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Politik

Friedenskonferenz in Südafrika abgesagt

Weil der Dalai Lama nicht nach Südafrika einreisen durfte, wurde eine Fußball-WM-Konferenz gegen Fremdenfeindlichkeit und für Frieden auf unbestimmte Zeit verschoben. Steckt China hinter der Visums-Verweigerung?

Der Dalai Lama, die rechte Hand erhoben, bei seinem Besuch 2004 in Johannesburg, hinter ihm ein afrikanischer Häupting (Foto: DPA)

2004 war er in Südafrika noch erwünscht - 2009 nicht mehr: Der Dalai Lama

Eigentlich sollte auf der für Freitag (27.03.2009) angesetzten Konferenz darüber gesprochen werden, wie Sport bei der Überwindung von Ausländerfeindlichkeit und Rassismus helfen kann. Aus gegebenem Anlass: Im kommenden Jahr findet in Südafrika die Fußball-Weltmeisterschaft statt.

Eingeladen worden waren alle Friedensnobelpreisträger sowie Staatsmänner und Prominente aus aller Welt - darunter auch der Dalai Lama, geistliches Oberhaupt der Tibeter. Doch diesem wurde am Montag vom Staat Südafrika die Einreise verweigert. Das Entsetzen war groß: Mehrere Nobelpreisträger, unter ihnen Bischof Desmond Tutu sowie die beiden früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela und Frederik de Klerk, sagten daraufhin ihre Teilnahme an der Veranstaltung ab.

Schließlich wurde die Konferenz insgesamt auf unbestimmte Zeit verschoben. Irvin Khoza, Mitglied des WM-Organisationskomitees und Förderer der Friedenskonferenz, begründete die Absage am Dienstag damit, es sei "im Geiste des Friedens entschieden worden".

"Nicht im Interesse des Landes"

Südafrikas Präsident Motlanthe (Foto: DPA)

Südafrikas Präsident Motlanthe

Die südafrikanische Regierung hatte am Montag (23.03.2009) bekanntgegeben, dass der Dalai Lama nicht einreisen dürfe. Dessen Einladung sei "nicht im Interesse des Landes". Die Welt schaue auf Südafrika als Gastgeber bei der Fußball-WM 2010, so Thabo Masebe, Sprecher des Präsidenten Kgalema Motlanthe. "Wir wollen nicht, dass irgendetwas von dieser Rolle ablenkt".

Die Regierung habe das Ziel, dass während der Fußball-WM die Entwicklung Südafrikas vom Apartheidstaat zu einer vorbildlichen Demokratie in den Mittelpunkt des Interesses rücke. Das sei nicht mehr der Fall, wenn Tibet zum Thema werde, so Masebe.

Er kritisierte außerdem, dass sich die Organisatoren der Konferenz nicht mit der Regierung in Verbindung gesetzt hätten, bevor die Einladung an den Dalai Lama ergangen sei. Der Präsidentensprecher wies Vorwürfe zurück, das Visum sei auf Druck der chinesischen Führung verweigert worden.

Reputation wird beschädigt

Leopard Zakumi, Maskottchen der Fußball-WM (Foto: DPA)

Ein Lächeln für die Fotografen: Leopard Zakumi, Maskottchen der Fußball-WM

Südafrikanische Kommentatoren sahen das am Dienstag anders. Sie sprachen von einem Ausverkauf der Werte, für die das demokratische Südafrika stehe. Der Enkel des früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela, Mandla Mandela, warf der Regierung vor, die Reputation des Landes zu beschädigen. Die Visumsverweigerung "beflecke die Versuche, zu demokratischen Verhältnissen zu kommen". Als souveräner Staat habe es Südafrika nicht nötig, sich dem Druck anderer Staaten zu beugen. Die tibetische Exilregierung in Indien warf der südafrikanischen Regierung ebenfalls vor, unter Druck gehandelt zu haben.

China ist einer der führenden Handelspartner des Landes am Kap. Erst in der vergangenen Woche hatte der China-Afrika-Entwicklungsfonds in Anwesenheit von ANC-Chef Jacob Zuma sein erstes Afrika-Büro in Johannesburg eröffnet.

China zufrieden

Die chinesische Führung zeigte sich am Dienstag mit der Entscheidung der südafrikanischen Regierung zufrieden. Außenamtssprecher Qing Gang sagte, die Entscheidung trage der Tatsache Rechnung, dass der Dalai Lama ein Separatist sei und seine buddhistische Religion nur vorschiebe. "Das wahre Gesicht des Dalai Lama als ein Sezessionist und Heuchler wird von mehr und mehr Ländern und Völkern dieser Welt anerkannt", so Qing.

Die südafrikanische Lobby-Gruppe "Freunde Tibets" reagierte inzwischen auf die Absage der Konferenz: Sie forderte die Fußballteams aus Norwegen und Südafrika auf, ihr Benefizspiel am Samstag im neuen WM-Stadion in Rustenburg aus Protest zu streichen. (bea/ako/det/dpa/ap/afpe/sid/rtre)

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