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Politik

Fremdenfeindlichkeit in Russland nimmt zu

In Russland ist die Zahl der Angriffe aus rassistischen Motiven stark gestiegen. In diesem Jahr kamen bereits 72 Menschen ums Leben. Soziologen machen Medien dafür mit verantwortlich.

Zuwanderer aus dem Kaukasus (Quelle: AP)

Nicht gern gesehen: Zuwanderer aus dem Kaukasus

Soziologische Forschungen zeigen: Jeder zweite Bürger fühlt sich durch die große Anzahl von Zuwanderern in russischen Städten gestört. Laut einer Untersuchung des Moskauer Informations- und Analysezentrums "Sowa" hat sich mit der wachsenden Feindlichkeit gegenüber Zuwanderern auch die nationale Zugehörigkeit der Opfer geändert. Waren russische Bürger bisher vor allem gegenüber gebürtigen Kaukasiern feindlich gesinnt, äußern sie ihren Unmut nun meist gegenüber den Übersiedlern aus asiatischen Ländern.

Feindselige Stimmung

Die Soziologen des "Sowa"-Zentrums machen die Medien für diese Entwicklung mit verantwortlich. Die Untersuchung habe gezeigt, dass die Berichterstattung in den russischen Medien über Zuwanderer fast ausschließlich negativ sei. "Bis etwa 2005 hatte das Wort 'Zuwanderer' keine ethnische Bedeutung," sagt die stellvertretende Leiterin des Sowa-Zentrums, Galina Koschewnikowa. "Aber seit zwei Jahren sind Äußerungen über Zuwanderer in Medien gleichbleibend feindselig. Das ist eine sehr gefährliche Tendenz"

Brennpunkte Moskau und St. Petersburg

Nach Untersuchungen des Moskauer Zentrums für Menschenrechte starben allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres 72 Menschen im Zusammenhang mit rassistischen Gewalttaten. Diese Zahl ist jetzt schon höher als die Zahl der Opfer im gesamten vergangenen Jahr - 2007 wurden 50 Menschen aus rassistischen Motiven getötet.

Der Leiter des Moskauer Zentrums für Menschenrechte, Alexander Brod, teilte mit, dass von Januar bis Mitte Mai in Russland mindestens 126 Angriffe aus rassistischen Motiven registriert worden seien. Dabei seien 72 Menschen gestorben und 137 verletzt worden. Brod zufolge sind Moskau und St. Petersburg die häufigsten Schauplätze von Gewalttaten.

Opfer sind meist Asiaten

Besonders häufig wurden Zuwanderer aus den zentralasiatischen Ländern Opfer fremdenfeindlicher Gewalt. Unter den Toten und Verletzten dieses Jahres waren besonders häufig Usbeken (12 gestorben, 10 verletzt), Kirgisen (9 gestorben, 5 verletzt), Tadschiken (6 gestorben, 23 verletzt).

Die Feindlichkeit gegenüber Menschen aus dem Kaukasus hält weiter an: Unter den Opfern waren besonders häufig Aserbaidschaner. 6 sind bei Übergriffen gestorben, 7 wurden verletzt. Schätzungen zufolge soll es in Russland bis zu 70.000 Skinheads und Mitglieder anderer radikal-nationalistischer Organisationen geben.

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