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Nahost

Freie Partnerwahl verboten

Muslim heiratet Christin - im Libanon, der sich gerne modern und westlich gibt, ist das ein unerfüllter Traum. Denn die Zivilehe ist verboten und die Religionszugehörigkeit spielt bei der Partnerwahl eine wichtige Rolle.

Kreuze und Halbmond (Foto: AP Graphics / DW)

Ehen zwischen Christen und Muslimen sind im Libanon nicht erlaubt

Laure sitzt neben ihrem geliebten Ali auf einem Sofa und strahlt ihn an: Es ist geschafft, das Leben kann weitergehen! "Nach sechs Jahren Kampf gehöre ich jetzt zu den glücklichen, die ihre Eltern überzeugt haben, unserer Hochzeit zuzustimmen und meinen zukünftigen Mann am Ende auch zu mögen", erzählt sie.

Skyline von Beirut (Foto: AP)

Beirut gibt sich modern, doch im Hintergrund spielt Tradition eine große Rolle

Sechs Jahre lang sind die beiden durch die Hölle gegangen. Die 27jährige Laure ist Christin, Ali schiitischer Moslem. Beide praktizieren ihre Religion nicht, doch im Libanon, einem Land wo die Konfessionszugehörigkeit wichtiger ist als alles andere, ist das eigentlich das Ende einer Beziehung. Als die beiden sich mit 21 Jahren an der Uni kennen lernten, dachten sie sich erst nicht viel dabei. Doch sogleich kam der Protest, erinnert sich Laure. "Meine Eltern waren sofort gegen die Beziehung, weil sie nicht wollten, dass ich mit einem Andersgläubigen ausging, obwohl es damals noch nicht ernst war." Sie versuchten Laure mit allen möglichen Argumenten zu überzeugen, die Beziehung zu beenden. Eines lautete, die beiden kämen aus unterschiedlichen Gesellschaften und die beiden Familien würden sich nie verstehen. Auch vor den Reaktionen des Umfelds hatten sie Angst. Dann sagten sie, Ali würde Laure irgendwann zwingen, einen Schleier zu tragen. Jetzt sei er vielleicht tolerant, aber später? Und was für eine Religion sollten eines Tages die Kinder haben?

Hinter der glitzernden Fassade: archaische Verhältnisse

Laure ist eine emanzipierte libanesische Frau, doch sie musste erfahren, dass die moderne, glitzernde Fassade des Libanon zutiefst archaische Verhältnisse verbirgt. Sie richtet ihre weichen, dunklen Augen auf ihre Hände, die Erinnerung an den Schmerz huscht über ihr Gesicht. Die ewigen Diskussionen mit den Eltern seien schwer gewesen. Manchmal habe die Angst, sie müsse sich von Ali trennen, sie zerrissen. Es sei ein Kampf in ihrem Kopf gewesen, denn am Ende wollte sie auch die Eltern nicht verlieren. "Ich wollte nicht zur Wahl gezwungen sein zwischen dem Mann, den ich liebe, und den Eltern, die ich auch liebe." Auch für Ali waren diese Momente, wenn der Druck und die Spannungen fast unerträglich waren, die schlimmsten. "Manchmal machte uns das ganze Problem stärker und verband uns, aber mitunter trieb es auch einen Keil zwischen uns."

Junge Libanesinnen in einer Bar in Beirut (Foto: AP)

Nach außen hin liberal: junge Libanesinnen in einer Bar in Beirut

Der 27jährige Computeringenieur erzählt, wie auch seine Eltern versuchten, das Liebespaar auseinander zu bringen – weil Laure Christin ist. "Ihnen ging es nicht darum, dass ich jemanden heirate, der religiös ist. Es ging darum was ihre Freunde, Kollegen, Brüder und Schwestern sagen." Der Konflikt war ein sozialer, kein religiöser.

Hochzeitsreise nach Zypern

Doch die beiden hielten durch. Sie trafen sich regelmäßig an einem geheimen Ort und beschlossen schließlich zu heiraten, komme was wolle. Zur Not wollten sie durchbrennen. Dann hätten sie den Libanon verlassen müssen – wie viele andere gemischt-religiöse Paare vor ihnen. Oder einer von beiden hätte konvertieren müssen, denn im Libanon gibt es keine Zivilehe. "Da sind die mächtigen religiösen Führer vor", glaubt Laure. Sie wollen weder ihren religiösen noch ihren politischen Einfluss einbüssen.

Hafen auf Zypern (Foto: AP)

Einziger Ort zum Heiraten: die Mittelmeerinsel Zypern

Als Alternative bleibt eine zivile Heirat im benachbarten Zypern. Dorthin soll im Sommer auch für Laure und Ali die Reise gehen – jetzt mit Zustimmung der Eltern. Es wird eine recht einsame Veranstaltung werden. Auch eine Freundin von Laure hatte dort geheiratet. "Es waren nur sie und ihr Ehemann, nicht mal die Eltern waren dabei. Es ist hart, man kann es nicht wirklich feiern."Auch in seine Vorfreude mischt sich Bitterkeit. Er ist verletzt, dass er in seinem eigenen Land nicht so heiraten kann, wie er möchte. "Aber hier laufen so viele Dinge verkehrt und ich akzeptiere das irgendwie. Andernfalls wären wir ja nur noch deprimiert." Am wichtigsten ist für die beiden, ein gemeinsames Leben zu beginnen ohne ihre Eltern zu verlieren.

Autorin: Birgit Kaspar

Redaktion: Sarah Mersch