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Europa

Franzosen bei Brot und Wasser?

Frankreich leidet so unter der Wirtschaftskrise, dass viele selbst beim täglichen Brot sparen müssen. Im Land der Feinschmecker haben Billig-Supermärkte und Restaurants mit Billig-Menus Zulauf.

Ein Teller mit Shrimps mit gelber Sauce, edel angerichtet (Foto: AT Verlag)

Wer kann sich so etwas noch leisten?

Ein Großteil der französischen Bevölkerung ernähre sich von verfallen Produkten, mit dieser Aussage übertreibt Komiker Stéphane Guillon sicher. Aber es ist etwas Wahres dran. Restaurantbesitzer Lionel sagt jedenfalls: "Die Franzosen haben ihre Konsumgewohnheiten sehr geändert. Sie sind ganz auf 'Schnäppchen' aus. Sie suchen nach guten Tipps und reduzierten Preisen."

Ausverkauf im Restaurant

Auf einem Schaufenster kleben zwei Zeichen: ein Smiley und ein Prozentzeichen (Foto: Maksim Nelioubin)

Die Schnäppchenjagd geht im Restaurant weiter

In Frankreich floriert derzeit ein ganz neuer Typ von Geschäften: Supermärkte, die Lebensmittel kurz vor dem Verfallsdatum verkaufen. Manchmal sogar jenseits des Verfalldatums oder mit gefälschten Etiketten. Hauptsache billig! Und die Kundschaft kommt.

Auch Lionels Restaurant "La Cantoche Paname" wirbt mit Sonderangeboten. Jedoch geht es ihm nicht darum, Lebensmittel kurz vor dem Verschimmeln noch schnell loszuwerden. Es geht vielmehr um eine originelle Idee, um mehr Menschen in das Lokal zu locken: Wenn in Frankreich Schlussverkauf ist, dann feiert auch "La Cantoche", die "Soldes" und bietet Gerichte und Getränke zu reduzierten Preisen an. "Wir gewinnen Sympathie-Kapital. Unser Ziel ist es, das Gedächtnis der Kunden zu prägen. Der Kunde soll sich an das Lächeln erinnern, das ihm auf die Lippen kam, als er erfahren hat, dass sein Gericht 20 Prozent weniger kostet", sagt Lionel. Eine reduzierte Mahlzeit sei innovativ und lustig, fügt er hinzu.

Größere Angebote - kleinere Gewinnspanne

"Für uns bedeuteten die Rabatte, dass wir eine kleinere Gewinnspanne haben. Denn wir reduzieren ja nicht ein Produkt, das weniger wert ist als üblicherweise. Das können wir uns nicht erlauben", erklärt Lionel seine Idee. Er müsse die maximale Qualität wahren. Denn ein Kunde fände es gut, weniger für sein Gericht zu bezahlen, aber er würde nie verzeihen, wenn es eine schlechtere Qualität habe, ist er sich sicher.

Ein Koch hält einen Teller mit einem Gericht in den Händen (Foto: AP)

Statt Edelrestaurants bald nur noch Billig-Supermärkte?

Eine kleinere Gewinnspanne, bedeutete unterm Strich aber einen größereren Gewinn, berichtet Lionel: "Es kommen einfach mehr Menschen. Mit den kleinen Preisen lassen sich durchaus Geschäfte machen." Dass die Zahl derer, die knapp bei Kasse seien, immer größer werde, könne auch er in seinem Restaurant feststellen, bestätigt Lionel.

"Wer kein Geld hat ist selbst schuld"

Nach Meinung von Sarkozy-Freund Jacques Séguéla muss ein geringeres Einkommen wohl nur für Verlierer gelten So verlautete er: "Wer sich mit 50 keine Rolex leisten kann, hat versagt." Mit dieser Aussage inspirierte er sämtliche Satiriker in ganz Frankreich. Und auch Komiker Stéphane Guillon witzelt: "Sollen die 'Looser' ihren verfallenen Joghurt wenigstens mit einem Lächeln verzehren. Denn wer sich einen Hummer mit Pina Colada-Soße nicht leisten kann, ist schließlich selber Schuld."

Autorin: Christine Siebert

Redaktion: Heidi Engels