer gewesen, "die immer wieder die Vergesslichkeit, den Antisemitismus und den Hass übertönte." Er werde gerade in diesen Tagen des Hasses und des Fundamentalismus schmerzlich vermisst werden, sagte Heubner.

Gauck kondoliert

Bundespräsident Joachim Gauck schrieb in einem Brief an die Witwe Wiesels: "Die Einhaltung und Durchsetzung der Menschenrechte war ihm, der die Konzentrationslager Buchenwald und Auschwitz überlebt hat, ein Herzensanliegen." Wiesel habe es verstanden, als Zeitzeuge die Erinnerung an die dunkelsten Jahre der deutschen Geschichte wach zu halten und vor allem junge Menschen vor den Gefahren von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit zu warnen.

Trauer bei Steinmeier

Außenminister Frank-Walter Steinmeier würdigte Elie Wiesel. Mit ihm gehe nicht nur ein großer Autor, Philanthrop und Gelehrter, sondern vor allem ein unermüdlicher Streiter gegen Hass, Intoleranz und Gewalt, erklärte der SPD-Politiker. Nach dem Horror des Holocausts habe Wiesel sein Leben dem Kampf gegen Gleichgültigkeit und Vergessenheit gewidmet. "Ich bin traurig über den Tod eines großen Menschen und verneige mich vor seinem Lebenswerk", erklärte der Minister.

1986 wurde Wiesel der Friedensnobelpreis verliehen. Mit seiner Frau gründete er die Elie-Wiesel-Stiftung, die sich gegen Intoleranz und Ungerechtigkeit einsetzte. 2008 verlor die Stiftung im Zusammenhang mit der Affäre um den Finanzinvestor Bernard Maddoff fast das komplette Stiftungsvermögen in Höhe von rund 15 Millionen Dollar.

Mit Obama zu Besuch in Buchenwald

Anlässlich der Gedenkstunde zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus hielt Wiesel im Jahr 2000 eine Rede von den Parlamentariern des Bundestages. Im Jahr 2009 begleitete er den US-Präsidenten Barack Obama beim Besuch des Konzentrationslagers Buchenwald.

cgn/fab (dpa, rtr)

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