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Aktuell Welt

Frau führt erstmals UN-Truppe

Als weltweit erste Frau führt die Norwegerin Lund künftig eine Friedenstruppe der Vereinten Nationen. Sie übernimmt das Kommando über die UN-Mission auf Zypern.

Generalmajorin Kristin Lund wird den Oberbefehl über die UNFICYP genannte Friedenstruppe auf der Mittelmeerinsel Zypern im August vom chinesischen General Chao Liu übernehmen. Diese Entscheidung teilte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in der Zentrale der Vereinten Nationen in New York mit (Artikelbild).

Die 56-jährige Lund hat 34 Jahre Erfahrung in der norwegischen Armee und bei den UN-Truppen. Von 2007 bis 2009 war sie Vize-Kommandeurin des norwegischen Heeres und Generalstabschefin der Nationalgarde. Sie diente zudem bei den UN-Truppen im Libanon und in Ex-Jugoslawien.

Seit 40 Jahren geteilt

Zypern ist seit einem griechisch-zyprischen Putschversuch und einer anschließenden türkischen Militärintervention im Jahre 1974 geteilt. Der griechisch geprägte Süden der Insel ist Mitglied der EU. Die "Türkische Republik Nordzypern" wird nur von der Türkei anerkannt. Rund 30.000 türkische Soldaten sind im Inselnorden stationiert. Die UNFICYP soll jegliches Wiederaufflammen der Kämpfe zwischen den Konfliktparteien verhindern. Die rund 930 UN-Soldaten und 66 UN-Polizisten bewachen die Waffenstillstandslinie und eine Pufferzone zwischen beiden Inselteilen.

Touristen an der innerzyprischen Grenze in Nikosia (Foto: AFP/GettyImages)

Touristen an der innerzyprischen Grenze in Nikosia

Entschädigung für Insel-Griechen

Die Bekanntgabe des Kommandowechsels bei der UN-Truppe fiel zeitlich zusammen mit einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) zum Zypern-Konflikt. Die Richter in Straßburg verurteilten die Türkei zur Zahlung von 90 Millionen Euro Entschädigung an die Angehörigen von verschwundenen griechischen Zyprern. Es ist die höchste Entschädigung, die der EGMR bisher jemandem zugesprochen hat. Gegen dieses Urteil ist keine Berufung möglich.

Während der türkischen Intervention verschwanden etwa 1500 griechische Zyprer. Mehr als 200.000 Menschen wurden zwangsweise umgesiedelt, es kam zu Enteignungen und zur Benachteiligung von Griechen, die nach der Teilung im Norden der Insel geblieben waren.

Unterdessen kündigte US-Vizepräsident Joe Biden einen Besuch auf Zypern an. Er wolle den Gesprächen zur Wiedervereinigung der Mittelmeerinsel neuen Schwung geben, teilte das Weiße Haus in Washington mit. Die Vorstellungen der beiden Seiten, wie die Teilung überwunden werden könnte, gehen auseinander: Die griechischen Zyprer streben eine Föderation zweier Bundesstaaten mit einer starken Zentralregierung an. Dagegen wollen die türkischen Zyprer eine lose Konföderation zweier weitgehend unabhängiger Staaten.

wl/SC (dpa,afp,rtr)