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Top-Thema – Podcast

Französische Juden in Angst

Ein brutaler Überfall auf ein jüdisches Paar schockiert die Franzosen, und die Tat ist kein Einzelfall: Die Zahl antisemitischer Straftaten ist 2014 stark gestiegen. Immer mehr Juden wandern deshalb nach Israel aus.‎

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Französische Juden in Angst – das Top-Thema als MP3

In Frankreich leben mehr als eine halbe Million Juden, das ist europaweit ein Spitzenwert und weltweit Platz drei hinter den USA und Israel. Doch rund 5000 französische Juden sind in diesem Jahr schon nach Israel gezogen, weil sie Angst vor Übergriffen haben.

Bei einem Überfall auf ein jüdisches Paar Anfang Dezember hatten die Täter ihre Opfer offenbar ausgesucht, weil sie Juden waren. „Juden sind reich“, sagten sie, als sie in die Wohnung eindrangen und die Frau vergewaltigten. Bis zum Sommer 2014 gab es bereits über 500 antisemitische Vorfälle, mehr als im gesamten Jahr 2013. Dazu gehörten schwere Körperverletzungen und Farbschmierereien wie „Juden raus“. Auch Synagogen und jüdische Geschäfte wurden angegriffen.

In Frankreichs Geschichte haben die Regierenden die Juden immer wieder vertrieben, wie in vielen anderen Ländern auch. Aber Frankreich war auch das erste Land, das den Juden Bürgerrechte verliehen hat. „Viele Juden fühlen sich in Frankreich heimisch, sehen sich zunächst als Franzosen und dann erst als Juden“, sagt die Historikerin Marie-Christin Lux. Trotzdem haben viele Franzosen Vorurteile gegenüber Juden, so das Ergebnis einer Studie über neuen Antisemitismus.

Fast jeder Fünfte sagte, Juden hätten zu viel politische Macht, jeder Vierte hält den Einfluss von Juden auf die Finanzwelt für zu groß. „Die Vorurteile sind nicht nur ein Problem der extremen Rechten“, weiß Marie-Christin Lux. Die Judenfeindlichkeit in Frankreich ist immer dann gestiegen, wenn das Land starke soziale und wirtschaftliche Probleme hatte, so die Historikerin. Premierminister Manuel Valls meint: „Der Kampf gegen Antisemitismus ist ein täglich neu zu führendes Gefecht.“


Glossar

Überfall, -fälle
(m.) – der plötzliche Angriff

jemanden schockieren – bei jemandem Entsetzen auslösen

Einzelfall, -fälle (m.) – eine Situation, die nur einmal vorkommt

antisemitisch – feindlich gegenüber Juden (Substantiv: → der Antisemitismus)

jemanden vergewaltigen – jemanden mit Gewalt zum Sex zwingen

Straftat, -en (f.) – die kriminelle/illegale Handlung

aus|wandern – seine Heimat verlassen, um an einem anderen Ort zu leben

Spitzenwert, -e (m.) – der höchste Wert; der beste Wert

Übergriff, -e (m.) – der Angriff; → Überfall

ein|dringen – hier: ohne Erlaubnis und mit Gewalt in eine fremde Wohnung gehen

Vorfall, -fälle (m.) – das Ereignis

Farbschmiererei, -en (f.) – hier: das Schreiben von Sprüchen an eine Wand

Synagoge, -n (f.) – das Gotteshaus der Juden

jemanden vertreiben – jemanden verjagen; jemanden zwingen, einen Ort zu verlassen

Bürgerrecht, -e (n., meist im Plural) – die gesetzlichen Rechte, die die Bürger/-innen eines bestimmten Staates haben (z. B. Wahlrecht)

etwas verleihen – hier: etwas offiziell übergeben

heimisch – zuhause

Historiker, - /Historikerin, -innen – der/die Geschichtswissenschaftler/in

Vorurteil, -e (n.) – eine meist negative Meinung über etwas/jemanden, ohne etwas/ jemanden richtig zu kennen

extreme Rechte (f., nur Singular) – eine politische Gruppe mit sehr starken ausländerfeindlichen und nationalistischen Ansichten

Gefecht, -e (n.) – der Kampf


Fragen zum Text

1. Was stimmt nicht?
a) Marie-Christin Lux hat eine Studie über Antisemitismus gemacht.
b) Ein paar tausend Juden sind 2014 nach Israel ausgewandert.
c) In Frankreich bekamen die Juden Bürgerrechte früher als in anderen Ländern.

2. Was steht im Text?
a) Während des Gaza-Kriegs wurde ein jüdisches Paar überfallen.
b) Im Jahr 2014 gab es genauso viele Überfälle auf Juden wie 2013.
c) Manche Gotteshäuser wurden mit Sprüchen beschmiert.

3. Die Judenfeindlichkeit in Frankreich ist auch gestiegen, weil …
a) dort so viele Juden leben.
b) die Wirtschaft nicht mehr so gut läuft.
c) die französischen Juden reicher sind als die französischen Christen und Muslime.

4. Welche Konjunktion passt? Die Historikerin Marie-Christin Lux sagt, … Antisemitismus nicht nur bei der extremen Rechten vorkommt.
a) wenn
b) dass
c) seit

5. Welche Konjunktion passt nicht? … Frankreich mehr wirtschaftliche und soziale Probleme hat, ist der Antisemitismus stärker geworden.
a) wenn
b) dass
c) seit


Arbeitsauftrag
Auf der ganzen Welt gibt es Vorurteile gegenüber bestimmten Gruppen. Überlegt, welche ihr in eurem Land kennt und was man dagegen tun kann.

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