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Politik

Frauenpower in Liberia

Davon wird sich Bush auf seiner Reise überzeugen können: Seit Amtsantritt von Präsidentin Johnson-Sirleaf 2006 ist im zuvor extrem frauenfeindlichen westafrikanischen Liberia Frauenpower angesagt - zum Wohle des Landes.

Frau an der Macht: Ellen Johnson-Sirleaf (Foto: AP)

Frau an der Macht: Ellen Johnson-Sirleaf

Als am 9. September 2007 Angie Elizabeth Brooks-Randolph starb, wurde ihr mitten im Zentrum von Monrovia ein mehrtägiges Staatsbegräbnis zuteil. Viele Menschen kamen, sangen und tanzten um ihren Sarg herum. "Diese Frau hat Großes für Liberia geleistet", sagte einer der Festredner, und: "Mögen viele junge Frauen so weit kommen wie sie." Der Lebensweg von Brooks-Randolph, Juristin und Diplomatin, UN-Botschafterin für Liberia ab 1954 und Präsidentin der UN-Generalversammlung in den Jahren 1969 und 1970, ist in dem westafrikanischen Land eine Ausnahme. Das aber soll nicht so bleiben. 2006 wurde Ellen Johnson-Sirleaf - als erste Frau überhaupt in Afrika - zum Staatsoberhaupt gewählt. In ihrer Regierung finden sich viele Frauen – es gibt nicht nur eine Gender-Ministerin, sondern auch eine Finanz- und eine Justizministerin. Sogar der oberste Polizeichef des Landes ist eine Frau.

"Das ist Fortschritt"

Grace Boiwn leitet beim katholischen Mother Patern College in der Hauptstadt Monrovia ein Programm zur Entwicklung von Frauen. Sie ist stolz darauf, dass es immer mehr in politische Spitzenämter schaffen. "Es passiert zum ersten Mal seit langem etwas – es gibt weibliche Minister", sagt Boiwn. "Wir haben viele Frauen im Parlament - sie sind noch in der Minderheit, aber sie sind sehr wichtig für unser Land." Doch das Frauenthema ist nicht nur eine Sache der Eliten. "Wenn man in die Dörfer kommt, dann sieht man, wie die Frauen immer aktiver werden. So etwas gab es früher nicht. Das ist ein großer Fortschritt."

Eine Frau geht vor einem Plakat in der Hauptstadt Monrowia her, auf dem für die Rückkehr in die Heimat geworben wird (Foto: AP)

Frauenpower im Fortschritt

Immer mehr Fraueninitiativen, -gruppen und –grüppchen entstehen im Land. Und immer häufiger sieht man sie mit Musik und Plakaten für ihre Rechte demonstrieren – wie etwa beim Staatsbesuch der deutschen Kanzlerin in Liberia, Anfang Oktober 2007. Mit dabei war auch die Sprecherin der Frauengruppe Ecowas Women, Esther Dahm. "Männer glauben an Gewalt, wir Frauen glauben an den Frieden – und daran, dass wir es besser machen können."

Missachtung, Vergewaltigung

Für viele allerdings ist der Weg zur Geschlechtergerechtigkeit noch weit. Besonders die Frauen in den abgelegenen Dörfern bleiben oft in ihrer traditionellen Rolle gefangen. Sie sind schlecht ausgebildet, haben kaum Zukunftschancen, ihre Männer erkennen sie nicht als gleichberechtigte Partner an. Auch die Vergewaltigungsrate ist nach wie vor erschreckend hoch. Die zahlreichen Frauengruppen mit Sitz in Monrovia können da nicht viel ausrichten. Selbst schlecht ausgerüstet, mit wenig Material und noch weniger Geld, ist es für sie schwer, Bewusstseinsarbeit in entlegenen Gebieten zu machen – Gebiete zu denen meist auch keine Straßen, sondern nur sehr schwer befahrbare Pisten führen.

Naomi ist eine einfache Bäuerin und lebt in Bomi Hills, etwa 100 Kilometer nördlich der Hauptstadt. Sie weiß, dass es für die Männer in der Umgebung noch schwer ist, Gleichberechtigung zu akzeptieren. Deshalb tritt Naomi häufig als Vermittlerin auf. "Manchmal, wenn sie Streit anfangen, dann gehe ich dahin und spreche mit ihnen", erzäht sie. "Ich sage: Das sollt ihr nicht tun. Als Mann deine Frau zu schlagen! Die Zeit, in der Frauen geschlagen wurden, ist vorbei. Alle Frauen haben jetzt Rechte."

Startvorteil Flucht

Natürlich weiß man auch in der Hauptstadt – in den Ministerien und in den Büros der Frauengruppen – dass die Kluft zwischen den erfolgreichen Liberianerinnen und ihren Schwestern aus den ärmeren, wenig gebildeten Schichten noch immer riesig ist. Dabei zeigt sich, dass vor allem die Frauen, die während der Kriegsjahre im Ausland waren und jetzt zurückkehren, nun erstaunliche Startvorteile haben. Viele Frauen flohen nach Sierra Leone, Ghana, Nigeria oder in die Elfenbeinküste. Sie reisten durch ganz Afrika und sie sahen, was andere Frauen fertig brachten. Mit diesen Eindrücken kamen sie zurück. "Deshalb findet man jetzt viele Frauen als kleine Unternehmerinnen, sie gehen zur Schule, sie besetzen verschiedene Positionen, es gibt sogar weibliche Fahrerinnen. Dinge, von denen wir niemals dachten, dass sie das könnten", sagt die Aktivistin Grace Boiwn vom Mother Patern College. "Überall geht es um das Thema Gleichberechtigung. Die Frauen erkennen jetzt, dass es wichtig ist, zu Hause eigene Entscheidungen zu treffen. Das war etwas Gutes, das der Krieg gebracht hat."

Eine liberische Flüchtlingsgruppe (Foto: AP)

Flüchtlinge in Liberia: Andere Möglichkeiten gesehen

Grace ist auch fest davon überzeugt, dass ihr Land solche Vorzeigefrauen braucht, um auf dem Weg zur Geschlechtergleichheit weiterzukommen – allen voran natürlich Präsidentin Ellen-Johnson Sirleaf. "Wir haben eine Frau als Präsidentin, dann können ja auch andere Frauen etwas schaffen. Also versuchen sie alle etwas zu tun. Es sind nicht nur die Eliten." Und so könnte der Wunsch des Festredners am Grab der verstorbenen liberianischen Diplomatin Angie Elizabeth Brooks-Randolph eines Tages vielleicht doch wahr werden: "Mögen viele unserer jungen Frauen so weit kommen wie sie."

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