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Kultur

Freiheit des Unterrichts

Die im vergangenen Jahr veröffentlichte PISA-Studie hat den deutschen Schülern schlechte Noten verpasst. Als Konsequenz sollen jetzt nationale Bildungsstandards die Qualität des Schulunterrichts verbessern.

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Nicht Stundenpläne sind wichtig, sondern was die Schüler können

Bund und Länder sind sich einig: Nur wenn für alle Schulen verbindliche Lernziele festgeschrieben werden, kann das deutsche Bildungssystem konkurrenzfähig werden. Neuartige Standards sollen deshalb die alten Lehrpläne ergänzen, denn diese regeln bisher nur, was in der Schule zu unterrichten ist. Dagegen schreiben die neuen Bildungsstandards vor, was ein Kind einer bestimmten Altersstufe mindestens können muss.

Beispiel Deutschunterricht: Ein Schüler einer bestimmten Klasse muss in der "Mindest-Kompetenzstufe" einem Text "einfache Informationen" entnehmen können. Auf mittlerem Niveau muss er zugleich Nebenbotschaften erkennen und in der höchsten Stufe auch "zwischen den Zeilen lesen" können. Die Standards geben dazu Aufgaben vor.

Grundlage für eine echte Bildungsreform

Uneinig sind sich Bund und Länder darüber, wie die Standards umgesetzt werden sollen. Das wurde jüngst am Dienstag (18. Februar 2003) in Berlin bei der Vorstellung eines Gutachtens im Auftrag des Bundesbildungsministeriums klar. Auf 130 Seiten haben Bildungsforscher ein Konzept für eine Sammlung verbindlicher Anforderungen erarbeitet, das den Unterricht in Deutschland vom Kopf auf die Füße stellen könnte. Beschrieben werden keine einzelnen Schulstunden, sondern das, was dabei herauskommen soll.

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn fordert eine nationale Agentur zur Überprüfung der Standards. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz Karin Wolff steht einer Agentur nicht im Wege. Sie verweist allerdings auf die vorrangige Länderzuständigkeit für das Bildungswesen und möchte sich deshalb nicht reinreden lassen.

Das System soll gemessen werden, nicht der Schüler

Bei den "nationalen Testverfahren" geht es nicht um zentrale Abschlussprüfungen oder zusätzliche Benotungen für die Schüler. Auch ein "Schul-Ranking" oder ein Werben mit guten Prüfungsergebnissen durch einzelne Schulen lehnt Bulmahn ab. Wohl sollen aber die Lehrer und Eltern der jeweiligen Schule die Ergebnisse erfahren, um Qualitätsverbesserungen einleiten zu können.

Mit welchen pädagogischen Mitteln die festgelegten Bildungsziele erreicht werden, kann jede Schule künftig selbst entscheiden. Die Begründung des Bundesbildungsministeriums: Die laut PISA-Studie erfolgreichen Staaten, insbesondere Finnland und Schweden, haben gezeigt, dass es keinen Sinn macht, den Lehrern vorzuschreiben, wie sie ihren Unterricht zu gestalten haben. Wichtig ist dort vielmehr das gute Lernergebnis.

Beispiel Schweden

In Schweden sind die nationalen Lehrpläne freier. Die Schulen dürfen eigenmächtig entscheiden, welche Lehrer sie einstellen und wie sie unterrichten. Im Gegenzug müssen sie sich regelmäßig testen lassen. Der Leistungsvergleich wird von der nationalen Bildungsagentur Skolverket durchgeführt. Gemessen wird gleichermaßen der Lernfortschritt der Schüler und der Leistungsstand der Schule.

Vor 25 Jahren noch ernährte eine nationale Schulbehörde fast 1000 Beamte. Sie war Herrin über Budget und Lehrstellen und die Stundenpläne im Land – so, wie man es in Deutschland von Kultusministerien und Schulämtern kennt. Dennoch, oder wohl deshalb "waren wir nicht sehr wirksam", erinnert sich Mats Ekholm, der Generalsekretär von Skolverket. Mitte der 70er Jahre wurde die Bürokratie geschlachtet. Heute arbeiten in der neuen Bildungsagentur nur noch 220 Frauen und Männer. Skolverket hat sich von einer Instanz, die Anweisungen gibt, zu einem Beobachter entwickelt, der den Schulen von außen den Spiegel vorhält. Eine solche Agentur in Deutschland auf die Beine zu stellen, ist Bulmahns Ziel.

Nationale Agentur soll Erkenntnisse der Länder vernetzen

In Deutschland sollen im Sommer die ersten Bildungsstandards für Deutsch und Mathematik in der Grundstufe eingeführt werden. Die Kultusministerkonferenz ist bereits seit 2001 mit deren Entwicklung beschäftigt.

Karin Wolff

Die hessische Kultusministerin Karin Wolff

Diese orientieren sich viel mehr an den bestehenden Lehrplänen, als es die vorgestellt Expertise tut. Karin Wolff sieht in dem Gutachten eine Art Zusatzprotokoll. Man werde sie "mit hineinnehmen" in den laufenden Prozess. Ob sie bei einer Agenturgründung den Bund und dessen Geld dabei haben will, lässt die Ministerin offen.

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