1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Frauenpower!

Weibliche Windkraft? Bei dem Projekt "Windfang" produzieren ausschließlich Frauen Energie aus Windkraft und Sonne. Eine Geschäftsidee und gleichzeitig ein Umdenken über alternative Energien.

default

Anders als andere Windkraftprojekte: Lila Spitzen sind das Markenzeichen von Windfang e.G.

Die Rotoren der drei großen Windkrafträder drehen sich ruhig im norddeutschen Wind. Sie sehen aus wie ganz normale Windkraftanlagen, aber irgendetwas ist anders. Die Spitzen der Rotorblätter sind lila getüncht – ein Hinweis auf ihre Besitzer, denn an den Windkraftanlagen sind ausschließlich Frauen beteiligt.

Frauen im Aufwind - Oya soll's richten

Bei dem Projekt "Windfang" hat ein Mann keine Chance. Hier haben nur Frauen die Lizenz zum Geldverdienen. Den weiblichen "Windfängern" geht es dabei nicht nur um die finanziellen Vorteile, sondern auch ums ökologische Prinzip. Vor zwölf Jahren hatten sich 20 Ingenieurinnen und Studentinnen zusammengefunden, um den hauptsächlich von Männern besetzten, Bereich der Erneuerbaren Energien aktiv mitzugestalten.

Kurzerhand kauften sich die Frauen eine Windkraftanlage, die auf einen symbolträchtigen Namen getauft wurde - "Oya": "Das ist eine Wind- und Sturmgöttin, die in Nigeria verantwortlich ist für den Monsunregen. Sie steht für eine reiche Ernte. Und das war natürlich perfekt für uns, denn wir wollten ja eine reiche Windernte", so Diplom-Ingenieurin Käthe Fromm, die das Projekt mitinitiierte, im Gespräch mit DW-WORLD.

Und "Oya" sollte auch nach außen hin erkennbar sein. Deshalb wurden die Spitzen der Rotorblätter mit Lila Farbe verschönert. "Denn Lila steht ja in Deutschland für die Frauenbewegung und man sieht die Farbe von weitem," meint Käthe Fromm.

Das Projekt sprach sich herum. Mittlerweile sind 200 Frauen aus den unterschiedlichsten Berufsbereichen an der Idee und der eingetragenen Genossenschaft beteiligt: Von der Hausfrau und Lehrerin bis zur Dramaturgin. Ihr jeweiliger Anteil an den drei Windkrafträdern beträgt 1500 Euro. Die Räder produzieren mit 3,3 Millionen Kilowatt genug Energie für umgerechnet 1500 Haushalte bundesweit. Außerdem unter der Obhut: eine Photovoltaik-Anlage, die das Dach des Frauenmuseums in Bonn ziert. War das Projekt in den ersten fünf Jahren noch von einer Gewinnzone entfernt, so wird jetzt eine jährliche Rendite zwischen 4 und 9 Prozent erwirtschaftet, erläutert Käthe Fromm, die gleichzeitig Vorsitzende des Aufsichtsrates ist. "Das ist mehr als Sie auf ihrem Sparbuch kriegen und insofern ist das in keinem Fall herausgeschmissenes Geld."

Ethisch, sinnvoll, gut

Käthe Fromm bezeichnet die Beteiligung an dem Projekt als "das eigene Kyoto-Protokoll umsetzen": "Ich habe eben ein gutes Gefühl, wenn ich mit meinem Anteil, den ich dort investiert habe, für vier Haushalte Strom produziere ohne Co2 zu emittieren."

Und daher versteht sich "Windfang e.G" nicht nur als irgendein geschäftlicher Zusammenschluss in der alternativen Energiebranche, sondern auch als ein Versuch von Frauen, der drohenden Klimakatastrophe entgegenzuwirken. Und einen "aktiven Beitrag zu der dringend notwendigen Energiewende" zu leisten, so lautet es auf ihrer Webseite (www.windfang.net).

Frauenprojekte weltweit gesucht

Käthe Fromm und ihre Windstreiterinnen möchten diese Energiewende auch über nationale Grenzen hinweg herbeiführen. Nach zwölf Jahren sei "Windfang" an einem Punkt gelangt, an dem die Frauen bereit sind, sich an Energieprojekten in Entwicklungsländern zu beteiligen, ohne nach der Rendite zu schielen.

Energieertrag 2004

Seit der Gründung von Windfang e.G. speiste das Frauenunternehmen über 20,5 Millionen Kilowattstunden Strom ins Netz. Zwischen Januar und März 2004 produzierten die drei Windkraftanlagen insgesamt 880.000 Kilowattstunden Strom. Das jüngste Projekt, die Solarstromanlage auf dem Dach des Bonner Frauenmuseums, lieferte im gleichen Zeitraum 422 Kilowattstunden.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links