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Präsenz im Baltikum

"Frieden hat einen hohen Preis"

Bald habe Russland wieder eine gute Beziehung zur NATO, meint der russische Vize-Verteidigungsminister Fomin im DW-Interview - kurz vor dem Start des russischen Manövers "Sapad".

Russland Sapad Militärübung bei Kaliningrad 2013 (picture-alliance/dpa/A. Druginyn)

Militärübung bei Kaliningrad (Archivbild, 2013)

DW: Die Militärübungen "Sapad-2017" finden ab Donnerstag an der Grenze zum Westen, zur NATO, statt. Es ist klar, dass gerade der Westen da besonders viele Fragen hat. So fürchtet etwa der litauische Verteidigungsminister, dass Russland damit seine Angriffstaktiken übt – gegen baltische Länder und Polen. Wie gerechtfertigt sind solche Ängste?

Alexander Fomin: Ich möchte sofort unsere guten Nachbarn beruhigen. Diese Übungen sind absolut friedlich und haben ausschließlich Verteidigungscharakter. "Sapad" (russ. für "Westen" – Anm. der Redaktion) ist in diesem Fall keine geografische Bezeichnung für die Länder des Westens und der NATO, auf keinen Fall. "Sapad" bedeutet  - der Westen der Russischen Föderation und Weißrussland, das noch westlicher liegt als Russland.

Die Ukraine fürchtet unter anderem, dass diese Übungen in eine Invasion, in einen Angriff übergehen können.

Auf keinen Fall. Und das sage ich mit voller Verantwortung. Wir planen keinen Angriff auf unsere Nachbarstaaten. Das Hauptziel besteht darin, entsprechende Praktiken und Anwendungen unserer Streitkräfte im Kampf gegen den Terrorismus zu üben.

Alexander Fomin (picture-alliance/Ministry of defence of the Russian Federation/V. Savitskii)

Alexander Fomin: "Übungen nicht gegen NATO"

Dann würde ich gern die Teilnehmerzahlen klären. Die schwanken von 5.200 bis 100.000 Soldaten. Die letztere Zahl vermutet der Westen. Wie viele Angehörige der Streitkräfte werden nun an "Sapad-2017" teilnehmen? 

Die Zahl 100.000 kommt natürlich gar nicht in Frage. Insgesamt werden an den Übungen ca. 12.700 Soldaten teilnehmen. Davon – und das meinten Sie wahrscheinlich – sind etwa 5.500 aus Russland und 7.200 aus Weißrussland. Das sind 250 Panzer, ungefähr 680 gepanzerte Fahrzeuge und etwa 150 Artillerieeinheiten.

Gut, aber wenn man das gesamte Übungsgebiet von der Karelischen Richtung in der Arktis bis nach Weißrussland nimmt, kommt man auf eine Riesenfläche. Da erscheint die Zahl 12.700 doch sehr gering.

Nichtsdestotrotz. Wir führen manchmal Übungen mit deutlich mehr Menschen und Mitteln durch. An den bevorstehenden Übungen jedoch werden so viele Personen wie bereits genannt teilnehmen, weil wir in einer anderen Teilnehmerzahl keine Notwendigkeit sehen.

Diese Übungen finden in einer Phase statt, in der die Beziehung zwischen Russland und der NATO gerade ihren Tiefpunkt erreicht hat. Viele halten sie deswegen für eine Provokation: ausgerechnet jetzt und ausgerechnet im Westen... 

Wir beobachten natürlich sehr genau die tatsächlichen Ereignisse, unter anderem im System und in der modernen Sicherheitsarchitektur Europas. Und diese Ereignisse, Erscheinungen und Schritte vor allem seitens der Nordatlantischen Allianz rufen unsere Besorgnis hervor. Ich meine die beharrliche und konsequente NATO-Osterweiterung, ungeachtet der Versprechungen, die übrigens schriftlich festgehalten wurden, während der – Gott sei Dank – deutschen Wiedervereinigung.

Infografik Karte Russisches Militärmanöver

Russisches Militärmanöver "Sapad 2017"

Aber die NATO-Osterweiterung erklärt sich vielleicht durch die aggressive Politik Russlands unter anderem im Osten der Ukraine und auf der Krim.

Erstens, die NATO steht an unserer Grenze. Russland steht nicht an der Grenze Deutschlands oder Frankreichs, ich bitte das zu beachten. Wer war also die treibende Kraft? Deswegen würde ich gern die Sache von einem anderen Blickwinkel betrachten. Die Militärübungen "Sapad-2017" geben keinen Anlass für die NATO, direkt an der russischen Grenze zu stehen.

Befürchten Sie nicht, dass diese Übungen die Eskalation zwischen der NATO und Russland weiter voran treiben?

Nein, das befürchten wir nicht. Vor allem weil diese Übungen – und das sage ich nochmals – nicht gegen die NATO gerichtet sind. Und das trotz der offen aggressiven Politik der NATO gegenüber Russland.

Was macht eigentlich Russland, um den Konflikt zu deeskalieren? Um die Zusammenarbeit, die es mal in prähistorischen Zeiten gab – so scheint es heute zumindest – wieder zu beleben?

Sie haben es ganz richtig formuliert. Wir möchten nicht, dass diese Zusammenarbeit in prähistorischen Zeiten bleibt. Wir glauben, dass es eine Vergangenheit, eine Gegenwart und auch eine Zukunft geben soll. Und ich bin mir sicher, diese Zukunft wird bald kommen. Und ich bin sicher, dass wir unsere guten Beziehungen zur NATO wieder haben werden und dass wir auch die wunderbare Zusammenarbeit im NATO-Russland-Rat wieder haben werden. 

Von welcher Zeitspanne reden wir da? 

Ich denke an spätestens ein bis zwei Jahre.

Woher nehmen Sie die Sicherheit?

Das ist keine Selbstsicherheit, da haben Sie recht, sondern Sicherheit. Der Frieden hat einen hohen Preis. Das wissen wir wie kein anderer und da geht es den NATO-Militärs nicht anders. Der Frieden ist zerbrechlich, das sehen wir unter anderem auch in Europa.

Zurück zu den Übungen: Können die Menschen in Osteuropa und den baltischen Ländern ruhig schlafen?

Mit Sicherheit. Ganz ernsthaft. 

Das Gespräch führte Juri Rescheto. 

 

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