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Aktuell Europa

Französische Lehrer streiken gegen Schulreform

Die Lehrer in Frankreich gelten als verlässige Anhänger der Sozialistischen Partei von Präsident Francois Hollande. Aber gegen die von der Regierung geplante Schulreform gehen sie auf die Barrikaden.

Mit einem Streik haben Lehrer in Frankreich gegen eine umstrittene Schulreform protestiert, die auch in Deutschland für Unmut sorgt. An vielen Schulen fiel der Unterricht aus. In zahlreichen Städten fanden Demonstrationen statt (Artikelbild). Nach Angaben des Erziehungsministeriums in Paris beteiligte sich an den öffentlichen Mittelschulen frankreichweit etwa jeder vierte Lehrer an dem Streik, eine Gewerkschaft sprach von mehr als jedem zweiten.

Frankreichs Bildungsministerin Vallaud-Belkacem (Foto: AFP/Getty Images)

Frankreichs Bildungsministerin Vallaud-Belkacem

Schüler in Tests hinten

Der Streik ist eine Feuerprobe für die junge Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem, die das als politischer Schleudersitz bekannte Amt im vergangenen August angetreten hatte.

Die Sozialistin will die französische Mittelschule (Collège) reformieren, eine vierjährige Gesamtschule zwischen Grundschule und Gymnasium. Hintergrund ist das schlechte Abschneiden der Schüler in internationalen Vergleichstests.

Mehr Eigenständigkeit für Schulen

Für Streit sorgen unter anderem Pläne, den Latein- und Griechischunterricht in seiner bisherigen Form abzuschaffen. Weitere zentrale Punkte der Reform sind mehr Autonomie für die Collèges, eine Verstärkung der Einzelbetreuung von Schülern und ein Ausbau des interdisziplinären Angebots.

Änderungen bei Fremdsprachen

Reformiert werden soll auch das Angebot von Deutsch und anderen Fremdsprachen an den Mittelschulen: Allgemein soll mit der zweiten Fremdsprache ein Jahr früher begonnen werden als bisher, und zwar in der siebten Klasse. Im Gegenzug sollen aber spezielle Sprachenzüge gestrichen werden, in denen zwei Fremdsprachen - häufig Englisch und Deutsch - bereits ab der sechsten Klasse unterrichtet werden.

Seit rund zehn Jahren werden an den Collèges deutsch-französische Klassen oder sogenannte Europaklassen für Schüler ab elf Jahren angeboten. Sie werde als Erfolg bei den Bemühungen gewertet, das Erlernen von Deutsch als Fremdsprache zu fördern.

Bislang lernt jeder zehnte französische Schüler Deutsch in einer solchen zweisprachigen Klasse. Im Rahmen der Schulreform sollen diese Klassen aber nur noch für Schüler angeboten werden, die bereits in der Grundschule Deutsch gelernt haben. Das würde das Aus für die meisten derzeitigen deutsch-französischen Klassen bedeuten. Vallaud-Belkacem begründet ihre Reform damit, dass mit nur rund 15 Prozent der Schüler zu wenige von dem Angebot profitierten. Mit der Reform werde der Deutschunterricht eher gestärkt.

Kritik aus Berlin

Die Bundesregierung in Berlin befürchtet hingegen, dass die Zahl der Deutschlernenden französischen Schüler beträchtlich zurückgehen könnte. "Wir sehen in der geplanten Reform die Gefahr einer atmosphärischen Beeinträchtigung unserer bilateralen Abkommen und Absprachen", hatte die deutsche Botschafterin in Paris, Susanne Wasum-Rainer, Ende April erklärt.

Deutschland fürchte "weitreichende negative Folgen" bei Sprachdiplomen, für Städtepartnerschaften, Schüleraustausch oder Programme des deutsch-französischen Jugendwerkes, so die Diplomatin.

Valls: Reform wird durchgezogen

Das Projekt von Vallaud-Belkacem ist nach Ansicht politischer Beobachter auch eine Nagelprobe für die Reformfähigkeit der sozialistischen Regierung. Premierminister Manuel Valls zeigte sich ungeachtet des Lehrerstreiks entschlossen: "Ich bin zuversichtlich, dass diese Reform wie geplant umgesetzt wird", unterstrich er in einer Erklärung. Ein entsprechendes Dekret werde "so schnell wie möglich" veröffentlicht.

wl/se (afp,dpa)