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Frauenrechte

Frauenalltag in Großstädten: London top, Kairo flop

In welchen Metropolen leben Frauen besonders sicher, wo sind dagegen Belästigungen an der Tagesordnung? Experten haben 19 sogenannte Megacitys analysiert.

England Skyline von London (picture-alliance/All Canada Photos/F. Pali)

In London leben Frauen am sichersten - verglichen mit anderen Megastädte

Kairo ist die weltweit gefährlichste Metropole für Frauen, in London ist es für sie am ungefährlichsten. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter international tätigen Experten für Frauenthemen. Die Wohltätigkeitsorganisation "Thomson Reuters Foundation" (eine Tochter des Nachrichtendienstleisters "Thomson Reuters") hatte dazu Fachleute in 19 sogenannten "Megacities" befragt, die mindestens zehn Millionen Einwohner haben. Die Stiftung wollte vor allem wissen, wie sehr Frauen in diesen Städten vor sexueller Belästigung geschützt sind, ob sie unter kulturellen Regeln zu leiden haben und ob sie Zugang zu guter Gesundheitsversorgung, Geld und Bildung haben.

Demnach ergeht es Frauen in der ägyptischen Hauptstadt Kairo am schlechtesten, gefolgt von Karatschi in Pakistan, Kinshasa in der Demokratischen Republik Kongo und der indischen Hauptstadt Neu Delhi. London gilt der Umfrage zufolge als "frauenfreundlichste" Metropole, auf Platz zwei liegt Tokio, dahinter Paris.

Belästigungen auch beim Spazierengehen 

Ägypten Straßenszene in Kairo (Getty Images/AFP/T. Coex)

Ägypterinnen an einer Metro-Station in Kairo

Frauenrechtler in Kairo machten Traditionen, die Jahrhunderte alt sind, für die weit verbreitete Diskriminierungen verantwortlich. "Wir befinden uns in einem konservativen Land, in dem es sehr schwierig ist, Fortschritte bei den Frauenrechten zu erreichen", sagte Omaima Abou-Bakr von der in Kairo ansässigen Gruppe "Women and Memory Forum". "Es ist für Frauen in jederlei Hinsicht schwierig in Kairo. Selbst bei einem ganz normalen Spaziergang müssen sie mit verbalen oder körperlichen Belästigungen rechnen", so die ägyptische Journalistin und Frauenrechtlerin Shahira Amin.

Neu Delhi und die brasilianische Großstadt Sao Paulo gelten als die Megastädte, in denen Frauen sich am meisten vor sexuellen Übergriffen bis hin zu Vergewaltigungen fürchten müssen. 2012 war eine Frau in einem Bus in Delhi von einer Gruppe Männer vergewaltigt worden – damals kam es zu vielen Protesten gegen den Umgang mit Frauen in Indien. Dennoch berichteten die Behörden in Indien im Jahr 2015 von vier Vergewaltigungen pro Stunde.

Indien Neu Delhi Protest gegen Vergewaltigung (picture-alliance/AP Photo/A. Qadri)

Proteste gegen Vergewaltigungen in Neu Delhi

"Selbst nach der Massenvergewaltigung von Delhi steigt die Zahl der Fälle von sexueller Gewalt", erklärte der Rechtsanwalt Rishi Kant von der Organisation "Shakti Vahini", die sich um Vergewaltigungsopfer kümmert. "Die Vergewaltiger wissen, dass man sie nicht fasst. Wir brauchen mehr Polizisten und eine effektivere Justiz, die ermittelt, anklagt und bestraft."

Brasilien: Mit Online-Pranger gegen Belästiger

In Sao Paulo nutzen immer mehr Frauen Social Media, um sexuelle Übergriffe anzuprangern. Die Schriftstellerin Clara Averbuck startete im August eine Online-Kampagne, nachdem sie von einem Taxifahrer belästigt wurde. Eine Umfrage des "Brazilian Forum of Public Security" in diesem Jahr kam zum Ergebnis, dass jede dritte Brasilianerin über 15 Jahre im zurückliegenden Jahr auf die eine oder andere Art belästigt worden ist. Allerdings hatte mehr als die Hälfte von ihnen keine Anzeige erstattet.

London profitiert vom National Health Service

In der afrikanischen Megacity Kinshasa haben Frauen den weltweit schlechtesten Zugang zu Bildung, Geld und Landbesitz. Kinshasa und die Demokratische Republik Kongo allgemein sind von wachsender Gewalt und Angst vor einem erneuten Bürgerkrieg geplagt.

Am oberen Ende der Skala befindet sich die britische Hauptstadt London. Frauen, die dort leben, profitieren vom kostenlosen Gesundheitssystem "National Health Service" und von besten wirtschaftlichen Voraussetzungen. Londons Bürgermeister Sadiq Khan sagte, Frauen würden nun in allen möglichen gesellschaftlichen Sparten Führungsaufgaben wahrnehmen – ob in der Verwaltung, den Künsten, der Politik, der Wissenschaft und im Geschäftsleben.

Sadiq Khan Bürgermeister von London (Getty Images/J. Phillips)

In seiner Stadt leben Frauen am sichersten: Sadiq Khan, Bürgermeister von London

Es sei aber noch mehr möglich: "Der Fortschritt ist noch nicht schnell genug", sagte er der "Thomson Reuters Foundation". Japans Hauptstadt Tokio ist die weltweit sicherste Stadt für Frauen. Sexuelle Gewalt und Belästigung spielten dort keine Rolle, so die Umfrage. Die russische Hauptstadt Moskau wurde als die frauenfreundlichste Metropole bezeichnet, was die Kultur des Zusammenlebens angeht.

Seit 1990 hat sich laut Vereinter Nationen die Zahl der Megacities verdreifacht. Es gibt inzwischen 31 solcher Metropolen, davon allein sechs in China und fünf in Indien.

mas/myk (rtr, trust.org)

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