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Asien

Frauen nach dem Tsunami

Weil sie nicht schwimmen konnten, starben bei dem Tsunami vor 5 Jahren drei bis vier mal mehr Frauen als Männer. Auch nach der Katastrophe waren sie benachteiligt. Aber viele haben einen unbändigen Überlebenswillen.

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Überlebende des Tsunami in Aceh gedenken der Opfer Naturkatastrophe

Nach dem Tsunami waren gerade Frauen und Mädchen einem besonders hohen Risiko ausgesetzt, in Armut und Ausgrenzung abzurutschen. Denn die meisten hatten eine schlechtere Ausbildung als Männer. Aber die durch den Tsunami hervorgerufenen Verheerungen förderten auch positive Beispiele zutage. Die 16 Jahre alte Devika lässt sich etwa nicht unterkriegen: „Ich lebe seit zwei Jahren in diesem Waisenhaus. Zuvor war ich in einem anderen Heim. Am Anfang gefiel es mir hier überhaupt nicht. Doch jetzt ist es besser. Mein Traum ist es, später mal als Ärztin zu arbeiten.“

Jahresrückblick 2005 Januar Tsnunami

Diese Frau auf Sri Lanka verlor während des Tsunami zwei Kinder

Hunderte von Mädchen in Sri Lanka teilen Devikas Schicksal. Die Flutwellen entrissen ihnen ihre Eltern, weil sie Mädchen sind, findet sich kaum jemand, der sie aufnimmt. Deswegen gibt es in Sri Lanka mehr Waisenhäuser für Mädchen als für Jungen, in denen die Tsunamiwaisen leben. Wasantha Hewage von der sri lankischen Hilfsorganisation Sarvodaya betreut etwa zwei Dutzend Mädchen im Abaigail House in der Nähe der Touristenhochburg Galle. Sie erlebt immer wieder, wie fast alle Mädchen einen fast unbändigen Überlebenswillen an den Tag legen. "Es ist klar, dass die Mädchen oft sehr depressiv sind. Es gibt einfach niemanden, der ihnen Liebe und Zuneigung geben kann und sie beschützt. Und das ist nätürlich eine große psychologische Belastung für sie." Lehrerin, Ärztin, Krankenschwester- das sind die Traumberufe der Mädchen. Viele glauben, sie wüssten, dass sie in der Schule härter arbeiten müssten als andere Mädchen, um sich ihre Zukunft zu sichern. Aber das wollen sie mit allen Mitteln.

Traditionell gelten Frauen in Südasien oft als weniger wert im Vergleich zu Männern. Denn während der Sohn in der Familie bleibt und als Altersversicherung für die Eltern gilt, verlässt die Tochter mit der Heirat das Haus. Noch dazu muss für sie eine hohe Mitgift gezahlt werden. Genau diese Denkweise versuchten Hilfsorganisationen nach dem Tsunami aufzubrechen, erklärt S.V. Gerome von SNEHA in Indien. Deswegen setzen sie bei der Hilfe vor allem auf Frauen: "Männer trinken, sie spielen Karten und verprassen oft nur das Geld. Den Frauen haben wir aber erklärt, wie wichtig es ist, Geld zu sparen. In unseren Selbsthilfegruppen sparen die Frauen jeden Monat etwa 100 Rupien, 1,80 Euro. Dafür bekommen sie Zinsen. Das hat mittlerweise den Status der Frauen innerhalb der Dorfgemeinschaft verändert. Sie werden nun an Entscheidungen beteiligt und von den Dorfräten sogar um Rat befragt."

Sitzung einer Frauengruppe zum Thema Hygiene und Wasserversorgung

Gestärkt aus der Krise - diese Frauen treffen sich seit dem Tsunami

Verschiedenen Studien zufolge liegt die Rückzahlungsrate von Mikrokrediten bei Frauen bei etwa 99 Prozent. Mikrokredite sind Kleinstkredite, mit denen die Frauen Hühner oder Ziegen kaufen können, um sich ein Zubrot zu verdienen. In den Selbsthilfegruppen, die vor allem nach dem Tsunami aufgebaut wurden, sind mindestens 10, höchstens 20 Frauen aktiv. Die eine kümmert sich um den Verkauf von Fischen, die nächste verkauft Milch. Auch Themen wie sauberes Wasser und Hygiene sind bei den Treffen der Frauen ein Thema. Denn Sozialarbeiter informieren regelmäßig darüber, wie die Frauen auf mehr Sauberkeit achten können, um Krankheiten zu vermeiden. "Ich habe viel gelernt, zum Beispiel dass man sich immer die Hände wachsen soll. Oder wie ich mein Kind sauber halten kann", sagt etwa die 39-jährige Shanti, die in einer nach dem Tsunami neu gebauten Siedlung in der Nähe der sündindischen Stadt Nagapattinam lebt. "Ich weiß jetzt auch, wie man Lebensmittel aufbewahrt, damit sie nicht schlecht werden. In meiner Familie haben wir jetzt alle weniger Krankheiten."

Autorin: Priya Esselborn

Redaktion: Silke Ballweg