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Wirtschaft

Frau an der Spitze der Münchner Börse

Christine Bortenlänger leitet seit zehn Jahren die Regionalbörse München: eine Seltenheit in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft.

Christine Bortenlänger, Geschäftsführerin der Börse München (Foto: dpa)

Christine Bortenlänger, Geschäftsführerin der Börse München

Eigentlich wollte Christine Bortenlänger Landwirtin werden. Doch ein Schulausflug mit ihrem Tegernseer Gymnasium an die Münchner Börse lenkt ihr Leben in eine ganz andere Richtung: "Das war so ein spannendes Treiben auf dem Parkett - für mich so faszinierend, dass ich im Sommer nach diesem Schulausflug, dem Wunsch meiner Eltern nachgekommen bin, mich für eine Banklehre zu bewerben", sagt die heutige Chefin der Börse München. "Das konnte ich mir davor gar nicht so richtig vorstellen. Das war für mich ein Schlüsselerlebnis."

Während ihrer Banklehre bei der Bayerischen Vereinsbank geschieht allerdings etwas Unvorhergesehenes: Christine Bortenlänger wird schwanger. Bei vielen anderen Frauen wäre damit die Karriere schon wieder vorbei, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Nicht so bei Christine Bortenlänger. Denn die junge Frau wird vor allem von ihrer Familie kräftig unterstützt.

Alles hat seinen Vorteil

Im Nachhinein empfindet sie das eher als einen Vorteil, in jungen Jahren Kinder zu bekommen: "Wenn es im Berufsleben so richtig ernst wird und die Termine lange und auch überraschend hereinschneien, wenn dann die Kinder schon groß sind, dann kann man das alles wesentlich besser organisieren."

Nach Studium, Promotion und Stationen bei der Bayerischen Landesbank sowie einer Unternehmensberatung wird Bortenlänger 1998 stellvertretende Geschäftsführerin der Münchner Börse. Zwei Jahre später schafft sie es dann ganz an die Spitze. Da ist sie gerade 33 Jahre alt und die erste Frau, die eine deutsche Regionalbörse leitet. Außerdem publiziert sie fleißig, schreibt Bücher über Finanzthemen und veröffentlicht regelmäßig Marktanalysen beispielsweise in der angesehenen "Süddeutschen Zeitung".

Eine gesunde Mischung

Trotz all ihres Engagements versucht Christine Bortenlänger, bei sich und bei ihren Mitarbeitern auf ein gesundes Verhältnis von Arbeit und Freizeit zu achten: "Ich bin der Meinung, jemand, der regelmäßig einen 14-Stunden-Tag im Büro erlebt, ist nicht mehr produktiv. Ganz im Gegenteil: Eine ausgewogene Mischung aus Beruf, Familienleben, Hobbys und Freunden macht einen am leistungsfähigsten."

Damit künftig tatsächlich mehr Frauen in die Chefetagen aufsteigen, hält Christine Bortenlänger den Vorstoß der Deutschen Telekom mit einer Frauenquote durchaus für angebracht, denn in vielen Studiengängen sind häufig mehr Frauen, die ihr Studium mit hervorragenden Noten abschließen. Und da stellt sich nicht nur für Christine Bortenlänger die Frage, warum die Frauen es so selten nach oben schaffen? "Hier kann die Quote Steine aus dem Weg rollen, damit wir es schaffen, Frauen an diese Positionen zu bekommen - gute Frauen", sagt die Chefin der Börse München. Sie hoffe, dass irgendwann ganz natürlich der Prozess einsetze, "dass Frauen weitere Frauen an die Spitze holen und wir dann zukünftig ohne Quote eine ausgewogene Mischung aus Männern und Frauen an der Spitze bekommen."

Autor: Ernst Weber
Redaktion: Zhang Danhong