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Aktuell Afrika

Franzosen drängen Islamisten zurück

Die französischen und malischen Truppen setzen ihre Militäroffensive gegen die Islamisten im Norden unnachgiebig fort. Auch die USA helfen ab sofort mit dem Transport französischer Soldaten und Ausrüstung.

Der Druck auf die islamischen Extremisten im Norden Malis soll permanent aufrecht erhalten bleiben, man wolle sie Tag für Tag vor sich her treiben, erläuterten französische Offiziere. Ziel sei es, die gesamte Region aus den Händen der seit Monaten in weiten Landesteilen wütenden Islamisten zu befreien. "Wir planen, jede Woche rund 100 Kilometer weiter vorzurücken", sagte ein Militärsprecher der Nachrichtenagentur dpa.

Nigerias Präsident Goodluck Jonathan erklärte, sein Land werde die Operationen gegen die mit der Al-Kaida verbündeten Rebellen mittragen, bis die Krise gelöst sei. Nigeria will als Teil einer westafrikanischen Truppe bis zu 1200 Soldaten stellen.

USA helfen mit Logistik

Nach Großbritannien, Belgien, Kanada und Dänemark haben nun auch die USA mit dem Transport französischer Truppen und Ausrüstung begonnen. Ein Sprecher des US-Afrika-Kommandos (AFRICOM), Benjamin Benson, bestätigte erste Flüge in die Hauptstadt Bamako. Benson sagte, dass man mit Frankreich auch bei der militärischen Aufklärung kooperiere, wollte sich aber nicht über den Einsatz von Drohnen äußern.

In den vergangenen Tagen waren mit der Unterstützung aus Paris bereits die wichtigen Städte Diabaly, Douentza und Kona in der Landesmitte zurückerobert worden. Die Moslem-Rebellen zogen sich vielerorts kampflos zurück. Derzeit bewegten sich die Soldaten Frankreichs und Malis auf Hombori zu, erklärte der Sprecher. Der nordöstlich von Kona liegende Ort ist noch unter Kontrolle der Islamisten.

Keine deutschen Kampftruppen nach Mali

Deutschland will sein finanzielles Engagement im Mali-Konflikt ausweiten, lehnt aber die Entsendung von Kampfeinheiten weiterhin ab. Die Bundesregierung machte bei einer gemeinsamen Sitzung mit dem französischen Kabinett in Berlin keine weiteren Zusagen über konkrete Militärhilfen. Die Verteidigungsminister stünden aber in engem Kontakt über die Frage einer möglichen zusätzlichen Unterstützung, teilte Kanzlerin Angela Merkel mit.

Präsident François Hollande würdigte den Einsatz deutscher Transall-Maschinen der Bundeswehr zum Transport afrikanischer Truppen nach Mali. Er wisse, dass die Deutschen bei der geplanten Geberkonferenz zur Unterstützung Malis kommende Woche ihren Beitrag leisten würden, so Hollande.

Bundespräsident Joachim Gauck bewertete die Intervention in Mali als Beitrag zur Sicherheit und Freiheit in Europa. Zu verhindern, "dass sich Terroristen Rückzugsgebiete erobern", liege auch im Interesse Deutschlands und Frankreichs, sagte Gauck bei einer Festveranstaltung zum 50. Jahrestag des Elysee-Vertrags in Berlin.

EU hilft humanitär

Die Europäische Union unterstützt Leidtragende aus der Krise in Mali zunächst mit weiteren 20 Millionen Euro. Damit solle vor allem unterernährten Kindern und den Flüchtlingen in den Nachbarländern geholfen werden, teilte die EU-Kommission in Brüssel mit. 2012 gab die EU insgesamt rund 110 Millionen Euro für humanitäre Hilfe für die Malier aus.

Ein mit einem Geschütz bestückter Lkw der Islamisten - zerstört durch die französische Luftwaffe (foto:AFP/Getty Images)

Ein mit einem Geschütz bestückter Lkw der Islamisten - zerstört durch die französische Luftwaffe

Die Übergangsregierung in Bamako verlängerte derweil den über das Krisenland verhängten Ausnahmezustand um drei Monate. In diesem Zeitraum sind große Menschenansammlungen und alle Aktionen, die die öffentliche Ordnung beeinträchtigen könnten, verboten.

"Keine Frage der Religion"

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi kritisierte die französische Truppenentsendung und sagte, die Militärintervention könne den Konflikt in der Region noch verschlimmern. Die ägyptische Zeitung "Al-Shorouk" zitierte Mursi mit den Worten: "Wir werden niemals Extremismus, Gewalt oder Angriffe auf Zivilisten akzeptieren, aber gleichzeitig wollen wir kein neues Zentrum für einen blutigen Konflikt schaffen, der Nordafrika von seinen afrikanischen Nachbarn trennen könnte".

Der Hohe Islamische Rat von Mali verteidigte hingegen die Offensive. "Das hier hat nichts mit Islam zu tun. Es geht um den Kampf gegen Terrorismus und Kriminalität in Nord-Mali", sagte der Präsident des Rates, Mohamoud Dicko. Muslime in aller Welt müssten verstehen, was gerade in Mali passiert: "Die Integrität unseres Landes wurde im Namen des Islam angegriffen. Aber es ist gar keine Frage der Religion, um die es hier geht".

SC/GD (afpf, rtre, dpa)