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Sport

Freisprüche im Handball-Prozess

Der frühere Manager des Handball-Rekordmeisters THW Kiel, Uwe Schwenker, und Ex-Trainer Zvonimir Serdarusic sind vom Vorwurf freigesprochen worden, Schiedsrichter bestochen zu haben. Doch Zweifel bleiben.

Der ehemalige Manager des THW-Kiel, Uwe Schwenker, lacht nach dem Urteilsspruch. Foto: dpa

Ex-Manager Schwenker freut sich

Kieler Spieler feiern Champions-League-Sieg 2007. Foto: dpa

Kieler Spieler feiern Champions-League-Sieg 2007

"Wir sind nicht von der Schuld der Angeklagten überzeugt – allerdings auch nicht von ihrer Unschuld", sagte Richter Mathias Wardeck. Es habe sich um einen reinen Indizienprozess gehandelt. "Man kann niemanden verurteilen, wenn Zweifel an der Schuld bestehen." Vier Monate hatte der Prozess vor dem Kieler Landgericht gedauert. Uwe Schwenker, Ex-Manager des Handball-Rekordmeisters THW Kiel, und dem früheren Trainer Zvonimir Serdarusic waren Bestechung, Betrug und Untreue vorgeworfen worden. Die Ankläger behaupteten, Schwenker und Serdarusic hätten 2007 das Finalrückspiel der Champions League gegen die SG Flensburg-Handewitt manipuliert, indem sie über einen Mittelsmann die Schiedsrichter der Partie bestochen hätten. Kiel hatte sich den Titel mit einem 29:27-Sieg in eigener Halle geholt, nachdem das Hinspiel 28:28 ausgegangen war.

Schlechtes Zeugnis für EHF

Der Vorsitzende Richter im Handball-Prozess, Matthias Wardeck. Foto: dapd

Richter Wardeck

An 19 Verhandlungstagen hatte das Gericht versucht, das Dickicht aus - so Richter Wardeck - "Indizien, Lügen, Gerüchten, Halbwahrheiten, persönlichen Animositäten und wirtschaftlichen Interessen" zu lichten. Vieles sei im Dunkeln geblieben. Etwa, warum der Mittelsmann vor dem Finalrückspiel von den Kielern über 55.000 Euro erhielt, davon 45.000 abhob und nach Warschau flog, wo Final-Schiedsrichter Miroslaw Baum wohnte. Ein schlechtes Zeugnis stellte der Richter auch der Europäischen Handball-Föderation (EHF) aus. Der Verband habe eine "Salami-Taktik" verfolgt und Informationen nur scheibchenweise herausgerückt. "Da scheint man kein riesengroßes Interesse gehabt zu haben, an einer Aufklärung mitzuwirken."

Kein eigener Straftatbestand

Der ehemalige Trainer des THW-Kiel, Zvonimir Sedarusic. Foto: dpa

Ex-Trainer Sedarusic

In einigen europäischen Ländern wie Italien oder Spanien gilt Sportbetrug als eigenständige Straftat, die verfolgt werden kann -  nicht so in Deutschland. Die Bundesregierung hat es wiederholt abgelehnt, einen neuen, eigenen Straftatbestand einzuführen, um Doping, Bestechung und Manipulation im Sport zu bekämpfen. Nach ihrer Einschätzung reichen die Regelungen des Strafgesetzbuches zum Betrug aus. Der Handballprozess war der erste Versuch in der deutschen Justizgeschichte, einen mutmaßlichen Fall von Sportbetrug mit den Mitteln des Wirtschaftsstrafrechts zu beweisen. Auch wenn Zweifel an der Unschuld der Angeklagten bleiben, dürfen die Handballfans des THW Kiel doch aufatmen. "Wir konnten herausfinden", sagte Richter Wardeck, "dass das Finale der Champions League von 2007 sauber gelaufen ist und nicht verschoben wurde."

Autor: Stefan Nestler
Redaktion: Joscha Weber

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