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Wirtschaft

Frankreichs Wirtschaftswachstum bricht unerwartet ein

Die französische Wirtschaft ist im Sommer völlig überraschend nicht mehr gewachsen. Experten machen hausgemachte Probleme für die Stagnation verantwortlich.

Zwei Arbeiter in hitzebeständigen Anzügen in einem Stahlwerk in Südfrankreich

Lahmende Industrieproduktion: Stahlwerk in Südfrankreich (Archivbild)

Nachdem Frankreichs Wirtschaft im Frühjahr noch kräftig zugelegt hatte, hat sie im dritten Quartal eine Wachstumspause eingelegt: Nach der am Freitag (10.11.2006) in Paris veröffentlichten ersten Schätzung verzeichnete das nationale Statistikinstitut Insee verglichen mit dem Vorquartal 0,0 Prozent Veränderung bei der im Bruttoinlandsprodukt (BIP) zusammengefassten Wirtschaftsleistung.

Enttäuschte Erwartungen

Die Stagnation zum Frühlingsquartal erwischte die Statistiker ebenso wie die Notenbank und Bankenexperten auf dem völlig falschen Fuß: Nach einem äußerst deutlichen BIP-Anstieg um 1,2 Prozent im zweiten Vierteljahr hatten die meisten Volkswirte ein Plus um 0,5 Prozent im dritten Quartal erwartet. Die Ökonomen des Insee hatten erst Anfang Oktober sogar ein Plus von 0,6 Prozent für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone vorhergesagt.

Premierminister Dominique de Villepin

Premierminister Dominique de Villepin könnten die Zahlen Probleme machen

"Das ist ein Blitz aus heiterem Himmel", sagte Volkswirt Nicolas Bouzou von der Beratungsfirma Asteres in Paris. Kurz vor der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr ist die Stagnation auch ein Rückschlag für die Regierung von Ministerpräsident Dominique de Villepin. Sie prognostiziert für das Gesamtjahr ein Wachstum von knapp 2,5 Prozent. Volkswirte sagten, dass die Rate nun wohl eher bei 2 Prozent liegen wird. Laut Insee ist bisher ein Jahreswachstum von 1,9 Prozent gesichert. Schlechter könnte es nur ausfallen, wenn es im vierten Quartal einen Rückgang des BIP geben würde.

Industrieproduktion gesunken

Für die konjunkturelle Erlahmung im Sommer machte der Frankreich-Experte der DekaBank in Frankfurt, Sebastian Wanke, vor allem die Industrie verantwortlich: "Die Industrie leidet unter hausgemachten Problemen und war im Sommer sehr schwach. Der französischen Automobilbranche geht es nicht gut. Dann sind noch die Probleme bei Airbus dazugekommen."

Auch im September sank die Produktion der französischen Industrie wider erwarten, wie die Statistiker ebenfalls am Freitag meldeten. Ohne den Bau lag sie 0,9 Prozent unter dem September. Die Experten vermuteten, dass die Firmen im Sommer auf Kosten der Produktion ihre Lager abgebaut haben und so zum Einbruch des Wachstums beigetragen haben. "Gerade im Vergleich zu Deutschland hat die französische Industrie in den vergangenen Jahren an Wettbewerbsfähigkeit verloren", sagte Wanke.

Inflation sinkt auf Rekordtief

Dieser Einschätzung stimmte Emmanuel Ferry von BNP Paribas zu: "Jeden Monat sehen wir neue Belege dafür, dass Frankreichs Wirtschaft immer weniger eine Exportwirtschaft ist, besonders im Vergleich zu Deutschland. Frankreich wird eine Dienstleistungswirtschaft." Das Wachstum in Deutschland wird am kommenden Dienstag veröffentlicht. Experten rechnen im Schnitt mit einem Plus von 0,7 Prozent im Vergleich zum Frühjahr. Dazu dürfte hierzulande besonders ein starker Anstieg der Industrieproduktion beigetragen haben.

Positive Nachrichten kamen unterdessen von der Preisentwicklung in Frankreich: Wie das Insee mitteilte, fiel die Inflation im Oktober auf den niedrigsten Stand seit sieben Jahren. Die auf ein Jahr berechnete Steigerungsrate der Verbraucherpreise betrug noch 1,1 Prozent, soviel wie zuletzt im November 1999. Verglichen mit September gab es einen Preisrückgang um 0,2 Prozent. Dahinter standen vor allem sinkende Preise für Ölprodukte und Lebensmittel. (stu)

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