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Aktuell Europa

Franziskus pocht auf Religionsfreiheit

Es war nur ein Kurzbesuch, aber es gab eine klare Botschaft: In Albanien machte sich der Papst für den Dialog zwischen den Religionen stark. Doch zunächst nahm er die Terrormiliz IS ins Gebet.

"Niemand soll meinen, er könne sich hinter Gott verstecken, während er Gewalttaten und Übergriffe plant und ausführt!", sagte Papst Franziskus in Anspielung auf die Gewalt der IS-Milizen in Syrien und im Irak."Niemand nehme die Religion zum Vorwand für seine Taten, die der Würde des Menschen und seinen Grundrechten entgegen stehen." Zu den Grundrechten zählte der Pontifex bei der Begrüßung in Tirana "an erster Stelle das Recht auf Leben und die Religionsfreiheit aller".

In einer Zeit, "in der von extremistischen Gruppen das echte religiöse Empfinden verfälscht wird und die Unterschiede zwischen den verschiedenen Bekenntnissen verzerrt und instrumentalisiert werden", beschwor Franziskus den Wert der Toleranz: Das harmonische Zusammenleben der verschiedenen Glaubensgemeinschaften sei ein unschätzbares Gut für den Frieden und die Entwicklung eines Volkes. Das mehrheitlich muslimische Albanien sei ein glückliches Beispiel dafür, dass diese Harmonie gelingen könne.

Umjubelte Fahrt zum Präsidentenpalast

Der Papst war am Sonntagmorgen auf dem Mutter-Teresa-Flughafen in der albanischen Hauptstadt gelandet. Nach der Begrüßung durch Ministerpräsident Edi Rama fuhr Franziskus vorbei an Zehntausenden Menschen zur Residenz von Staatspräsident Bujar Nishani. Insgesamt elf Stunden hielt sich der Pontifex in Albanien auf. Höhepunkt des Besuchs war eine Heilige Messe auf dem Mutter-Teresa-Platz im Zentrum von Tirana.

Die albanischstämmige Ordensschwester und Missionarin Teresa (1910-1997) ist die mit Abstand populärste Person in Albanien. Auf dem Programm standen auch Begegnungen mit Repräsentanten der großen Glaubensgemeinschaften des Landes sowie mit Waisenkindern.

Es war die vierte Auslandsreise des Papstes seit seinem Amtsantritt im März vergangenen Jahres. Bislang hat Franziskus schon Brasilien, den Nahen Osten und Südkorea besucht. Doch in Europa war er außerhalb Italiens noch nicht.

Höchste Sicherheitsstufe

Albanien ist eines der ärmsten Länder Europas. Von den drei Millionen Einwohnern sind rund 60 Prozent Muslime, ein Sechstel sind Katholiken. In keinem anderen osteuropäischen Land wurden Katholiken und Angehörige anderer Religionsgemeinschaften vor dem Zusammenbruch des Ostblocks so brutal unterdrückt wie in Albanien. Das Land hatte sich 1967 zum "ersten atheistischen Staat der Welt" erklärt.

Nach Warnungen aus dem Irak vor Bedrohungen durch radikale Islamisten hatte Albanien zum Besuch des Papstes noch einmal die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. 2500 Polizisten waren in dem kleinen Land im Einsatz. 50 als gefährliche eingestufte "Extremisten" sollen nach einem albanischen Medienbericht vorsorglich in den Nachbarländern Kosovo, Mazedonien und Montenegro inhaftiert worden sein.

rb/chr (afp, dpa, kna)