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Asien

Friedens-Dschirga soll Afghanistan stabilisieren

Am Mittwoch (2.6.) kommen 1600 Delegierte in Afghanistan zu einer Ratsversammlung zusammen. Sie sollen entscheiden, ob die Regierung Gespräche mit den Taliban aufnehmen soll. Und wenn ja, zu welchen Bedingungen.

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Hamid Karsai hofft, dass die Frieden-Dschirga ihm einen politischen Erfolg beschert

Der afghanische Präsident Hamid Karsai gab zu Beginn des vergangenen Jahres sein oberstes politisches Ziel bekannt: Eine Versöhnung mit den Taliban und die Beendigung des Krieges in Afghanistan. Rund anderthalb Jahre brauchte Karsai, bis er seine Partner im In- und Ausland von der Idee einer Friedens-Dschirga überzeugen konnte. Nun kommen am Mittwoch (2.6.) 1600 Delegierte in Kabul zusammen. Einer der Mitorganisatoren der Dschirga ist Faruq Wardak. Er ist der afghanische Bildungsminister und ein enger Vertrauter von Präsident Karsai. "Wenn wir von Verständigung mit den Taliban sprechen, dann müssen wir auch klären: Über was wollen wir uns verständigen? Mit wem? Und wo? Darüber hinaus erhoffen wir uns klare Mechanismen für die Realisierung von Verständigungsplänen mit den Gegnern."

Gespräche mit den Taliban?

Die Loya Jirga tagt

Die sogenannten Dschirgas dauern oft mehrere Tage

Die Friedens-Dschirga soll entscheiden, ob die afghanische Regierung mit den Taliban verhandeln soll. Und wenn ja, zu welchen Bedingungen. Um sich die Gesprächsbereitschaft der Taliban zu sichern, will Kabul den Gegnern Zugeständnisse machen. Einfache Kämpfer könnten etwa Straffreiheit erhalten. Anführern der Taliban und anderer aufständischer Gruppen wie Hizbe Islami könnte wiederum der Gang ins Exil angeboten werden, sofern sie sich von Al-Kaida lossagen. Bislang sind die Taliban nicht auf die Angebote der Regierung eingegangen. Jedes Gespräch mit Kabul haben sie kategorisch abgelehnt. Dass Karsai dennoch an der Friedens-Dschirga festhält, habe taktische Gründe, sagt der afghanische Sicherheitsexperte Wahid Mojda. Karsai hofft, mit der Friedens-Dschirga gleich zweimal zu punkten: "Innenpolitisch kann Karsai demonstrieren, dass er große Teile der Gesellschaft hinter sich hat. Und seinen ausländischen Partnern kann er mit der Dschirga signalisieren, dass das afghanische Volk keinen Krieg mehr möchte."

Die Taliban als Sündenbock?

Taliban, Archivbild

Wie die Taliban ins Boot holen? Kabul will nun Angebote unterbreiten

Gehen die Taliban nicht auf seine Vorschläge ein, dann könnte Karsai mit dem Finger auf sie zeigen und sie für den Fortgang des Krieges verantwortlich machen. Denn Karsai, der unter anderem wegen der Betrugsvorwürfe bei seiner Wiederwahl in der Kritik steht, benötigt politische Erfolge und hofft, durch die Friedens-Dschirga politisches Oberwasser zu gewinnen. Doch das allein wird ihm nicht helfen, fügt Wahid Mojda hinzu. Denn die Afghanen erwarten von ihm konkrete Lösungsvorschläge.

Autor: Ratbil Shamel

Redaktion: Silke Ballweg