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Afrika

Frieden im Niger-Delta?

Am Wochenende endete ein Amnestie-Angebot der nigerianischen Regierung. Tausende Rebellen verließen die Sümpfe des Niger-Deltas. Kommt jetzt Frieden?

Rebellen legen Waffen ab (Foto: dpa)

Rebellen legen Waffen ab

Timi Alaibi, Berater von Nigerias Präsident Yar’Adua in Sachen Amnestie, verliest eine Liste mit Waffen, die Rebellen abgeliefert haben: Maschinengewehre, G3-Gewehre, Pistolen, Granatwerfer.

Szenen wie diese haben sich in den letzten Wochen im Niger-Delta häufig abgespielt. Den Höhepunkt bildeten Massenaufmärsche am vergangenen Sonntag (04.10.2009), dem Tag, an dem das Amnestie-Angebot der Regierung an die bewaffneten Gruppen im Delta auslief. Bis zu 5000 Mann stark waren die Truppen, die die Mangrovensümpfe verließen. Schon am Nationalfeiertag, dem 1. Oktober, hatte sich Präsident Umaru Yar’Adua gemeinsam mit einem der wichtigsten Rebellenführer, Ateke Tom, der Presse gezeigt und diesem dafür gedankt, dass er sein Friedensangebot angenommen hat. Die Amnestie, so Yar'Adua, solle einen bewaffneten Aufstand und die Missverständnisse zwischen Brüdern friedlich beenden. Sie sei ein Mittel, um dem Niger-Delta stabilen Frieden und Sicherheit zu bringen.

Immer noch großes Misstrauen

Umaru Musa Yar'Adua (Foto: AP)

Präsident Umaru Musa Yar'Adua setzt auf Amnestie

Dass die bewaffneten Gruppen das Amnestie-Angebot annehmen würden, war bis zum Schluss unsicher. Zu groß ist das gegenseitige Misstrauen. Besonders groß ist dieses Misstrauen unter der größten Volksgruppe im Delta, den Ijaws. Auch Rebellenführer Ateke Tom ist ein Ijaw. Und er fühlte sich angesichts der ungewohnten Nähe zum Präsidenten offensichtlich noch nicht ganz wohl. Trotzdem bedankte auch er sich und apellierte an den Präsidenten, sich mit dem Ijaw-Volk zu einigen und es aus seiner misslichen Lage zu befreien.

Ateke Tom gab am Wochenende in der Delta-Metropole Port Harcourt seine Waffen ab.

Direkte Verhandlungen

Blick aufs Niger-Delta (Foto: dpa)

Kehrt jetzt wieder Ruhe im Niger-Delta ein?

Für Präsident Yar’Adua hat sein Berater Timi Alaibi mit den Rebellenführern verhandelt. Er betont, dass alle wichtigen Anführer bewaffneter Gruppen das Angebot angenommen hätten. Das sei möglich geworden, weil die Regierung erstmals direkt mit ihnen verhandelt habe und ihnen einen Weg aus der Konfrontation gezeigt habe. Bislang, so Timi Alaibi, hätte es eine Lücke zwischen der Führung des Landes und den Militanten an der Basis gegeben. Diese Lücke wolle die Regierung nun schließen, betont Alaibi. Die Rebellenführer sollen nun an der Zukunft des Niger-Deltas mitwirken.

Hilfsangebote für Jugendliche

Entscheidend für den Erfolg der Amnestie wird es sein, ob die Regierung auch den Tausenden Jugendlichen eine Perspektive geben kann, die ihren Anführen jetzt aus den Sümpfen zurück in die Städte gefolgt sind. Das weiß auch Präsidentenberater Alaibi. Die Entwaffneten sollen nun zuerst in eigens dazu eingerichten Zentren auf ein friedliches, ziviles Leben vorbereitet werden. Jedem einzelnen will die Regierung dann ein persönliches Hilfsangebot machen, verspricht Alaibi. "Diejenigen, die zur Schule gehen wollen, werden wir zur Schule schicken. Diejenigen, die ein Geschäft aufmachen wollen, werden wir unterstützen und entsprechend ausbilden. Diejenigen, die zur See fahren wollen, werden wir in die entsprechenden Ausbildungseinrichtungen schicken."

Großes Misstrauen

Solche und ähnliche Versprechen haben die Menschen im Niger-Delta schon jede Menge gehört, ohne dass sich an ihrer Lage entscheidendes geändert hat. Das Misstrauen ist denn auch groß. Schon gab es erste Proteste in den Auffanglagern.

Jugendliche fordern das versprochene Übergangsgeld, das ihnen schon seit zwei Wochen vorenthalten werde. Das zeigt, wie schnell der Unmut sich wieder Bahn brechen kann. Wenn die Jugendlichen nicht schnell eine Arbeit finden, von der sie leben können, werden sie jederzeit wieder denjenigen folgen, die ihnen Geld und Waffen geben. Bisher ist auch überhaupt nicht klar, ob Präsident Yar’Adua auch die Hintermänner der bewaffneten Banden davon überzeugen kann, dass Frieden im Delta lukrativer ist als Krieg. Viele Politiker haben die Jugendlichen in Wahlkampfzeiten bewaffnet, um sich so politische Ämter und damit einen Anteil an den Ölmilliarden zu sichern. Bis zur nächsten Wahl in Nigeria sind es nicht einmal mehr zwei Jahre. Der Regierung bleibt nur wenig Zeit.

Autor: Thomas Mösch

Redaktion: Christine Harjes