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Kultur

Freilichtmuseen in Deutschland: Xanten - Mitten im Alltag der Römer

Im Archäologischen Park Xanten taucht man in das Leben einer römischen Stadt am Rhein ein. Die Antike ist hier zum Greifen nah und begeistert Jung und Alt.

Sobald man die moderne Eingangshalle verlässt, betreten die Füße den Boden auf dem einst eine pulsierende römische Stadt stand. Schon aus der Entfernung ist die rekonstruierte Stadtmauer der Colonia Ulpia Traiana mit ihren massiven Türmen zu sehen. Dahinter steht die Arena in der vor rund 2000 Jahren spektakuläre Gladiatorenkämpfe und Wagenrennen ausgetragen wurden. Rund 10.000 Menschen fasste das Amphitheater zur Römerzeit. Der Archäologe Sebastian Held erklärt, warum die Größe des Amphitheaters auf die Einwohnerzahl der Stadt schließen lässt: "Die Ausrichter der Spiele wollten sich einem möglichst großen Publikum präsentieren, denn jeder sollte dabei sein und ihre Veranstaltungen miterleben."

Auf den Spuren der Gladiatoren

Archäologischer Park Xanten Foto: Axel Thünker DGPh für LVR-Archäologischer Park Xanten/LVR-RömerMuseum

Fast wie im echten Römer-Leben: Kampf der Gladiatoren

Der Archäologische Park Xanten bietet seinen Besuchern auf 60 Hektar die Chance, sich in diese Zeit hineinzuversetzen. Man durchquert die Gänge, in denen die Gladiatoren und die wilden Tiere auf ihren Kampf warteten. Mit den eigenen Solen kann man den Sand betreten, auf dem sie nicht selten ihr Leben ließen. Aber auch die Perspektive der Zuschauer, die dem Spektakel beiwohnten, lässt sich von den rekonstruierten Rängen aus einnehmen.

Ende Juni fand unter dem Motto "Schwerter, Brot und Spiele" eine Großveranstaltung statt, die rund 17.500 Besucher ein Wochenende lang in den römischen Alltag katapultierte. Neben Handwerkern, Weberinnen und Bäckern durften die Gladiatoren natürlich nicht fehlen. 450 Mitwirkende aus neun Ländern Europas erweckten das antike Xanten wieder zum Leben.

Faszination für Jung und Alt

Schulklassen machen einen Großteil der Besucherzahlen des Parks aus. Auf den langen, von Bäumen gesäumten Wegen, begegnet man ihnen immer wieder. Viele von ihnen kommen aus den Niederlanden, denn die Landesgrenze ist bloß eine halbe Autostunde entfernt. "Alle Infotafeln im Park sind deshalb dreisprachig auf deutsch, englisch und eben niederländisch", erklärt Sebastian Held. Egal woher die Kinder kommen und welche Sprache sie sprechen, der Park bietet ihnen ein vielfältiges Angebot an Möglichkeiten, die Welt der Römer kennenzulernen. Der riesige Spielplatz in Form eines römischen Kastells lässt sie spielend eine römische Verteidigungsanlage entdecken. Das gigantische Hüpfkissen hinter dem Kastell ist zwar historisch nicht belegt, lädt aber trotzdem zum Toben ein.

Schulklasse im Archäologischen Park in Xanten. Foto: DW/F. Schlagwein

Geschichte unter die Füße nehmen

Natürlich ist der Park auch für Erwachsene eine Reise wert. Vorbei an einem originalgetreuen Handwerkerhaus und der Herberge führen die Alleen hin zum Hafentempel. Dessen weiße Säulen ragen in verschiedener Höhe in den Himmel. Obwohl der Archäologe Sebastian Held den Tempel schon unzählige Male gesehen hat, scheint seine Begeisterung für das pompöse Bauwerk nicht geschwunden zu sein. "Er steht an einer extrem populären Stelle, wo ihn jeder in der Umgebung und jedes vorbeifahrende Schiff auf dem Rhein gesehen haben muss", erklärt er und fügt hinzu: "Er muss einer ganz besonderen Person gewidmet worden sein." Wer diese Person war, ist jedoch bis heute nicht bekannt. Es bleibt wie so oft in der Archäologie – die Ungewissheit.

Antike in futuristischem Ambiente

Archäologischer Park in Xanten, Museum. Foto: DW/F. Schlagwein

Fusion von Antike und Moderne: Das RömerMuseum auf den Grundmauern der antiken Therme

Das Zentrum des gesellschaftlichen Lebens in römischen Städten waren jedoch nicht die Tempelanlagen, sondern die Badehäuser. 2008 eröffnete auf den Grundmauern der antiken Therme das höchstmoderne RömerMuseum. Von außen den antiken Baustrukturen nachempfunden, mutet es im Innern beinahe futuristisch an. Man fühlt sich wie in einem Raumschiff. In hängenden Gängen geht der Besucher von unten nach oben chronologisch durch die frühe Stadtgeschichte. Gelbe tunnelartige Durchgänge verdeutlichen Zäsuren in der Entwicklung der ursprünglich germanischen Siedlung, die zu einer bedeutenden Stadt der Römer nördlich der Alpen wurde.

Doch warum entschied man sich für eine moderne Architektur des Museums, während der Park mit aufwändigen Rekonstruktionsbauten versucht, die antike Wirklichkeit fassbar zu machen? "Wir wollten bewusst eine Distanz schaffen, in der die Besucher aus der Moderne auf die Geschichte der Stadt blicken", erklärt die Museumspädagogin Kathrin Jaschke. "Man soll die 2000 Jahre spüren, die dazwischen liegen."

Bewegte Geschichte zum Anfassen

Das antike Xanten hat eine bewegte Geschichte. Schon vor Christi Geburt ließen sich die Römer in der germanischen Siedlung nieder. Kaiser Trajan erhob sie um 100 n.Chr. zur Stadt und gab ihr seinen Namen - Colonia Ulpia Traiana (nach seinem lateinischen Namen Marcus Ulpius Traianus). Das hatte weitreichende Folgen für die Stadt und ihre Bevölkerung. Trajan ließ die alte Siedlung einebnen und auf ihrem Grund eine prächtige Stadt errichten. Die Bürger erhielten das römische Bürgerrecht und gewisse Privilegien wie Steuererleichterungen.

Archäologischer Park in Xanten, Schatz. Foto: DW / Maksim Nelioubin. DEMASTERNEU003

Münzen und kostbare Utensilien

Die Besucher lernen die Stadtgeschichte und den Alltag der Bürger hautnah kennen. Ausstellungsstücke sind nicht nur in Glasvitrinen zu bewundern, sondern können auch angefasst werden. Um deutlich zu machen wie sich beispielsweise ein römischer Soldat gefühlt haben muss, kann man seinen Helm (natürlich als Replik) aufsetzen, sein Schwert anlegen und auf dem Sattel seines Pferdes Platz nehmen. "Die Besucher behalten das Erzählte wesentlich besser wenn sie dazugehörige Gegenstände greifen können", sagt Kathrin Jaschke.

Das Konzept des Archäologischen Parks Xanten scheint aufzugehen. Die Symbiose aus Moderne und Antike zog im vergangenen Jahr rund 560.000 Besucher an und zählt damit zu den 20 meistbesuchten Museen Deutschlands. Ein buntes Angebot für Jung und Alt vermittelt den Alltag der einst lebendigen römischen Stadt am Rhein auf einzigartig unmittelbare Weise. Antike zum Anfassen – definitiv eine Reise wert.

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