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Afrika

Frauen auf dem Vormarsch

Die anstehende Wahl in Kenia ist eine kleine Revolution für das Land. Erstmals gibt es Parlamentssitze, die nur Frauen vorbehalten sind. Bis jetzt haben Frauen in der Politik Kenias nicht viel zu sagen.

Eine Wählerin mit einem Wahlzettel an einer Wahlstation, Photo by Alfred Kiti Copyright: DW

Wahlen in Kenia

Beim Präsidentschaftsamt ist die Sache klar: Die Chancen für Kenias einzige weibliche Kandidatin stehen denkbar schlecht. Gerade mal ein Prozent der Wähler würde sich laut der letzten veröffentlichten Umfragen für Martha Karua entscheiden. Die ganz große Politik in Kenia ist immer noch ein Kampf zwischen Männern.

Der Zugang zum Abgeordnetenhaus jedoch wird mit der Wahl Anfang März 2013 etwas leichter. Denn zusätzlich zu 290 normalen Abgeordnetensitzen wird es 47 Sitze nur für Frauen geben, je einen pro Landkreis. Ursprünglich hätten sogar noch viel mehr Frauen den Weg ins kenianische Parlament finden sollen: Die neue Verfassung von 2010 legte fest, dass im gesamten öffentlichen Dienst kein Geschlecht mehr als zwei Drittel der Plätze besetzen darf - also auch nicht im Parlament. Im Dezember 2012, wenige Monate vor der Wahl, entschied der höchste kenianische Gerichtshof jedoch, dass diese Regel erst nach den Wahlen im März sukzessive bis Mitte 2015 umgesetzt werden soll. Als Grund nannten die Richter, das Parlament habe versäumt, entsprechende Gesetze einzuführen, die die Drittel-Regelung überhaupt praktisch umsetzbar machen. Noch liegen der Gleichberechtigung für Frauen viele Steine im Weg.

Frauen fehlt wirtschaftliche Unabhängigkeit

Rachel Yegon, Politiker in Kericho, Kenia Copyright: DW/Maja Braun 27.11.2012

Rachel Yegon möchte als Frauenabgeordnete ins Parlament einziehen

Rachel Yegon will eine der neuen Frauen im Abgeordnetenhaus sein. Als Unternehmerin im westkenianischen Kericho ist sie finanziell weitgehend unabhängig - im Gegensatz zu den meisten Frauen in Kenia. Die wirtschaftliche Entmachtung von Frauen sei die größte Hürde auf dem Weg in die Politik, meint Yegon. In allem seien sie von ihren Männern abhängig: "Erst müssen sie ihrem Mann um Erlaubnis fragen, ob sie sich überhaupt politisch engagieren dürfen. Dann muss man um ein Auto bitten, um Geld und viele andere Sachen." Davon habe der Mann schnell die Nase voll und keine Lust mehr, seine Frau zu unterstützen.

Doch Geld ist wichtig, denn Wahlkampf ist in Kenia eine teure Angelegenheit. Zu den Kosten für Transport oder Plakate kommen Gebühren für die Nominierung, Ausgaben für Werbung in den Medien und - nicht zuletzt - Geldgeschenke für potenzielle Wähler.

Bildung ist Voraussetzung für politische Ämter

Ein weiterer Stolperstein für Frauen ist ihre im Vergleich zu Männern oft geringe Bildung. Denn je wichtiger das Amt, desto höher sind die Vorgaben an Bildungsabschlüsse für Politikanwärter in Kenia. Besonders in abgelegenen Gegenden des Landes, im Norden, aber auch in Küstenregionen und unter den Massai im Süden, könnten deshalb wahrscheinlich nur sehr wenige Frauen für die Abgeordnetensitze kandidieren, befürchten Beobachter.

Hassan Omar, der für das Senatorenamt in der Küstenstadt Mombasa kandidiert, kritisiert trotzdem das mangelnde Interesse seiner Mitbürgerinnen an politischen Ämtern. Die neuen Abgeordnetensitze nur für Frauen würden dazu führen, dass Frauen sich nur noch darauf bewerben. "Sie lassen ihre anderen Möglichkeiten vollkommen außer acht. Ich bin tatsächlich sehr enttäuscht von der Frauenbewegung in Kenia", sagt Omar.

Schlange von Wählern vor einerm Wahlbüro bei der Abstimmung über die Verfassung im August 2010 TONY KARUMBA/AFP/Getty Images)

Am 4. März 2013 sind die Kenianer wieder zur Wahl aufgerufen

Auch Rachel Yegon bewirbt sich um den Frauensitz in ihrem Landkreis. Der Kampf gegen die männlichen Kandidaten für die normalen Abgeordnetensitze sei härter, sagt sie. "In unserer Kultur werden Frauen unterdrückt, bis sie es als Tatsache akzeptieren, dass sie nicht gut genug sind." Allein die Zeit, sich in der Politik zu engagieren, sei für Frauen knapp. "Denn es sind die Frauen, die sich zu Hause um alles kümmern. Nur die, deren Kinder schon groß sind, können sich engagieren", so Yegon.

Neue Themen in der Politik

Sind Frauen erst einmal im Parlament angekommen, können sie viel bewirken, sagt Joan Birika, kenianische Mitarbeiterin der deutschen Heinrich-Böll-Stiftung in Nairobi: "Man muss sich nur mal anschauen, was die wenigen weibliche Abgeordneten geschafft haben, seit sie im Parlament sind." Im letzten Parlament waren nicht einmal zehn Prozent Frauen vertreten. Trotzdem hätten sie Verbesserungen für Menschen angeregt, an die sonst selten gedacht werde. Beispielweise, so Birika, sei in den letzten Haushaltsplanungen eine Versorgung mit Monatsbinden für Schulen eingeplant worden, damit Mädchen auch während ihrer Periode am Unterricht teilnehmen können. Aber auch die Männer profitieren von den Initiativen der Politikerinnen, beispielsweise mit einer Regelung, die illegale Brauereien eindämmen soll. Der hohe Alkoholkonsum hat zu einer hohen Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen beigetragen und es auch vielen erwachsenen Männern unmöglich gemacht, ihrer Arbeit nachzugehen.

Joan Birika, Mitarbeiterin der Heinrich-Böll-Stiftung in Nairobi. Copyright: DW/Maja Braun 27.11.2012

Hofft auf starke Frauen in Kenias Politik: Joan Birika

Die Hoffnung der Politikwissenschaftlerin Joan Birika ist, dass Frauen helfen können, auch die ethnischen Konflikte des Landes zu überwinden. Denn im Gegensatz zu Männern ändert sich ihre ethnische Zugehörigkeit im Laufe ihres Lebens durch ihre Heirat, erklärt Birika. Oft sei für Frauen nicht eindeutig, ob sie sich der Abstammung der Mutter oder des Vaters zugehörig fühlen sollen. Diese Unklarheit berge die Chance für Frauen, die ethnischen und kulturellen Grenzen zu überbrücken und stattdessen für eine Politik einzustehen, die sich nicht allein an Stammeszugehörigkeiten orientiert.

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