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Drei Monate vor der Wahl

Französischer Präsidentschaftskandidat Fillon stürzt ab

Lange prognostizierten die Demoskopen einen klaren Sieg des Konservativen Fillon bei der Präsidentenwahl in Frankreich im Mai. Unter dem Eindruck von "Penelope-Gate" wenden sich jetzt aber die Wähler ab.

Der wegen angeblicher Scheinbeschäftigung seiner Frau Penelope massiv unter Druck stehende französische Konservative François Fillon (Artikelbild) hat nach einer neuen Umfrage seine Favoritenrolle für die Präsidentschaftswahl im Mai verloren.

Nicht mehr in der Stichwahl

Der Kandidat der Republikaner käme derzeit im ersten Wahlgang auf 19 bis 20 Prozent der Stimmen und würde damit nicht in die entscheidende Stichwahl einziehen, so eine Wählerbefragung im Auftrag der Zeitung "Les Échos" und des Senders "Radio Classique". Fillon habe innerhalb von vier Wochen fünf bis sechs Prozentpunkte verloren, hieß es.

Der frühere Premierminister ist durch Enthüllungen der Wochenzeitung "Le Canard Enchaîné" unter massiven Druck geraten. Fillon soll seine Ehefrau während seiner Abgeordnetenzeit jahrelang als parlamentarische Mitarbeiterin beschäftigt haben, ohne dass diese jemals wirklich arbeitete.

Penelope Fillon (picture-alliance/abaca/A. Robert)

Penelope Fillon

Knapp eine Million Euro

Nach Recherchen des Blattes, die spöttisch von "Penelope-Gate" spricht, erhielt Frau Fillon über die Jahre als Assistentin ihres Mannes und dessen Nachfolgers in der Nationalversammlung rund 830.000 Euro, außerdem weitere 100.000 Euro von einem Magazin, das einem Freund ihres Mannes gehört. "Le Canard Enchaîné" berichtete zudem, Fillon habe als Senator zwei seiner Kinder als parlamentarische Mitarbeiter beschäftigt - für insgesamt 84.000 Euro.

Staatsanwalt ermittelt

Wegen des Vorwurfs der Veruntreuung öffentlicher Mittel ermittelt inzwischen die nationale Finanzstaatsanwaltschaft. Sie befragte bereits das Ehepaar und sicherte am Dienstag in der Nationalversammlung Dokumente, die Aufschluss über die Beschäftigung von Penelope Fillon geben sollen. Laut einem Medienbericht hatte sie weder eine Zugangskarte zur Nationalversammlung, noch ein eigenes E-Mail-Konto im Parlament.

Vorwurf gegen die Linke

Fillon wies alle Vorwürfe erneut zurück. Bei einem Treffen mit Abgeordneten seiner Republikaner-Partei sprach der 62-Jährige von einem "institutionellen Staatsstreich", hinter dem die Linke stehe. Man versuche, seine Kandidatur zu verhindern.

Bereits zuvor hatte Fillon von einer beispiellosen "Operation der Verleumdung" gesprochen. Der Sprecher des sozialistischen Staatschefs François Hollande wies diese Angriffe scharf zurück. "Das ist inakzeptabel", sagte Stéphane Le Foll. "Jeder muss seiner Verantwortung gerecht werden. Die Franzosen erwarten ganz einfach Wahrheit und Transparenz."

In seiner Ansprache vor der Republikaner-Fraktion zeigte sich Fillon zuversichtlich, den Vorwurf einer Scheinbeschäftigung seiner Frau widerlegen zu können. Diese habe eine Reihe von Aufgaben für ihn erfüllt. Dies würden die Ermittlungen auch beweisen. An seine Parteifreunde gerichtet, sagte Fillon: "Wir müssen zwei Wochen durchhalten, denn in den kommenden beiden Wochen werden wir die Ergebnisse dieser Ermittlungen kennen."

Legt in Umfragen zu: Emmanuel Macron (Getty Images/AFP/S. Bozon)

Legt in Umfragen zu: Emmanuel Macron

Unabhängiger Kandidat Macron legt zu

Laut der Umfrage von "Les Échos" und "Radio Classique" wird die Chefin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, die erste Wahlrunde mit 26 bis 27 Prozent der Stimmen gewinnen. Auf Platz zwei kommt danach jetzt der unabhängige Bewerber Emmanuel Macron mit 22 bis 23 Prozent. Der ehemalige Sozialist würde damit in der Stichwahl gegen Le Pen antreten. Vor "Penelope-Gate" hatten alle Umfragen eine Stichwahl Fillon-Le Pen erwarten lassen, in der Fillon dann klar gewonnen hätte.

wl/pab (afp, dpa)

 

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