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Bildung

Frauenförderung aus Tradition: die HU Berlin

Kaum eine Uni hat so viele berühmte Wissenschaftler und Nobelpreisträger hervorgebracht. Auf "Forscherpersönlichkeiten" setzt die Berliner Humboldt-Universität auch heute noch und hat besonders die Frauen im Blick.

Es war eine Sensation, als die Physikerin Elsa Neumann im Februar 1899 zur Promotionsfeier an die Berliner Humboldt-Universität einlud. Alles, was in der Wissenschaft Rang und Namen hatte, kam damals nach Berlin, um das erste deutsche "Fräulein Doktor" zu feiern und dabei direkt klarzustellen, dass Elsa Neumann eine Ausnahme bleiben sollte. Denn, so formulierte es der prominente Physiker Max Planck: "Die Natur selbst hat der Frau ihren Beruf als Mutter und Hausfrau vorgeschrieben."

Mehr als ein Jahrhundert später haben es Frauen in der Wissenschaft immer noch schwerer als Männer. Doch die Berliner Humboldt-Universität setzt nach wie vor auf die Frauen. Immerhin war die Uni schon zwischen 1919 und 1945 die deutsche Hochschule mit den meisten Dozentinnen. Heute hilft den aufstrebenden Wissenschaftlerinnen das Leadership-Programm mit Mentoring und Coaching, sich besser zu vernetzen. Rund 80.000 Euro Fördergelder vergibt die Hochschule jedes Jahr an eine Professorin, die mit der universitätseigenen Caroline von Humboldt-Professur ausgezeichnet wird.

Eine Uni der Forscherpersönlichkeiten

Studentinnen sitzen in einem Hörsaal. Foto: Patrick Pleul dpa

In den Fußspuren von "Fräulein Doktor Neumann": Erstsemesterstudentinnen

Schließlich fühlt sich die 1810 gegründete Universität dem Bildungsideal ihres Gründers Wilhelm von Humboldt verpflichtet – und das gilt heute ebenso für Männer wie für Frauen. Der berühmte preußische Gelehrte wollte Wissenschaftler zu "Forscherpersönlichkeiten" ausbilden, die zugleich "Lehrer-Persönlichkeiten" sind und Wissenschaft "um ihrer selbst willen" betreiben. Forschung und Lehre immer im Zusammenhang zu sehen ist der Hochschule auch heute wichtig.

Mit ihrem Konzept "Bildung durch Wissenschaft: Persönlichkeit, Offenheit, Orientierung" schaffte die Universität im Juni 2012 den Sprung unter die elf Exzellenzuniversitäten Deutschlands. Es war bereits der dritte Versuch, in den Genuss der Fördergelder zu kommen. Zweimal wurde die älteste Berliner Hochschule von der Freien Universität Berlin ausgestochen. Eben jener Hochschule, die sich 1948 – nach der Teilung Deutschlands in zwei Staaten – von der in Ostberlin liegenden Humboldt-Universität abgespalten hatte.

Antworten auf globale Fragen finden

In der DDR war die Humboldt-Universität mit rund 150.000 Studierenden die größte Hochschule Ostdeutschlands gewesen. Heute studieren, forschen, lehren und arbeiten rund 40.000 Menschen an der Uni. Seit der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 hat die Hochschule bereits verschiedene Reformen hinter sich. Mit den rund 150 Millionen Euro aus der Exzellenzinitiative soll nun unter anderem eine umfassende Verwaltungsreform finanziert werden, die sich stärker als "Service-Zentrum" für die Forschung versteht.

wilhelm von humboldt Denkmal, @ Fotolia 2010

Uni-Gründer Wilhelm von Humboldt wacht über die Studierenden

Außerdem will die Uni sogenannte Integrative Forschungsinstitute (IRI) weiterentwickeln, die sich fakultätsübergreifend etwa den Fragen der globalen Landnutzung, der Urbanisierung und der Nachhaltigkeit widmen. Im IRI für Lebenswissenschaften zum Beispiel forschen Biologen, Mediziner und Neurowissenschaftler gemeinsam mit Neuropathologen des Berliner Universitätsklinikums Charité an unterschiedlichen Funktionen des menschlichen Nervensystems.

Gleichzeitig möchte die Hochschule einzelne Forscher stärker unterstützen. Deshalb soll ein Teil des Geldes aus der Exzellenzinitiative für Forschungswettbewerbe, Stipendien und Projektanträge einzelner Forscher zur Seite gelegt werden. Mit differenzierten Förderprogrammen, etwa für die Zeit zwischen Masterstudium und dem Beginn einer Promotion, will die Hochschule Studierende als Nachwuchsforscher gewinnen.

Bessere Betreuung für ausländische Studis

Sommerfest Humboldt feiert Exzellenz. Copyright: Bernd Prusowski/CC NY-NC-ND 3.0

Beim Sommerfest findet man schnell Anschluss

An der Humboldt-Universität lässt sich fast alles studieren. Seit 1994 hat die Hochschule elf Fakultäten und mehrere Zentralinstitute, die verteilt um das Hauptgebäude im Berliner Ortsteil Mitte liegen. Neben den klassischen Studienfächern bietet die Uni auch "kleine" Fächer wie Afrika- und Asienwissenschaften, "Deaf Studies" oder Europäische Ethnologie an.

Die Vielfalt der Studiengänge lockt viele ausländische Studierende nach Berlin. Sie sollen künftig besser betreut und beraten werden. Die Universität will ein "International Office“ mit eigenständigen Mitarbeitern für jede Fakultät einrichten. Die ausländischen Studierenden sollen sich so gut zurechtfinden, dass sie keine Probleme haben, an einer großen Hochschule wie der Humboldt-Universität selbstständig zu lernen und zu forschen – getreu dem Bildungsideal des berühmten Hochschulgründers Wilhelm von Humboldt.

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