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Aktuell Europa

Franzosen sind gegen Kippa-Verzicht

Sollen Juden weiterhin ihre Kippa tragen? Über diese Frage diskutiert Frankreich nach dem Angriff auf einen Lehrer mit der traditionellen Kopfbedeckung in Marseille. Und nicht nur Juden beziehen eindeutig Position.

Auch die Politik hat sich inzwischen in die Debatte eingeschaltet: Für den Schutz der Bürger ist der Staat verantwortlich, stellte Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem klar. Der Rat, auf das Tragen der Kippa zu verzichten, sei sicher gut gemeint, sagte sie dem Sender France Inter. Aber das dürfe nicht die Botschaft sein. Besonders jetzt nicht", betonte die Politikerin.

Ähnlich äußerte sich Innenminister Bernard Cazeneuve: Der Staat werde "alle seine Kinder" und die Religionsfreiheit beschützen. Auch Justizministerin Christiane Taubira betonte, Juden müssten "selbstverständlich" in Sicherheit ihre Kippa tragen können.

Jüdische Vertreter wollen nicht verzichten

Ausgelöst hatte die Debatte die Empfehlung des Vorsitzenden des sogenannten israelitischen Konsistoriums in Marseille, Zvi Ammar. Auch wenn es ihm "Bauchschmerzen" bereite, so rate er jüdischen Gläubigen vorerst,

auf das Tragen der Kippa zu verzichten,

bis "bessere Zeiten" kämen, hatte Ammar nach dem Angriff mit einer Machete gegen einen jüdischen Lehrer erklärt. Der Mann wurde bei der

Attacke am Montag

leicht verletzt. Der 15-jährige Täter berief sich nach seiner Tat auf die Terrormiliz "Islamischer Staat".

"Fasst meine Kippa nicht an!", widersprach der Präsidenten des Konsistoriums, Joël Mergui. Die Konsistorien vertreten die Interessen der Juden in Frankreich. Er könne zwar verstehen, dass Ammar in seiner emotionalen Betroffenheit so handle, sagte Mergui der Nachrichtenagentur AFP. Aber die Frage, ob Juden Kippa tragen oder nicht, werde das Problem des Terrorismus' nicht lösen.

Auch Frankreichs Oberrabbiner Haim Korsia wollte der Empfehlung Ammars nicht folgen. "Wir dürfen aber nicht klein beigeben." Im Kurznachrichtendienst Twitter rief er dazu auf, weiterhin die Kippa zu tragen.

Der Präsident des jüdischen Dachverbands (Crif), Roger Cukierman, sprach schlicht von "keiner guten Idee", die jüdische Kopfbedeckung abzunehmen. Das käme einer Niederlage und einer Selbstaufgabe gleich.

Rekord an jüdischen Auswanderern

Marseille hat mit 70.000 Mitgliedern die zweitgrößte jüdische Gemeinde Frankreichs nach Paris. Schon mehrfach waren jüdische Bürger dort in den vergangenen Monaten das Ziel von Attacken. Auch bei den islamistischen Angriffen vom Januar 2015 waren vier Juden getötet worden. Israel verzeichnete nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr einen neuen Rekord an jüdischen Einwandern aus Frankreich.

bor/uh (afp, kna)