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Sprachbar

Frau

Ob die Schöpfungsgeschichte Recht hatte, bleibt ein ewiger Zankapfel zwischen den Geschlechtern. Die deutsche Frau muss allerdings mit einem sprachgeschichtlichen Überbleibsel der angeblichen Abstammung vom Mann leben.

Bei unserem heutigen Stichwort geht es um die Frau – allerdings weniger um die Sprachgeschichte dieses Wortes, als vielmehr um die Geschichte der Frau beziehungsweise der Frauen selbst.

Von Adam und Eva

Beginnen wir ganz vorne. Bei Adam und Eva sozusagen. Ob man – oder frau – nun an die Schöpfungsgeschichte des Alten Testaments glaubt oder nicht. Sie bestimmt bis heute – zumindest teilweise – das Frauenbild in den meisten Ländern der Welt. Dass sich die Frau dem Manne unterzuordnen habe und ihrem Wesen nach unselbstständig sei, war nicht nur für die Kirchenväter eine klare Sache. Denn schließlich wurde die Frau ja aus einer Rippe Adams geschaffen, gewissermaßen als Nebenprodukt der Schöpfung.

Dass nun ausgerechnet diese Passage aus der Bibel das Bild der Frau geprägt hat, ist nicht verwunderlich. Theologie und damit auch die Auslegung der Bibel war Männersache.

Dabei gibt es im Alten Testament Texte, in denen die Frau ganz anders gesehen wird.

"Biologisch minderwertig"

Im Ersten Buch Mose zum Beispiel werden Mann und Frau als gleichrangige Ebenbilder Gottes dargestellt. Und dann gibt es noch das Preislied Salomos und vor allem das Hohelied auf die Frau. Aber durchgesetzt hat sich – wie gesagt – die Geschichte mit der Erschaffung der Frau aus dem Körper des Mannes.

Im Hochmittelalter gab es nicht wenige Gelehrte, die damit die absolute Pflicht zum Gehorsam, ja zur Unterwerfung der Frau gegenüber dem Mann begründeten. Einer von ihnen war Thomas von Aquin. Er fand sich von Aristoteles bestätigt. Dieser wiederum hatte die Frau als verfehlten Mann, ja sogar als biologisch minderwertiges Wesen gesehen.

Politische Mündigkeit

Was in manchen Ländern und Kulturen immer noch – durch vor allem männliche – Köpfe geistert, hat in diesem Frauenbild seinen Ursprung. Kein Wunder, dass auch im öffentlichen Leben, in Staat und Gesellschaft, wie es immer so schön heißt, den Frauen deshalb eine untergeordnete Rolle zugewiesen wurde.

Dass sich daran in den letzten Jahrzehnten etwas geändert hat, ist ausschließlich den Frauen selbst zu verdanken. Die Französinnen zum Beispiel konnten sich erst 1944 das Wahlrecht erkämpfen. Die deutschen Frauen immerhin schon 1918. Damit war wenigstens die politische Mündigkeit der Frauen erreicht.

Gleichberechtigung im Beruf?

Die Gleichberechtigung von Mann und Frau wurde in Deutschland 1958 auch gesetzlich vollzogen. Der Ehemann hatte nicht mehr das letzte Wort in vielen Familienangelegenheiten. Im Berufsleben jedoch lässt die Gleichberechtigung weiterhin auf sich warten, obwohl sich vieles verändert hat. Noch in den 90er Jahren wurde in der Zeitung gefragt, ob es nicht ein Sicherheitsrisiko sei, wenn eine britische Fluggesellschaft eine Pilotin einstelle. Die Begründung: Pilot sei ein typischer Männerberuf.

Und was sind typische Frauenberufe? Erzieherin, Arzthelferin, Sekretärin, um nur einige zu nennen. Geschuldet ist dies nicht nur dem traditionellen Rollenverständnis. Viele Frauen selbst glauben immer noch, einen Beruf ergreifen zu müssen, in dem sie Familie und Beruf unter einen Hut bringen können.

Sprachgeschichte

"Frauenbewegung" – "Die Frau in Kunst und Literatur" … Viel gibt es noch zu sagen zum Stichwort Frau. Belassen wollen wir es zum Schluss bei einem sprachgeschichtlichen Hinweis.

Das Wort Frau kommt von frouwe. Dieses wiederum stammt vom althochdeutschen fro ab, was – wer hätte es erwartet – Mann beziehungsweise Herr bedeutete. So stammt also die Frau, zumindest sprachgeschichtlich, vom Manne ab.

Männliches Überbleibsel

Aber der fro ist inzwischen so gut wie ausgestorben. Nur einmal im Jahr taucht er noch auf. Als katholischer Feiertag am zweiten Donnerstag nach Pfingsten. Da ist Fronleichnam.


Fragen zum Text

Laut der Bibel wurde Eva geschaffen aus Adams …

1. Hüfte.

2. Nase.

3. Rippe.

Thomas von Aquin war der Meinung, dass die Frau dem Mann …

1. ebenbürtig war.

2. untertan sein solle.

3. befehlen sollte.

Seit 1918 wählen dürfen Frauen in …

1. Italien.

2. Frankreich.

3. Deutschland.

Arbeitsauftrag

Frauen haben sich in vielen Ländern eine gleichberechtigte Stellung erworben. Erstellen Sie einen Text, in dem Sie begründen, ob Sie für oder gegen die Gleichberechtigung von Mann und Frau sind. Diskutieren Sie Ihre Positionen in der Gruppe.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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