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Afrika

Frauenpower nach "Präsidentinnen-Art"

In Liberias Hauptstadt Monrovia fand gerade eine internationale Frauenkonferenz statt. Das Ziel: mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen und ihre Rolle in Friedensprozessen zu stärken.

Dorfführerin Ida Moore (Foto: Bettina Ambach)

Will neue Wege einschlagen: eine liberianische Dorffrau

Das internationale Frauenkolloquium konnte eine beeindruckende Gästeliste vorweisen: Unter den Teilnehmern waren der ruandische Präsident Kagame und der senegalesische Präsident Wade, mehrere Premierminister, Minister, viele hohe UN-Vertreter und Repräsentanten aller möglichen Nichtregierungsorganisationen. Ida Moore ist auch unter den Gästen des Colloquiums: Die 42-jährige Frauenaktivistin lebt in Palala, einem Dorf 300 Kilometer von der Hauptstadt Monrovia entfernt. Sie hat mit ihrer "Kpaai Women´s Development Association" die traditionelle Welt in 48 Dörfern der Kpelle-Region auf den Kopf gestellt. Frauen haben sich zusammengeschlossen, Landwirtschaftsprojekte initiiert, Alphabetisierungskampagnen organisiert, die Männer in den Frauenclubs zu Sekretären degradiert und in vielen Dörfern die politische Macht übernommen. Der Besuch des Colloquiums habe ihr viel gebracht, erzählt Ida. Sie werde ihren Dorffrauen erzählen, wie viele mächtige Frauen es mittlerweile auf der Welt gäbe, und dass es neben "Ma Ellen" – so nennen sie ihre Präsidentin – zum Beispiel auch eine Präsidentin in Finnland gäbe. Ida will von nun ab noch mehr dafür kämpfen, dass besonders die Mädchen die Schule besuchen. Je mehr gebildete Frauen, desto schneller entwickelt sich das ganze Land – davon ist Ida überzeugt.

Die Entwicklung vorantreiben

Eröffnung des Frauenkolloquiums in Monrovia März 2009 (Foto: Bettina Ambach)

Möchten sich am Friedenzprozess beteiligen: Frauen aus allen Teilen des Landes

In der Dritten Welt sind es vorrangig die Frauen, die die Entwicklung ihrer Länder vorantreiben. Die auf dem Colloquium anwesende Vizepräsidentin der Weltbank sprach sich für eine "smart economy" aus – eine kluge Wirtschaftspolitik – die man dadurch erreiche, dass Frauen nicht nur in das Wirtschaftsleben miteinbezogen werden, sondern dass man ihnen auch endlich öffentlich Verantwortung gibt. Die ehemalige Außenministerin Österreichs Ursula Plassnik wies darauf hin, dass Frauen unterschiedliche Wahrnehmungen und unterschiedliche Sensibilitäten hätten, die für die Zukunft einzubringen seien. Plassnik merkte aber auch selbstkritisch an, dass viel zu viele Frauen immer noch davor zurückscheuen würden, öffentliche Ämter zu übernehmen. Das müsse endlich der Vergangenheit angehören.

Frauen vom Land einbeziehen

Eines der wichtigsten Konferenzthemen war die Umsetzung der UN-Sicherheitsrats-Resolution 1325. Hier geht es einerseits um den Schutz der Frauen in Kriegszeiten, um die Bekämpfung der sexuellen Gewalt gegen Frauen als Kriegstaktik. Andererseits soll die Rolle der Frauen in Friedensprozessen gestärkt werden. In Liberia haben Frauen bei den Friedensverhandlungen 2003 in Accra eine herausragende Rolle gespielt. Das waren oft einfache Frauen vom Land, die endlich den 14-jährigen Bürgerkrieg beenden wollten. Auch eines der Anliegen von Ida Moore aus Palala ist es, die Beteiligung der Frauen vom Land am Friedensprozess zu würdigen. Während des Colloquiums hätten diese Frauen mehr einbezogen werden sollen. Ida ist sich sicher, dass auch die internationalen Gäste sich gerne mit den ländlichen Frauen ausgetauscht hätten. So hätte es Anzeichen einer Trennung zwischen den internationalen und den lokalen oder den städtischen und den ländlichen Teilnehmern gegeben – was "Ma Ellen" doch eigentlich grundsätzlich ablehnt.

Zwei "Präsidentinnen" begrüßen sich

Liberias Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf (Foto: Bettina Ambach)

Will ihre Landsfrauen ermutigen: Ellen Johnson Sirleaf

Am Ende des Colloquiums erfüllt sich ein Traum von Ida Moore. Die Dorffüherin begrüßt Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf. Ida kann es zuerst gar nicht fassen. Bisher habe sie lediglich die Hand ihres Dorfchefs geschüttelt. Ihre Verwandten haben darauf hin gesagt, dass sie nun auch eine Präsidentin sei. "Ja", meint Ida, "eine Präsidentin dort für die Menschen auf dem Land. Dort arbeite ich mit den Frauen, genauso wie Ellen es hier in Monrovia macht."

Bettina Ambach / Redaktion: Katrin Ogunsade