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Nahost

Freiheit für den "Schuhwerfer von Bagdad"

Der Mann, der George W. Bush mit einem Schuh bewarf, ist frei: Der irakische Journalist Muntaser el-Saidi hatte neun Monate hinter Gittern verbracht. In Bagdad gab es Freudenfeste.

Porträt von El-Saidi auf einem Plakat (Foto: AP)

El-Saidi arbeitet für den irakischen TV-Sender El-Baghdadija

Die Freilassung war ursprünglich für Montag angekündigt. Nach bürokratischen Verzögerungen war es dann aber an diesem Dienstag (15.09.2009) soweit: Muntaser el-Saidi habe in Begleitung mehrerer Parlamentsabgeordneter den Militärstützpunkt in der irakischen Hauptstadt Bagdad verlassen, teilte sein Bruder Udai mit. Dort befinde sich auch das Gefängnis. Seine Unterstützer hatten schon am frühen Morgen ein Festzelt aufgebaut, um den Schuhwerfer zu feiern. Sie schlachteten zu seinen Ehren mehrere Schafe und ließen irakische Volksmusik spielen.

Doch zum Feiern war El-Saidi nicht so recht zumute. Auf einer Pressekonferenz bei seinem früheren Arbeitgeber, dem privaten Fernsehsender El-Baghdadija, warf er den Gefängnisbehörden vor, ihn gefoltert zu haben. Er sei mit Elektrokabeln und Eisenstangen geschlagen worden. Seine Bewacher hätten ihn auch unter Wasser getaucht und das Ertrinken simuliert. Auch sei er an Orten festgekettet worden, wo er Kälte ausgesetzt worden sei.

El-Saidi bewirft US-Präsident Bush mit seinem Schuh (Foto: AP)

Am 14. Dezember 2008 wurde US-Präsident Bush von El-Saidi mit Schuhen beworfen

Bush als 'Hund' beschimpft

Grund für die Inhaftierung war die Attacke auf den damaligen US-Präsidenten George W. Bush. Am 14. Dezember 2008 hatte El-Saidi in Bagdad den US-Präsidenten bei einer Pressekonferenz mit dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki mit seinen beiden Schuhen beworfen. Dabei hatte er Bush auch als 'Hund' beschimpft. Mit der Attacke habe er die Opfer des Irak-Krieges rächen wollen, sagte er nun bei El-Baghdadija. Indem er seine Schuhe auf Bush geschleudert habe, habe er seine Abscheu über dessen Lügen und die Besatzung des Irak Ausruck verleihen wollen. Getroffen wurde damals niemand, doch El-Saidi wurde über Nacht zum Volkshelden in der arabischen Welt.

El-Saidi war ursprünglich zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Die Strafe für den Journalisten war jedoch später reduziert worden, weil gegen ihn keine Vorstrafen vorlagen. (gmf/as/sam/dpa/ap/afp)