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Wirtschaft

Freies Browser-Europa

Internet-Nutzer in Europa haben es künftig leichter, mit der Software ihrer Wahl durch das Netz zu surfen. Microsoft lenkt auf Druck der EU ein und macht die Installation anderer Browser einfacher.

Das Logo von Microsoft leuchtet auf dem Bildschirm eines Laptops (Foto: DW)

Die EU akzeptierte am Mittwoch (16.12.2009) die Zusage des US-amerikanischen Software-Riesen Microsoft, allen europäischen Nutzern seines Betriebssystems Windows die Wahl zwischen bis zu 12 verschiedenen Browsern zu lassen. Im Gegenzug lässt die EU-Kommission eine Kartell-Klage gegen den Konzern fallen. Bisher wurde nur der Microsoft Internet Explorer mit Windows ausgeliefert.

Installation von Alternativ-Browsern wird leichter

Logo Firefox (Foto: Mozilla)

Der größte Konkurrenz-Browser: Firefox

Microsoft hat sich bereit erklärt, den Windows-Nutzern fünf Jahre lang die vier verbreitetsten Alternativen - Firefox, Safari, Chrome und Opera - und darüber hinaus noch weitere Browser zur Wahl zu stellen. Die Liste soll auf Basis der Markanteile zweimal im Jahr ermittelt werden. Die Reihenfolge der präsentierten Programme im Auswahlfenster soll jeweils durch einen Zufallsgenerator entschieden werden.

Damit hätten auch Anwender mit geringeren technischen Kenntnissen durch einen einfachen Mausklick die Möglichkeit, den Browser ihren Vertrauens zu installieren. Von März 2010 an soll auf allen PCs, die mit dem Internet Explorer als Standard-Browser ausgeliefert werden, ein sogenanntes Pop-Up-Fenster die Auswahl einer anderen Software ermöglichen. Nach EU-Schätzungen wird dies bei rund 100 Millionen Computern der Fall sein.

Internet Explorer weltweit führend

Mit einem weltweiten Marktanteil von 63,6 Prozent hat der Internet Explorer eine marktbeherrschende Stellung. Stärkster Konkurrent ist der Firefox, ein Projekt der nichtkommerziellen Mozilla Foundation. Nach einer aktuellen Analyse des US-Marktforschungsinstituts Net Applications kam Firefox im November 2009 auf einen weltweiten Marktanteil von 24,7 Prozent. In Deutschland soll die Software, deren Programmierungscode frei einsehbar ist, das Microsoft-Produkt bereits überholt haben. Den dritten und vierten Platz belegen der Apple-Browser Safari (4,3 Prozent) und Chrome von Google (3,9 Prozent). Geklagt hatte das norwegische Software-Hause Opera und damit das Anti-Kartellverfahren in Brüssel ausgelöst.

EU: “Weihnachtsgeschenk für User“

EU-Wettbewerbskommissarin Kroes (Foto: AP)

EU-Wettbewerbskommissarin Kroes

EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes erklärte: “Dies ist ein Weihnachtsgeschenk für mehrere hundert Millionen europäische Internetnutzer.“ Erstmals in der Geschichte des Internets hätten sie nun eine wirklich freie, unkomplizierte Wahl zwischen dem Microsoft-Browser und anderen Produkten. Dies werde auch ein Anreiz für alle Hersteller sein, neue und bessere Browser zu entwickeln. Die Kommission hatte Befürchtungen, dass die enge Verbindung zwischen Windows–Betriebssystem und Internet Explorer einen Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung Microsofts darstellt.

Rekord-Bußgelder gegen Microsoft

Wegen der Verknüpfung von Windows mit dem Media Player zum Abspielen von Musik und Videos hat die EU dem Konzern bereits eine Geldstrafe von fast 500 Millionen Euro aufgebrummt. Erst im Februar 2008 kam ein Rekord-Bußgeld in Höhe von 899 Millionen Euro aufgrund des Verstoßes gegen diverse Wettbewerbsauflagen hinzu. Die EU hat den Software-Riesen gewarnt: Falls die aktuellen Zusagen in den nächsten fünf Jahren nicht eingehalten würden, könne ohne Weiteres ein Bußgeld von zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes verhängt werden.

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