Freiwillige Rückkehr mit Hindernissen | Europa | DW | 25.02.2016
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Europa

Freiwillige Rückkehr mit Hindernissen

Immer mehr Asylbewerber vom Balkan verlassen freiwillig Deutschland, weil sie hier kein Bleiberecht bekommen. Einige müssen aber auf die Ausreisemöglichkeit warten.

Albanien Tirana Rückkehr abgelehnte Asylbewerber (Foto: Arben MUKA )

Rückkehr der abgelehnten Asylbewerber nach Tirana, Albanien

Die Tendenz ist eindeutig: Immer mehr abgelehnte Asylbewerber vom Balkan machen sich auf dem Weg zurück in ihre Heimat. Monatelang stellten Albaner nach den Syrern die zweitgrößte Flüchtlingsgruppe in Deutschland dar. Nun verlassen täglich bis zu 100 Albaner oder Kosovaren Deutschland freiwillig. Die meisten über den Frankfurter Flughafen. Mit der freiwilligen Ausreise vermeiden die abgelehnten Asylbewerber die Abschiebung und damit einen Vermerk im Pass, der eine Wiedereinreise in den Schengener Raum bis zu fünf Jahre lang verbietet.

Ein kleiner Flüchtling aus Albanien in Eisenhüttenstadt (Foto: Patrick Pleul/dpa)

Kaum eine Chance in Deutschland zu bleiben: Asylbewerber aus Albanien

Die Rückkehr-Welle könnte auch durch die neuen Regelungen für Arbeitnehmer aus dem Balkanraum in Gang gekommen sein. Die gesetzlichen Bestimmungen, die am 1. Januar dieses Jahres in Kraft getreten sind, erleichtern den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Eine freiwillige Rückkehr in die Heimat lässt somit das Tor zu Deutschland offen. Die Rückkehrer können wieder bei der deutschen Botschaft im Heimatland vorsprechen, falls sie eine Stelle in Deutschland gefunden haben. 170 solche Bewerbungen hat inzwischen die deutsche Botschaft in Tirana registriert.

Die "verschwundenen" Pässe

Es gibt auch abgelehnte Asylbewerber, die Deutschland verlassen wollen und müssen, aber nicht können. Grund dafür ist ein Phänomen, das in letzter Zeit in den Medien als "Passverlust" bekannt wurde. Eigentlich geht es um ein zeitlich, unbestimmtes "Verschwinden" des Passes in Dickicht der Bürokratie der Asylbehörden. Eine Zeit, in der die Asylbewerber in Unsicherheit leben und keine Zukunftspläne schmieden können, sagt Annegret Spitz, Beauftragte für die Rückkehrer bei der "Kölner Diakonie". Im letzten Jahr kamen 640 zu ihr in die Beratung. Bei rund einem Drittel war der Pass verloren gegangen, bestätigt sie. Manche mussten einige Wochen, andere monatelang warten, bis der Pass wieder auftauchte.

Nach Anfrage der Deutschen Welle bestätigt das Bundesamt für Asyl und Migration, (BAMF) die Problematik. "Es kann zu Fällen kommen, bei denen vorübergehend ein Dokument nicht einem konkreten Asylverfahren zuzuordnen ist. Grund hierfür ist, dass das Bundesamt teilweise Pässe von anderen Behörden erhält, bevor ein Asylantrag gestellt wurde. Sobald ein Antrag gestellt wird, wird der Ausweis in die Dokumentenmappe des Asylantragstellers hinzufügt. Dort verbleibt er bis zum Abschluss des Verfahrens."

Enttäuscht von den deutschen Behörden

Annegret Spitz von der Kölner Diakonie sagt, dass die erwähnten Vorfälle gehäuft bei den Asylbewerbern aus Albanien oder Kosovo festzustellen sind. "Vielleicht lässt sich das damit erklären, dass diese Personen ihre Pässe bei der Registrierung bei sich hatten, anders als bei den Asylbewerbern anderer Nationalitäten." Annegret Spitz ist der Fall eines Asylbewerbers aus Albanien, der sehr lange auf die Rückkehr in die Heimat warten musste, in Erinnerung geblieben. Sein Pass war verschwunden. "Er war sehr geduldig, kam immer wieder zu uns, wir halfen ihm, in dem wir bei den Behörden, wie das Bundesamt für Asyl und Migration nachfragten. Der Pass des Albaners wurde erst nach fünf Monaten wieder gefunden.

"Viele können es nicht verstehen, wie so etwas passieren konnte. Einerseits wurde ihnen klar gemacht, dass sie Deutschland verlassen sollen, und wenn sie zurückkehren wollen, ist das unmöglich oder dauert sehr lange", sagt Spitz. Sie kamen mit viel Vertrauen, sind aber enttäuscht von den deutschen Behörden, vermerkt sie.

Nun gibt es Hoffnung für eine schnelle Reise ohne Pass. Eine zentrale Datenbank soll die Zusammenarbeit der Behörden verbessern. "Im BAMF werden seit einiger Zeit Pässe, die noch keinem Asylverfahren zugeordnet wurden, in einer zentralen Datenbank erfasst. Somit wird sichergestellt, dass jede Außenstelle des Bundesamtes jederzeit Zugriff auf die Dokumente erhält", bestätigt ein Sprecher des BAMF der Deutschen Welle.