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Wirtschaft

Frauenanteil in deutschen Vorständen sinkt

Bislang war es den Unternehmen selbst überlassen, ihren Frauenanteil in den Führungsetagen zu erhöhen. Die sogenannte Selbstverpflichtung ist aber gescheitert, so eine aktuelle Untersuchung.

Allen Debatten um die Gleichstellung und aller Versprechungen deutschen Unternehmen zum Trotz ist der Frauenanteil in den Vorstandsetagen gesunken. Das geht aus dem aktuellen "Women-on-Board-Index" hervor, den der Verein "Frauen in die Aufsichtsräte" (FidAR) am Donnerstag in Berlin vorstellte.

Danach sind aktuell nur 5,8 Prozent der Vorstandsmitglieder weiblich. Vor einem Jahr hatte dieser Wert noch deutlich über sechs Prozent gelegen. Die Zahl weiblicher Vorstände sei erstmals seit 2011 rückläufig.

Aufsichtsräte werden weiblicher

Wesentlich besser sieht es in den Aufsichtsräten der börsennotierten Unternehmen aus. Hier sind derzeit 18,9 Prozent der Posten mit Frauen besetzt. Vor drei Jahren waren es erst zehn Prozent.

Experten vermuten, dass dieser Anstieg auch auf die Debatte um die für Anfang 2016 geplante Einführung einer gesetzlichen Frauenquote von 30 Prozent für die Aufsichtsräte der größten deutschen Firmen zurückgeführt werden kann.

Zusammengerechnet liegt der Anteil von Frauen in Aufsichtsräten und Vorständen dem Index zufolge bei 12,4 Prozent. Mit einem Plus von 5,9 Prozentpunkten in knapp drei Jahren sei dies nur eine geringe Verbesserung, es gebe noch "reichlich Potenzial für Veränderungen", forderte FidAR.

Viel gravierender aber sei, dass die Zahl der Unternehmen "signifikant" zurückgehe, die konkrete Planzahlen für den angestrebten Frauenanteil in Aufsichtsrat, Vorstand und Führungspositionen vorlegten. Anfang dieses Jahres habe noch die Hälfte aller Unternehmen ein klares Ziel für den Frauenanteil in seinen Aufsichtsräten ausgegeben, inzwischen seien es nur noch 44 Prozent.

Mit Blick auf den Vorstand gebe es nur bei einem Prozent der Unternehmen Vorgaben - nach sieben Prozent zum Jahresbeginn.

Frauenanteil in deutschen Vorständen sinkt

"Es ist Zeit, dass eine gesetzliche Vorgabe für neuen Schwung sorgt", erklärte FidAR-Präsidentin Monika Schulz-Strelow in Berlin und forderte von der Bundesregierung "konkrete rechtliche Vorgaben, mehr Frauen in Führungspositionen zu berufen".

Tatsächlich plant Frauenministerin Manuela Schwesig (SPD) eine gesetzliche Frauenquote, da die Unternehmen mit der freiwilligen Frauenförderung nicht vorankommen. Der seit Juni vorliegende Gesetzesentwurf sieht ab 2016 eine Geschlechterquote von mindestens 30 Prozent für Aufsichtsräte von Unternehmen vor, die börsennotiert und voll mitbestimmungspflichtig sind. Bei Nichterreichen der Quote sollen die vorgesehenen Sitze frei bleiben.

Führende deutsche Wirtschaftsverbände kritisierten den Entwurf scharf. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) meldeten diese Woche sogar verfassungsrechtliche Bedenken gegen das Gesetzesvorhaben an. Die Verbände sind grundsätzlich gegen eine feste Frauenquote.

Schwesig ist jedoch der Überzeugung, dass die Versuche der letzten Regierungskoalition von CDU und FDP, die Unternehmen mit Selbstverpflichtungen zu einer Erhöhung des Frauenanteils zu bewegen, gescheitert sind.

jw/bea (dpa, rtr)