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Wirtschaft

Frauen einsam an der Spitze

Sie unterschätzt sich, er macht genau das Gegenteil - das ist kein Klischee, sondern wissenschaftlich nachgewiesen. Könnte eine Frauenquote dafür sorgen, mehr qualifizierte Frauen ins Management zu holen?

Junge Frau im Abendkleid (Foto: picture alliance)

In der Werbebranche sind Frauen überall präsent, nicht jedoch im Management

Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich in einem Labor. Es ist wie bei einer Prüfung. Sie müssen Rechenaufgaben lösen. Je mehr Aufgaben Sie richtig haben, desto mehr verdienen Sie. Versetzen Sie sich nun in eine andere Situation: Sie sitzen dem anderen Geschlecht gegenüber, wieder sollen Sie Rechenaufgaben lösen. Diesmal müssen sie aber vorher festlegen, ob sie nach ihrer eigenen Leistung bezahlt werden oder ob sie in den Wettstreit treten und relativ zu ihrem Gegner verdienen.

Genau dieses Experiment haben drei Wirtschaftswissenschaftlerinnen gemacht: von den überdurchschnittlich guten Männern, die im Wettstreit mehr verdienen konnten, entschieden sich alle für ein Turnier. Von den überdurchschnittlichen Frauen nur jede Dritte. Die meisten Frauen unterschätzten sich und wollten es nicht mit dem Gegner aufnehmen.

Frau macht Luftsprung (Foto: bilderbox.com)

Große Sprünge im Geschäftsleben konnten bisher nur wenige Frauen machen

Petra Ledendecker, Präsidentin des Verbandes deutscher Unternehmerinnen, hat schon so manche Frau zum Wettstreit animiert: "Frauen haben ja die Eigenschaft, dass sie eher ausgleichend sein wollen, niemanden angreifen, sondern durch ihre Leistung nach oben kommen wollen. Aber manchmal geht es nicht anders".

Nur eine einzige Frau im Vorstand

Zuletzt hat sie eine Managerin ermutigt, sich gegen ihren Vorgesetzten durchzusetzen, was ihr schließlich gelang: sie kam in die gewünschte Führungsposition. Doch das sind punktuelle Siege. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung fand in den 80 umsatzstärksten deutschen Unternehmen nur eine einzige Frau im Vorstand: Barbara Kux bei Siemens. Einige Ränge weiter unten sieht es für deutsche Verhältnisse fast schon gut aus: Bei der Drogeriemark-Kette dm sitzen gleich zwei Frauen in der Geschäftsleitung. Eine davon ist Petra Schäfer. Für sie spielt das Unternehmen die entscheidende Rolle: "Bei uns hat es noch nie eine Rolle gespielt, ob das Mann oder Frau ist, sondern es hat immer nur die Frage eine Rolle gespielt: Es gibt eine bestimmte Aufgabe, die erfüllt werden muss, und wer ist dafür der Geeignete."

Zwei Frauen nehmen in Paris Sonnenbad (Foto: AP)

In Frankreich ist die Frauenquote bereits Gesetz

Und damit ist dm die Ausnahme. Die Unternehmerin Petra Ledendecker fordert deshalb eine Frauenquote, wenn die Unternehmen selbst nicht bald auf die Füße kommen. Nichts Neues, findet sie: In Frankreich und Norwegen sind verbindliche Frauenquoten längst per Gesetz beschlossen. Dort müssen in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen 40 Prozent Frauen sitzen. In Deutschland sind es ohne Quotenregelung gerade mal zehn Prozent.

Monika Rühl, Beauftragte für Chancegleichheit bei der Lufthansa, hält nichts von so einem Gesetz: "Wir haben die Erfahrung gemacht: Wenn wir es nicht über einen Druckmechanismus - und die Quote ist ein solcher Mechanismus - einleiten, sondern mit Überzeugungsarbeit, ist das nachhaltiger."

Quotefrau will keine sein

Zurück ins Labor, wo unsere drei Wirtschaftswissenschaftlerinnen Rechenaufgaben lösen lassen. Mittlerweile haben sie eine Quote eingeführt. 50 Prozent der Sieger sollen nun Frauen sein. Damit steigt ihre Chance auf einen Sieg - und plötzlich entscheiden sich über 80 Prozent der Frauen für ein Turnier. Übertragen auf die reale Welt würde dies bedeuten: viele, viele Frauen trauen sich, für eine Position im Unternehmen zu kämpfen. Petra Schäfer von dm möchte trotzdem keine Quotenfrau sein, "weil es für mich nicht darum geht, ob jemand wegen einer Quote in diese Aufgabe kommt, sondern, ob jemand die Qualifikation hat, diese Aufgabe zu erfüllen."

Im Labor zumindest wäre dies kein Problem, denn weil sich plötzlich so viele Frauen für ein Turnier entscheiden, die überdurchschnittlich gut sind, füllen am Ende nur Top-Frauen die Quoten. Und kaum ein Mann, der besser ist, muss ausgebootet werden.

Autorin: Jutta Wasserrab
Redaktion: Zhang Danhong

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