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Politik & Gesellschaft

Frauen verdienen fast ein Viertel weniger

Seit Jahren zeigt sich kaum eine Veränderung: Frauen in Deutschland werden schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen - in allen Branchen. Im europäischen Vergleich ist das ein Armutszeugnis.

Business - Vorstellungsgespräch © Kzenon #33340571

Symbolbild Frauen Büroarbeit

Frauen in Deutschland verdienen auf einer Ganztagsstelle rund 22 Prozent weniger als Männer in vergleichbaren Positionen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) jüngst in Paris vorgestellt hat. Sie stellt Deutschland damit ein Armutszeugnis aus. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Teufelskreis der Armut

OECD-Logo

OECD: Schlechte Ergebnisse für deutsche Lohn-Gerechtigkeit

Vor allem Frauen, die alleinerziehend sind und im Niedriglohnsektor arbeiten, sind von Armut bedroht. Sie verdienen selbst hier weniger als ein Mann und - sogar mit einem Ganztagsjob - nicht genug, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Das spüren besonders auch die Kinder. Der Politikwissenschaftler Professor Christoph Butterwegge spricht von einem Teufelskreis der Armut, der unter dieser Voraussetzung in Gang komme. Denn Kinder, die in solchen prekären Verhältnissen aufwachsen, erfahren in vielen Lebensbereichen Benachteiligungen, vor allem bei der Bildung. Auch ihnen werde es kaum gelingen, Arbeit zu finden, mit der sie eine Familie ernähren können, sagt Butterwegge. "So vererbt sich Armut dann gewissermaßen sozial -  über die Generationenfolge hinweg."

Prof. Dr. Christoph Butterwegge, Armutsforscher, aufgenommen am 26.10.2011 während der ARD-Talksendung Anne Will zum Thema: Einmal unten, immer unten - Aufstieg nur für Reiche? in den Studios Berlin-Adlershof. Foto: Karlheinz Schindler

Prof. Dr. Christoph Butterwegge

Die Berufstätigkeit von Frauen in Deutschland ist mittlerweile alltäglich geworden. Trotzdem scheinen viele Arbeitgeber immer noch in traditionellen Familienmodellen zu denken: Der Mann ernährt die Familie und deshalb muss er besser bezahlt werden als eine Frau. Die Frau gilt bestenfalls als Hinzuverdienerin.

Rollenbilder wie diese bezeichnet Professor Butterwegge als überholt, als Anachronismus. Er fordert ein Umdenken, das sich an der Wirklichkeit orientiert. "Gerade weil so viele Alleinerziehende Frauen sind, ist eher der umgekehrte Zusammenhang einleuchtend." Weil sie Kinder versorgen und großziehen, sollten sie dafür auch angemessen entlohnt werden.

Der 23. März - der Tag für gleiche Bezahlung

Lohntüte: Symbolbild Lohn, Entlohnung © Klaus Eppele #7786835 - Fotolia.com

Für Frauen ist weniger drin

Um gerechte Entlohnung geht es auch der Initiative Business and Professional Women (BPW) Germany. Das Berufsfrauen-Netzwerk ruft seit einigen Jahren den "Equal Pay Day" aus - den "Tag für gleiche Bezahlung".  Er ist das Ergebnis eines statistisch ermittelten Datums. "Der Tag markiert genau den Zeitraum, den Frauen über das Ende des Vorjahres hinaus arbeiten müssen, um dasselbe durchschnittliche Bruttogehalt zu erlangen, wie Männer bereits im Vorjahr zum 31.12.", erklärt Projektleiterin Christel Riedel. Errechnet wurde der 23. März.

Auch in diesem Jahr wird es, wie bereits seit 2008, bundesweit viele Einzelveranstaltungen von aktiven Gruppen geben, die sich für die Abschaffung der Entgeltlücke einsetzen. Zentrale Veranstaltung ist eine Großkundgebung in Berlin - natürlich auch am 23. März. "Es bringt wenig, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nur auf die Entgeltungleichheit hinzuweisen", sagt Simone Denzler, Pressesprecherin von BPW. "Unsere Aktionen sollen Veränderungen anstoßen." In diesem Jahr drehen sich die Aktivitäten rund um das Thema Lohnfindung: Wie kommen Löhne zustande, wer legt sie fest? Wie können gleiche Löhne erreicht werden? Was muss sich hierfür ändern?

Lohnungleichheit als strukturelles Problem - mit Folgen

mother with stroller motion blur © SVLuma #35170024

Kind als Karriere-Hemmnis

Die Frauen des Berufsfrauennetzwerks BPW sehen die Lohnungleichheit als strukturelles Problem. "Das hat ja gerade auch die OECD-Studie gezeigt", erklärt Pressesprecherin Denzler, "es gibt kaum familienfreundliche Strukturen." Das führt dazu, dass Frauen mit Kindern - wegen unzureichender Betreuungsmöglichkeiten - weniger in Führungsspitzen zu finden sind. Auch in Vorständen und Aufsichtsräten sind sie viel weniger präsent. Die Frauen arbeiten nach wie vor überwiegend  in Teilzeitstellen. Die Zahlen seien erschreckend.

Besorgniserregend ist aber auch, dass die Lohnungleichheit sich im Alter noch deutlicher zeigt. Die 22 Prozent, die eine Frau heute weniger verdient, wachsen sich, sagt Simone Denzler, im Laufe des Erwerbslebens zu einer Rentenlücke von 59 Prozent aus. Die Forderung nach Lohngleichheit ist deshalb "kein Anliegen einer feministischen Gruppe, denn es ist ein gesamtwirtschaftliches Problem, wenn die Hälfte der Bevölkerung Gefahr läuft, unter Altersarmut zu leiden."

Autorin: Beatrix Beuthner
Redaktion: Andrea Lueg