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Aktuell Nahost

Friedensgespräche für den Jemen verschoben

Die Hoffnungen auf ein Ende des Krieges im Jemen haben einen Rückschlag erhalten. Die geplanten Friedensgespräche in Genf wurden verschoben. Saudische Kampfjets bombardieren wieder, in Tais brachen heftige Kämpfe aus.

Jemeniten durchsuchen Gebäude eines Militärlagers der Huthis in Al Hudaydah (Foto: picture alliance)

Jemeniten durchsuchen nach einem Luftangriff zerstörte Gebäude eines Huthi-Militärlagers in Al Hudaydah

Ein Vertreter der Vereinten Nationen teilte auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP in New York mit, die für Donnerstag geplanten Verhandlungen in Genf seien auf unbestimmte Zeit vertagt. Zu den Gründen und einem neuen Termin machte er keine Angaben. Die Gespräche in Genf waren für drei Tage angesetzt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte angekündigt, die Verhandlungen sollten "den politischen Prozess im Jemen wieder in Gang setzen, das Ausmaß der Gewalt eindämmen und die humanitäre Last verringern, die unerträglich geworden ist". Unklar war jedoch geblieben, ob sich die Konfliktparteien in der Schweiz tatsächlich an einen Tisch setzen würden.

Jemens Exil-Regierung hatte als Vorbedingung für eine Teilnahme gefordert, dass die Huthi-Rebellen sich aus den eroberten Gebieten zurückziehen. Der nach Saudi-Arabien geflohene Staatschef Abd Rabbo Mansur Hadi erneuerte diese Forderung am Sonntag. Die Huthis dagegen wollten eigenen Aussagen zufolge Vertreter nach Genf entsenden.

Schwere Kämpfe um Tais

Der Jemen wird zwei Monate nach dem Beginn der Luftangriffe einer von Saudi-Arabien angeführten Militärallianz weiterhin von erbitterten Kämpfen zwischen Rebellen und der Armee erschüttert. Die Gefechte gingen auch am Sonntag und Montag weiter. In Tais, der drittgrößten Stadt des Landes, seien 30 Huthi-Rebellen und mit ihnen verbündete Kämpfer sowie fünf Hadi-treue Soldaten getötet worden, sagte ein lokaler Behördenvertreter.

Die schiitische Huthi-Miliz hatte am Sonntag eine Offensive auf Tais begonnen. Einwohner berichteten von Raketen- und Panzerbeschuss. Nach Angaben von Zeugen wurden dabei zehn Zivilisten getötet und 80 verletzt. Ein Bewohner sprach von einem "wahren Massaker". Tais liegt an der Straße nach Aden, der zweitgrößten Stadt des Landes an der Südküste. Eine Eroberung der Stadt würde den Rebellen zudem Zugang zur wichtigen Meerenge am Golf von Aden verschaffen. Die Stadt war ein Zentrum der Revolte gegen den 2011 gestürzten Präsidenten Ali Abdullah Saleh, der nun die Huthis unterstützt.

Stützpunkte zurückerobert

Auch in der benachbarten Provinz Daleh dauerten die Gefechte an. Nach Angaben aus dem Lager des Exil-Präsidenten Hadi gelang es seinen Unterstützern dort, mehrere Stützpunkte von den Huthi-Rebellen zurückzuerobern. Kämpfe wurden auch aus anderen südlichen Provinzen gemeldet. Kampfjets bombardierten über das Wochenende Waffenlager und Stützpunkte in der Hauptstadt Sanaa sowie Ziele in der Hafenstadt Aden und der nördlichen Huthi-Hochburg Saada.

Bei Gefechten zwischen saudiarabischen Truppen und Huthi-Rebellen wurde am Sonntag der wichtigste Grenzübergang beider Länder teilweise zerstört. Augenzeugen berichteten von einem gegenseitigen schweren Artilleriebeschuss. Der Übergang sei evakuiert worden. Einwohner einiger jemenitischer Dörfer in der Gegend hätten ihre Häuser verlassen und seien von der Grenze geflohen.

In dem Konflikt im Jemen wurden bisher etwa 2000 Menschen getötet, mehr als eine halbe Million Menschen ergriffen die Flucht. Eine mehrtägige humanitäre Feuerpause wurde Mitte Mai mehrmals gebrochen und trotz internationaler Appelle nicht verlängert. Die sunnitisch-arabische Militärallianz unter Führung Riads nahm daraufhin ihre Ende März gestarteten Luftangriffe auf die Huthi-Miliz wieder auf. Saudi-Arabien betrachtet den Vormarsch der Huthi-Miliz als Versuch des verfeindeten Iran an, in der Region an Einfluss zu gewinnen.

kle/stu (afp, dpa, rtre)