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Fußball

Frauenfußball im Fokus der Wissenschaft

Das Thema Nummer Eins derzeit im deutschen Sport: Die Frauenfußball-WM im eigenen Land. Stadien, Public Viewing und Fanmeilen sind gut besucht. Und auch Wissenschaftler interessieren sich für die spielenden Frauen.

Stadion in Sinsheim. (Foto: DW)

Die Schwedin Lisa Dahlkvist (r.) bei einem Torschuss. (Foto: AP)

Die Schwedin Lisa Dahlkvist (r.) bei einem Torschuss

Was ist wichtig an einem Eckball und warum ist dieser gerade im Frauenfußball von so großer Bedeutung? Pünktlich zur WM haben Hans-Jürgen Tritschoks und zwei Kollegen von der Deutschen Sporthochschule in Köln eine Studie zur systematischen Spielanalyse herausgebracht. Schwerpunkte waren das Erzielen von Toren und das Spielverhalten der Frauen in Standardsituationen.

Die Ergebnisse sind laut Tritschoks ähnlich wie bei den Männern: Es fallen viele Tore aus dem Strafraum heraus. Wichtig für Torschüsse sei dabei vor allem der Eckball, so Tritschoks. Diese Standardsituation sei bei den Frauen sogar noch gefährlicher als im Männerfußball, da die Torhüterinnen nicht über dieselbe Sprungkraft verfügten. Von daher sei es nicht verwunderlich, dass zwei Drittel aller Eckbälle, wenn nicht direkt zum Tor, so doch zu einer Torvorbereitung führten.

"Im höchsten Tempo"

Die Ergebnisse der Studie haben die Wissenschaftler zu nützlichen Trainingtipps verarbeitet. Zum einen sollte verstärkt auf die routinierte Ausübung von Eckbällen geachtet werden. Zum anderen müssten die Spielerinnen während des Trainings besser auf Wettkampfsituationen vorbereitet werden. "Die Stürmerin sollte im höchsten Tempo auf das Tor zu dribbeln. Andere Spielerinnen bauen den Druck weiter auf, damit die Stürmerin im höchsten Tempo den Abschluss sucht", meint Tritschoks, der in der Frauenbundesliga die Teams FFC Brauweiler und den 1. FFC Frankfurt trainierte. Der Sportmediziner weist zugleich darauf hin, dass das Trainieren von Standardsituationen oft nicht in den Trainingszeitplan vieler Mannschaften passt.

Neues Bewusstsein

Public Viewing in Frankfurt/Main (Foto: dpa)

Public Viewing in Frankfurt/Main

Die zunehmende Popularität des Frauenfußballs kann derzeit beobachtet werden: Biergärten waren, zumindest bei Deutschlandspielen, voll besetzt. Ebenso die Stadien, in denen eine friedliche Stimmung herrschte und die oft mit der ganzen Familie besucht wurden. Und wer nicht an einer der Massenveranstaltungen teilnehmen wollte, der guckte sich das Spektakel im Fernsehen an. Das beweisen Einschaltquoten von mehr als 16 Millionen Zuschauern. Das einzige, was vielleicht noch fehlt, sind die hupenden Autokorsos und die Fähnchen im Fenster nach einem gewonnenen Deutschlandspiel.

Wegen der aktuell großen Medienpräsenz steht auch der Vergleich von Männer- und Frauenfußball im Fokus vieler Diskussionen. Tritschoks aber findet, daß dieser Vergleich "ganz einfach hinkt". Das sei wie Birnen mit Äpfeln zu vergleichen. Natürlich gebe es diese Vergleiche auch in anderen Sportarten. Doch dass die Diskussionen gegenüber dem Frauenfußball zuweilen schlichtweg ablehnend seien, mag auch daran liegen, dass Fußball nun mal der "Lieblingssport der Deutschen" ist.

Natürlich liege ein gewisser Unterschied vor, betont Tritschoks. Allerdings beziehe der sich im Großen und Ganzen darauf, dass Männer mehr Kraft als Frauen hätten. Ob das Fußballspiel an sich gut rüber komme, dass sei doch die entschiedene Frage, "und das machen die Frauen bei der WM größtenteils Klasse", so Tritschoks.

Schiedsrichterinnen fallen negativ auf

Schiedsrichterin Gyoengyi Gaal (Foto: dpa)

Schiedsrichterin Gaal

Die sportliche Fitness und die modernen Spieltechniken der internationalen Fußballerinnen fallen auf. Tritschoks sieht hier eine "enorme Entwicklung in den letzten Jahren." Es gibt aber auch eine Partei, bei denen die Weiterentwicklung nur beschränkt ausfällt: die Schiedsrichterinnen. "Die Unparteiischen werden von den einzelnen Kontinentalverbänden abgestellt", so Tritschoks. Das heißt, jeder Kontinent schickt auf jeden Fall Schiedsrichterinnen zu einer Weltmeisterschaft.

Da es bereits in der deutschen Bundesliga zu Engpässen bei Schiedsrichterinnen kommt, steigen die weiblichen Unparteiischen schneller auf als ihre männlichen Kollegen. Das führe in manchen Fällen zu Fehlentscheidungen, die durchaus spielrelevant seien, so der Dozent der Sporthochschule Köln. Er bezieht sich auf das offensichtliche Handspiel von Bruna, der Abwehrspielerin von Äquatorialguinea, im WM-Match gegen Australien (2:3). Dieses klar zu erkennende Vergehen war von der ungarischen Schiedsrichterin Gyoengyi Gaal nicht geahndet worden.

Autorin: Jannike Bartkowiak

Redaktion: Arnulf Boettcher

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