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Politik

Frauen an der Stange

In den Bars von Bangkok geh's’ noch immer heiß zu. So heiß, dass nicht wenige Arbeiterinnen Verletzungen erleiden. Das soll jetzt verhindert werden - mit Kursen im Stangentanz.

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Lasziv, und dann doch irgendwie unschuldig. Und dann erst die Unterwürfigkeit. Da kommen - wie aus der Kanone geschossen - die Gründe zusammen für die Beliebtheit der jungen Frauen, die sich in den Bars von Bangkok, zwischen Soi Cowboy, Nana und Patpong, an den Stangen rekeln.

Nein, Moment. Das sind die Gründe der Barbesucher, von denen nun wirklich kein Profil mehr erstellt werden muss. Trotz aller Bemühungen Thailands, sich als Modedrehscheibe, als Wellness-Hauptstadt oder als regionales Zentrum für Konferenzen behaupten zu wollen - Thailand lockt noch immer die Sextouristen dieser Welt in die schummrigen Bars.

Ausstieg aus dem Eigenkörpergeschäft?

Um die 200.000 Frauen arbeiten in der heißen Branche. Ob in Bars oder im Massagesalon oder ganz direkt im Puff - es gibt eine Nachfrage, und die nimmt nicht ab, und warum sollte es auch nicht das entsprechende Angebot geben? Vor 20 Jahren hatten sich einige Frauen dazu entschlossen, die Kette, die oft in einem armen Elternhaus beginnt und in den Betten fremder Männer endet, zu durchbrechen und gründeten eine Selbsthilfeverein: Empower. Der hatte sich hohe Ziele gesetzt: so vielen Frauen wie nur möglich beim Ausstieg aus dem Eigenkörpergeschäft zu helfen und sich Arbeitsrechte zu erkämpfen.

Zwanzig Jahre später gibt es letztere noch immer nicht, und an die Stelle der geglückten Aussteigerinnen drängen sich noch viel jüngere Frauen. Da ist der Barhocker noch warm geradezu. Empower sah es ein und bekämpfte nun AIDS und macht sich an eine Safe Sex-Kampagne. Irgendwann kam die Gruppe auf die Idee, Englisch- und Japanischkursen anzubieten. Doch die machten aus einer Bardame keine Sekretärin. Die Englischkenntnisse werden genutzt - beim Aushandeln für Dienstleistungen an den geilen Herren. Wenigstens also steigt der Verdienst der Frauen.

Zündende Idee

Die Bars sind voll wie eh und je. Kondome sind auch nicht überall im Spiel. Und Empower brauchte eine neue zündende Idee. Seit neuestem bietet der Verein Kurse für Stangentanzen an. Geleitet von Freiwilligen, zog der Kurs bisher über 100 Sexarbeiterinnen an. Empower zufolge beinhaltet der Kurs neben den wichtigsten Griffen den besten Kostümeinsatz und Sicherheit an der Stange - denn zu viele Frauen verletzen sich beim Pole Dancing.

Die Kritik, dass durch die Kurse mehr junge Mädchen einfacher an die Stange geraten, weist Chantawipa Apisuk, Gründerin von Empower, schlicht ab - schließlich richte sich der Kurs nur an Frauen, die schon in den heißen Bars arbeiten. Ob wenigstens dieser Kurs ein Erfolg wird? Denn davon war die Arbeit von Empower bisher nur selten gekrönt.