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Politik

Freigelassene Geiseln zurück in Frankreich

Freude und riesige Erleichterung in ganz Frankreich: Die Irak-Reporter Christian Chesnot und Georges Malbrunot sind nach vier Monaten Geiselhaft gesund in ihre Heimat zurückgekehrt. Lösegeld sei nicht geflossen, hieß es.

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Endlich frei: Malbrunot (links) und Chesnot bei ihrer Ankunft in Paris

Genau 124 Tage dauerte ihre Gefangenschaft in den Händen der ominösen Extremistengruppe, die sich "Islamische Armee im Irak" nennt. Am Dienstag (21.12.2004) wurden die französischen Journalisten Christian Chesnot und Georges Malbrunot in der Nähe von Bagdad freigelassen. Einen Tag später, am Mittwochabend, landete ihr Flugzeug schließlich auf dem Luftwaffenstützpunkt Villacoublay in der Nähe von Paris. In bewegenden Szenen der Wiedersehensfreude umarmten Familienangehörige die beiden Journalisten.

Keine Misshandlungen

Freigelassene Geisel Chesnot mit Chirac

Chesnot mit seinem Vater (links), Chirac (hinten rechts) und Raffarin

Auch der französische Staatspräsident Jacques Chirac, Regierungschef Jean-Pierre Raffarin und Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie begrüßten die beiden Heimkehrer. In einer Pressekonferenz vor zahlreichen am Flughafen wartenden Journalisten sagte Malbrunot: "Wir haben eine schwierige Zeit durchlebt, sind aber gut behandelt worden." Während ihrer viermonatigen Haft hätten sie in fünf verschiedenen Häusern gelebt. "Wir haben niemals das Vertrauen in die französischen Behörden verloren", sagte Malbrunot.

"Diskrete Arbeit"

Die Freilassung wurde nach Angaben von Ministerpräsident Raffarin ausschließlich durch Verhandlungen erzielt. Ein Lösegeld sei nicht gezahlt worden, sagte Raffarin vor Parlamentsabgeordneten. Raffarin bezeichnete die Freilassung als "Ergebnis beständiger, schwieriger und diskreter Arbeit". Die Verhandlungen seien über Mittelsmänner gelaufen. Offensichtlich hat der französische Geheimdienst bei der Freilassung der beiden Männer eine große Rolle gespielt. Chirac gratulierte dem Generaldirektor des Auslandsgeheimdienstes DGSE, Pierre Brochant, für die "Qualität seiner Aktion", hieß es in einer Mitteilung des Élysée-Palastes. Brochant befand sich zusammen mit Außenminister Michel Barnier an Bord der Falcon 900-Maschine, die die Journalisten nach einer Zwischenlandung von Zypern nach Paris gebracht hatte.

Falludscha

Zerstörtes Falludscha: Kein Ort für Verstecke?

Laut einem Bericht der Tageszeitung "Le Monde" trug auch der Großangriff der US-Truppen auf die irakische Rebellenhochburg Falludscha, wo die beiden Franzosen "fast bis zum Ende" festgehalten worden seien, zur Beendigung des Geiseldramas bei. Durch den Angriff hätten die Entführer schlicht und einfach ihren Unterschlupf verloren, zitierte "Le Monde" französische Geheimdienstkreise.

US-kritische Haltung

Der 38-jährige Chesnot, Mitarbeiter von Radio France Internationale, und der drei Jahre ältere Malbrunot, der für die Tageszeitung "Le Figaro" arbeitet, waren am 20. August in der irakischen Stadt Nadschaf verschleppt worden. Ihr ebenfalls entführter syrischer Fahrer Mohammed al-Dschundi kam im November frei.

Der arabische Sender Al-Dschasira erhielt am Dienstag eine Erklärung der Organisation "Islamische Armee im Irak". Darin hieß es, die beiden Franzosen seien freigelassen worden, nachdem sich gezeigt habe, dass sie keine Spione der USA seien. Zudem seien die Appelle zahlreicher islamischer Gruppen sowie die US-kritische Haltung der französischen Regierung ausschlaggebend gewesen. Die Geiselnehmer hatten ursprünglich die Aufhebung des Kopftuchverbots an französischen Schulen gefordert; das neue Gesetz trat aber wie geplant im September in Kraft.

Viel Mitgefühl

Geiselnahme Plakaten von franzöischen Journalisten in Paris

Das Pariser Rathaus mit Bildern von Chesnot und Malbrunot

Der sozialistische Abgeordnete Jean-Marc Ayrault sagte: "Wir haben uns nicht erpressen lassen. Ungeachtet politischer, religiöser oder philosophischer Standpunkte sind alle zusammengerückt." Tatsächlich nahm ganz Frankreich großen Anteil an dem Geiseldrama. Mehrere Zeitungen druckten tägliche Berichte. Prominente wie die Schauspielerinnen Catherine Deneuve und Juliette Binoche hielten jeden Tag eine kleine Radioansprache, um die Zuhörer an das Schicksal der Journalisten zu erinnern. Die Organisation Reporter ohne Grenzen hatte zwei riesige Plakate mit den Porträts von Chesnot und Malbrunot am Pariser Rathaus aufgehängt.

Grausame Geiselnahmen

Immer wieder kommt es im Irak zu Geiselnahmen. Und Amerikaner und Briten, Angehörige der Krieg führenden Nationen, wurden von Geiselnehmern im Irak wiederholt grausam ermordet. Am 20. August, demselben Tag, an dem Chesnot und Malbrunot entführt worden waren, wurden auch zwölf Nepalesen entführt; Tage später gaben die Geiselnehmer bekannt, alle zwölf massakriert zu haben. Dabei zählt Nepal nicht einmal zur Kriegskoalition. Italien hingegen schon, zwei italienische Zivilisten mussten dafür bereits mit dem Leben zahlen. Unter ihnen war Ende August auch Enzo Baldoni, ein Journalisten-Kollege der Franzosen und genau wie die beiden in den Händen der Gruppe "Islamische Armee im Irak." (ch)

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