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Sport

Franziskus, erbarme Dich!

Schon während der gesamten WM war der Papst allgegenwärtig. Seinen Segen schwörten die Albiceleste-Fans herbei, während sie eine Franziskus-Maske trugen. In Argentinien sind Fußball und Religion besonders verbunden.

Der Argentinier Gabriel Pici aus Mar del Plata setzt beim Endspiel gegen Deutschland auf den direkten Draht nach oben. Seit Wochen folgt er der argentinischen Nationalmannschaft mit einem Wohnmobil durch Brasilien. "Ohne den Papst schaffen wir das nicht", orakelt er. "Wir wollen, dass Franziskus kommt!"

12.500 Kilometer hat Gabriel Pici bereits während der Weltmeisterschaft zurückgelegt. Bis zur letzten Fahrt nach Rio werden es 13.000 Kilometer sein. Aber was sind diese irdischen Entfernungen im Vergleich zu den überirdischen Kräften eines argentinischen Stellvertreter Christi?

Seit dem Ausscheiden Brasiliens steht für die

"Hermanos"

aus dem Nachbarland fest: Gott hat die Brasilianer verlassen, aber der Papst aus Buenos Aires steht an der Seite Argentiniens. "Die Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner wollen wir beim Endspiel nicht sehen, aber das Konterfei des Papstes, das hilft uns", ist der 26-jährige Gabriel Piri überzeugt.

Das Wunder von Rio

In Rio de Janeiro ist die Maske des Papstes bereits zum Verkaufsschlager unter den argentinischen Fans avanciert. Schließlich ist es nicht das erste Mal, dass Argentinien versucht, mit himmlischem Beistand ein WM-Endspiel zu gewinnen.

Bei der Fußballweltmeisterschaft 1986 in Mexiko verhalf die "Hand Gottes" den Argentiniern zum Titel. In Wirklichkeit gehörte sie Diego Maradona. Als dieser am 22. Juni 1986 beim Spiel gegen England den Ball mit Hilfe seiner Hand ins Tor zirkulierte, erklärte er dazu nachträglich: "Es war ein bisschen der Kopf von Maradona und ein bisschen die Hand Gottes."

Diego Maradonna bei der Fußballweltmeisterschaft 1986 (Stiftung Kloster Dalheim/Foto: LWL/Maria Tillmann)

1986 in Mexiko verhalf die "Hand Gottes" den Argentiniern zum Titel, hier verewigt auf einer Autogrammkarte

Bei dieser WM wollen die Argentinier auf "ihren" Papst vertrauen. Schließlich ist auch Jorge Mario Bergoglio ein glühender Fußballfan. Und in Rio de Janeiro vollbrachte er beim Weltjugendtag bereits ein großes Wunder: In nur einer Woche gelang es ihm, die historische Rivalität zwischen Argentiniern und Brasilianern in Freundschaft zu verwandeln.

Weltmeister von Gottes Gnaden

Maradonna, Messi und der Papst - in Argentinien sind Fußball und Religion durch eine ganz besondere Beziehung miteinander verbunden. Helden auf dem Rasen werden wie Heilige verehrt, und Fußballfans pilgern mit der gleichen Inbrunst zu den Spielstätten ihrer Mannschaft, wie gläubige Pilger zu Wallfahrtskirchen.

Seit dem

Sieg über die Niederlande

genießt auch der argentinische Torwart Sergio Romero Heiligenstatus. In einer Fotomontage erscheint er mit ausgebreiteten Armen im Gewand der Christus-Statue von Rio de Janeiro. Romero, der Retter der argentinischen Nation?

Argentiniens Torwart Sergio Romero in Aktion (Foto: Reuters)

Gerade genießt auch der argentinische Torwart Sergio Romero Heiligenstatus

Fußballfan Bruno Remondino hat trotz himmlischer Träume seine Bodenhaftung nicht verloren. "Ich glaube nicht, dass der Papst zum Finale kommt", meint er. "Denn wenn Argentinien gewinnen sollte, würden alle sagen, das war der Segen des Papstes." Auch die Legende der "Hand Gottes" würde wieder aufleben.

Seit dem Beginn der WM reist der Argentinier mit Freunden in seinem Wohnmobil "Barrilete Cósmico" zwischen den Stadien in Brasilien hin und her, ein Abenteuer auf dem Asphalt, das man in den sozialen Netzwerken nachverfolgen kann. Bruno Remodino ist sich sicher, dass der Pontifex das Endspiel im fernen Rom mit verfolgen wird. "Der Papst ist für alle da, nicht nur für die Argentinier", sagt er. Auch

Finalgegner Deutschland

darf also auf den Segen von Franziskus hoffen.

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