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Afrika

Fremdenfeindlichkeit in Südafrika

Im letzten Jahr gingen hässliche Bilder aus Südafrika um die Welt: Flüchtlinge aus Simbabwe wurden von einem brutalen Mob gejagt und bei lebendigem Leib verbrannt. Doch es gibt auch Südafrikaner, die zu helfen versuchen

Mutter mt Kind (dpa)

Vertrieben und im neuen Land nicht erwünscht - Flüchtlinge aus Simbabwe

"Wir sollten wirklich nicht vergessen, dass wir einmal Fremde im Ausland waren. Deshalb sollten wir die Fremden nun willkommen heißen und uns um sie kümmern. Das gebietet einfach die Menschlichkeit." sagt Paul Verryn. Er ist ein gefragter Mann in diesen Tagen – die Medien wollen mit ihm sprechen, die Johannesburger Stadtverwaltung und eine Anwaltskanzlei, die ihn verklagt hat. Vor allem aber wollen ihn 'seine' Flüchtlinge sprechen. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen in Verryns kleinem Büro, das bis unter die Decke mit Lebensmitteln wie Mehl und Babymilch gefüllt ist. Paul Verryn ist Bischof der Methodistenkirche im Herzen von Johannesburg.

Flüchtlinge(AP)

Neue Heimat - ein Flüchtlingslager in Johannisburg

Der Gottesmann hat seine Kirche im wahrsten Sinne des Wortes geöffnet. 3000 simbabwische Flüchtlinge haben hier dauerhaft Unterkunft gefunden, weitere 2000 schlafen nachts auf improvisierten Lagern aus Kartons und Matratzen im Schutz der Kirche. Und Schutz brauchen sie. Zum einen vor den Schergen Robert Mugabes in der Heimat, zum Anderen vor seinen südafrikanischen Landsleuten, weiß Verryn. Jeden Tag hört er Schicksale wie das einer Frau, die gerade den Grenzfluss zwischen Simbabwe und Südafrika durchschwommen hatte, nur um am anderen Ufer zu erleben, wie ihr ihr Baby vom Rücken gerissen und vor ihren Augen in den Fluss geworfen wurde. Andere Frauen erzählen ihm, wie ihre Kolleginnen vor ihren Augen massenvergewaltigt wurden, berichtet der Bischof. "Diese Menschen hier wollen oft einfach nur ihre Existenz wiederfinden, ihre Menschlichkeit, einen Grund, weiterzuleben."

Kritik an der Regierung Südafrikas

Elinor Sisulu ist die Sprecherin der Exil-Simbabwer in Südafrika. Sie ist auch die Schwiegertochter des ehemaligen Mandela-Gefährten und der ANC-Ikone Walter Sisulu. Ihre Stimme hat also Gewicht in Südafrika. Auch dann, wenn sie die Regierung wegen ihrer verfehlten Simbabwe-Politik für die Ausländerfeindlichkeit verantwortlich macht und die Rückführung simbabwischer Flüchtlinge in ihr Land kritisiert. "Südafrika hat das Ausmaß des Flüchtlingsstromes immer geleugnet. Wenn man dies anerkannt hätte, dann hätte man ja auch das Ausmaß der politischen Krise anerkennen müssen. Aber dazu war die südafrikanische Regierung politisch nicht in der Lage." Vor der Kirche drängen sich mittlerweile die Flüchtlinge. Die Situation hat sich dramatisch verschlechtert, seitdem das Auffanglager in Musina an der simbabwisch-südafrikanischen Grenze geschlossen wurde. Ein Team von "Ärzte ohne Grenzen" kümmert sich um die medizinische Versorgung der Neuankömmlinge, um vor allem auch mögliche Cholera-Fälle frühzeitig erkennen zu können.

Neue Hoffnung trotz Ablehung und Hass

Ein junger Mann aus Simbabwe, der nur "John" genannt werden möchte, war gerade in Durban, als die Welle der Fremdenfeindlichkeit über das Land schwappte. Eine Narbe am Kopf zeugt noch von den Übergriffen. Auf dem Gehsteig vor der Kirche hat "John" einen Nischenmarkt für sich erschlossen. An seiner mobilen Ladestation lädt er Mobiltelefone auf für diejenigen, die auf der Flucht das Netzteil verloren haben. Fünf Rand, 40 Cents, kostet eine Akkuladung. Und Mobiltelefone brauchen sie hier alle.

Verletzter Afrikaner (AP)

Vom Mob gejagd und schwer verletzt

Entweder, um beim Innenministerium nach dem Fortgang des Asylverfahrens zu fragen, um die Familie daheim in Zimbabwe anzurufen oder um für potenzielle Arbeitgeber erreichbar zu sein. John ist bestürzt und traurig über die Ablehnung und den Hass, der ihm und seinen Landsleuten in Südafrika entgegenschlägt. Obwohl er unglücklich über die jetzige Situation ist, möchte er nicht wieder in die Heimat zurück. "In Simbabwe gibt es keine Ressourcen: Wir haben keine Elektrizität, keine Nahrung, und die politische Lage zwingt uns, unser Land zu verlassen. Unsere Lebensumstände hier sind nicht in Ordnung, aber immerhin ist das Leben hier etwas besser als daheim. Deshalb müssen wir das Beste aus unserer Situation machen." Fürs erste dürfen die Simbabwer in der Methodistenkirche ausharren. Ein Fast-Food-Geschäft nebenan hat Bischof Verryn wegen Geschäftsschädigung verklagt. Doch das greift den Kirchenmann nicht an. Er lacht sein gewinnendes Lachen und verspricht zivilen Ungehorsam: "Ich werde mich nicht entschuldigen und solange weitermachen bis eine vernünftige Lösung in gegenseitigem Einvernehmen gefunden ist. Wenn ich dafür ins Gefängnis gehen muss, dann hat es sich zumindest gelohnt."

Autor: Ludger Schadomsky, Redaktion: Michaela Paul

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