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Aktuell Deutschland

Französischer SEB-Konzern kauft Besteck- und Küchengerätehersteller WMF

Fast 1,6 Milliarden Euro lässt sich das Haushaltsunternehmen SEB die Übernahme der schwäbischen Traditionsfirma kosten. Die Verträge sind schon unter Dach und Fach. Nur die Kartellbehörden müssen noch zustimmen.

Die für Küchengeräte-Marken wie Moulinex, Krups und Tefal bekannte Groupe SEB aus Lyon hat es vor allem auf das Geschäft von WMF mit Kaffeeautomaten für Restaurants und Bäckereien abgesehen. In dem Segment ist das 1853 gegründete Traditionsunternehmen aus Geislingen an der Steige unangefochtener Weltmarktführer. Um die Württembergische Metallwarenfabrik (WMF), die 5700 Mitarbeiter in sieben Ländern beschäftigt, buhlten laut Insidern auch chinesische Bieter und die schwedische Electrolux.

Bisheriger WMF-Eigentümer verdreifacht Kapitaleinsatz

Der US-Finanzinvestor KKR hatte WMF vier Jahre nach dem Einstieg wieder zum Verkauf gestellt. Für ihn entpuppte sich das deutsche Unternehmen als sehr lukratives Geschäft. KKR habe seinen Kapitaleinsatz mehr als verdreifacht, hieß es in Finanzkreisen.

2012 wurde WMF mit 600 Millionen Euro bewertet. An die Kleinaktionäre und den schweizerischen Großaktionär CapVis zahlte KKR zusammen 470 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr steigerte der Besteckhersteller den Umsatz um 4,3 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Der operative Gewinn (Ebitda) lag bereinigt um Sondereffekte bei 118 Millionen Euro. 2016 soll er auf 140 Millionen Euro steigen.

Franzosen rechnen mit Gewinn-Schub

SEB bezeichnet sich selbst als Weltmarktführer für kleine Haushalts-Ausstattung. Das französische Unternehmen, dessen Vorläufer 1857 im Burgund gegründet wurde, ist mit insgesamt mehr als 25.000 Mitarbeitern in fast 150 Ländern präsent.

Mit dem Zukauf von WMF kommt der Konzern auf 5,8 Milliarden Euro Umsatz und ein Ebitda von 651 Millionen Euro. Weil die Schwaben eine höhere Umsatzrendite erwirtschaften, rechnen die Franzosen mit einem Schub für ihren Gewinn je Aktie. Finanziert wird die Übernahme auf Kredit. SEB zahlt 1,02 Milliarden Euro und übernimmt 565 Millionen Euro Schulden von WMF.

Eine Mitarbeiterin im Stammwerk der Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF) in Geislingen (Foto: dpa)

Eine Mitarbeiterin im Stammwerk der Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF) in Geislingen

Auch an Töpfen und Pfannen interessiert

Anders als andere Bieter interessiert sich SEB nach eigenen Angaben auch für das traditionelle Geschäft von WMF mit Töpfen, Pfannen, Besteck und Kleingeräten (Schaerer, Silit) sowie für die rund 200 eigenen WMF-Läden. SEB habe "hohen Respekt vor diesem großartigen Unternehmen", mit dem es Kultur und Werte teile, sagte Konzern-Chef Thierry de La Tour d'Artaise. "Wir ergänzen uns in unseren Marktsegmenten und sind uns als europäische Traditionsunternehmen sehr ähnlich", erklärte WMF-Pressesprecher Kai Hummel. Erst vor einer Woche hatte SEB den westfälischen Isolierkannen-Hersteller Emsa geschluckt.

se/jj (rtr, afp, dpa)