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Nobelpreise

Friedensnobelpreis geht an Anti-Atomwaffenbewegung ICAN

Die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) erhält den Friedensnobelpreis 2017. Dies teilte das norwegische Nobelkomitee mit.

Die ICAN-Generalsekretärin Beatrice Finh ist sichtlich erfreut über die Entscheidung (REUTERS)

Die ICAN-Generalsekretärin Beatrice Finh ist sichtlich erfreut über die Entscheidung

Die Internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (ICAN) wird für "ihre bahnbrechenden Bemühungen", ein Verbot nuklearer Waffen zu erreichen, mit dem Fridensnobelpreis gewürdigt. Dies sagte die Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, Berit Reiss-Anderson, in Oslo. "Wir leben in einer Welt, in der das Risiko eines Atomwaffeneinsatzes größer ist als seit langer Zeit."

ICAN ist ein Bündnis von rund 450 Mitgliedsorganisationen in aller Welt. Seit 2007 kämpft ICAN gegen den Widerstand der Atommächte und vieler anderer Länder dafür, Atomwaffen per internationalem Vertrag zu verbieten. Es mobilisierte Atomwaffengegner in aller Welt, bearbeitete Regierungen und schaffte das kaum für möglich Gehaltene: Im Juli 2017 wurde in New York der Internationale Vertrag zum Verbot von Nuklearwaffen unterzeichnet - gegen den Widerstand der Atommächte und den mit ihnen verbündeten Staaten, darunter Deutschland. 

ICAN-Aktion vor der nordkoreanischen Botschaft in Berlin (picture-alliance/dpa/B. Pedersen)

ICAN-Aktion vor der nordkoreanischen Botschaft in Berlin

Der Vertrag verbietet Herstellung, Besitz, Einsatz und Lagerung von Atomwaffen. UN-Generalsekretär António Guterres feierte ihn als Meilenstein. Im September kamen die ersten gut 50 Unterschriften zusammen. Der Vertrag tritt in Kraft, wenn mindestens 50 Länder ratifiziert haben. Die internationale Ächtung der Waffen setze Regierungen unter Druck, die nicht unterzeichnen, so ICAN.

Vorbild für ICAN waren andere Abrüstungsverträge: zum Beispiel das internationale Übereinkommen zum Verbot von Landminen, oder die Verträge zum Verbot von Streumunition oder von chemischen Waffen. Bei solchen Abkommen auf Initiative der Zivilgesellschaft rücken immer die verheerenden Folgen der Waffen für die Bevölkerung ins Zentrum. 

Die Generalsekretärin von ICAN, die Schwedin Beatrice Fihn, ist erst 34 Jahre alt. Ihr Büro in Genf besteht nur aus vier Leuten, alle unter 35. Für Fihn ist die Sache einfach: "Ist es akzeptabel, Hunderttausende Menschen umzubringen oder nicht? Wenn nicht, müssten Atomwaffen verboten werden", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur vor der Preisverkündung. "Politker sagen: 'Ihr Aktivisten versteht davon nichts, bei den Atomwaffen geht es um strategische Sicherheit'. Aber wir haben Atomwaffen mit diesem Vertrag wieder zu einer humanitären Frage gemacht." 

Die ICAN-Generalsekretärin Beatrice Fihn mit dem Schauspieler und UN-Friedensbotschafter Michael Douglas (Getty Images/AFP/F. Coffrini)

Die ICAN-Generalsekretärin Beatrice Fihn mit dem Schauspieler und UN-Friedensbotschafter Michael Douglas

Zu den ICAN-Mitgliedern gehören etwa die internationale Juristenvereinigung gegen Atomwaffen, der Internationale Gewerkschaftsbund und aus Deutschland das Forum Friedensethik (FFE) der Evangelischen Landeskirche in Baden. 

Fihn rechnet bis Ende nächsten Jahres mit Inkrafttreten des Vertrages. Keine der Atomächte hat ihn unterzeichnet. Deutschland und die anderen Mitglieder des nordatlantischen Atombündnisses (NATO) sagen, das sei mit der NATO -Mitgliedschaft nicht vereinbar. 

Die Nobelpreis-Jury hatte sich in diesem Jahr unter 318 Anwärtern entscheiden müssen - 215 Personen und 103 Organisationen waren für den Preis vorgeschlagen. Der mit umgerechnet etwa 940.000 Euro (neun Millionen schwedischen Kronen) dotierte Friedensnobelpreis wird am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel, in Oslo verliehen.

stu/ml (dpa, epd, kna)

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