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Sport

Frauenpower beim Taekwondo

Helena Fromm gilt als deutsche Medaillenhoffnung im Taekwondo. Vor vier Jahren in Peking zahlte die 24-Jährige noch Lehrgeld.

Taekwondo ist koreanisch und bedeutet "Fuß, Faust, Weg": Füße und Fäuste braucht der Sportler auf dem Weg zum Schwarzgurt für Angriff und zur Verteidigung. Helena Fromm war noch in der Grundschule, als sie zum ersten Mal mit der Kampfsportart in Berührung kam. "Mit sieben bin ich durch einen Kindergartenfreund zum Taekwondo gekommen und war begeistert von der Sportart und wollte dabei bleiben." Vorher hatte sie noch Handball und Fußball gespielt. Doch beim ersten Kampftraining beobachtete sie fasziniert die erfahrenen Sportler. "Ich wollte auch so schnell und so hoch treten können", berichtet die attraktive Blondine.

Und so kämpfte sich Helena Fromm ehrgeizig Stück für Stück nach oben. Sechsmal holte sie bei den deutschen Meisterschaften den Titel, wurde Europameisterin und gewann zweimal Bronze bei Weltmeisterschaften. Vor vier Jahren reichte es bei den Olympischen Spielen in Peking allerdings nur zum neunten Platz.

Chancen auf eine Medaille

Da zahlte Helena Fromm noch Lehrgeld, vermutet Alfred Wallraf, der die 24-jährige Studentin als Taekwondo-Disziplinchef bei den Hochschul-Weltmeisterschaften in Korea begleitet hat. "Ich denke, dass Helena nach den Erfahrungen in Peking jetzt eine größere Chance hat, einen Podestplatz zu erringen." Die Hoffnungen der DTU liegen auf ihren Schultern. Seit acht Jahren ist Helena Fromm in der deutschen Nationalmannschaft und hat ihr Leben dem Sport gewidmet. Finanziell wird sie von der Sporthilfe unterstützt, an der FH Ansbach studiert sie "Internationales Management für Spitzensportler". Als Sportsoldatin in der Sportfördergruppe kann sie Fernstudium und Leistungssport gut kombinieren.

Helena Fromm während eines Kampfes. (Foto: ddp images/AP Photo/David Guttenfelder).

Rot gegen blau: Helena Fromm (l.) hofft auf eine Medaille in London.

Ihre Stärken liegen im taktischen und technischen Bereich, sagt Wallraf. "Ich würde sie nicht unbedingt zu den kampfstärksten Athletinnen zählen, was die Athletik im Besonderen betrifft. Aber das konnte sie immer sehr gut ausgleichen durch hervorragende analytische Fähigkeit." So könne sie in sehr kurzer Zeit die Schwäche ihrer Gegnerinnen analysieren und für sich ausnutzen. "Sie hat infolge ihrer Körpergröße auch einen gewissen Reichweitenvorteil."

Attraktivere Duelle nach Regeländerungen

Das olympische Taekwondo ist ein Vollkontaktsport. Die Gegner tragen einen Kopfschutz und stehen sich mit je einer blauen und einer roten Weste gegenüber, erklärt Fromm. "Wir haben elektronische Westen, die ähnlich funktionieren wie beim Fechten. Der Punkt wird elektronisch ausgelöst." Treffer am Kopf geben drei Punkte, für einen Rotationstreffer, also einen Drehtritt, gibt es einen zusätzlichen Punkt. Das Ziel ist es, den Gegner entweder K.o. zu treten oder nach den drei Runden à zwei Minuten – so lange dauert ein Kampf – mehr Punkte zu haben als der Gegner.

Während früher vor allem schwere und laute Treffer mit Punkten belohnt wurden und sich die Taekwondokas auf wenige harte Tritttechniken spezialisierten, ist heute die Vielfalt an Techniken erheblich größer. So werden kunstvolle Kicks, wie zum Beispiel ein Drehsprung zum Kopf des Gegners, besonders honoriert. Ein Vorteil für Helena Fromm, sagt Trainer Wallraf: "Wegen ihrer technischen Überlegenheit und der Fähigkeit, Doppelkicks zu setzen – also Kopftreffer in unmittelbarer Abfolge, ohne das Bein zwischenzeitlich auf den Boden bringen zu müssen."

Für die Zuschauer ist der Sport durch die Regeländerung viel attraktiver geworden. Dennoch spielt Taekwondo bei den Olympischen Spielen immer noch eher eine Nebenrolle. Helena Fromm könnte das aus deutscher Sicht ändern, hofft Wallraf. Die Kämpferin weiß jedoch auch, dass für den Erfolg viele Faktoren eine Rolle spielen: "Jeder träumt natürlich von einer Medaille. Aber aus Peking habe ich ein bisschen gelernt. Ich muss wirklich von Kampf zu Kampf gucken und schauen, wie es läuft."