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Fußball

Frankreichs Trainer Blanc wirft das Handtuch

Der Franzose Laurent Blanc ist bereits der fünfte EM-Trainer, der nach dem Turnier andere Wege geht. Und Joachim Löw? Der Bundestrainer reagierte unwirsch.

Laurent Blanc hat die Nase voll. Zwei Tage Bedenkzeit hatte sich der 48-Jährige bei einem Treffen mit Verbandspräsident Noël Le Graët erbeten, dann stand sein Entschluss fest: Blanc wird seinen Vertrag als französischer Nationaltrainer nicht verlängern. Im Viertelfinale war Frankreich mit 0:2 an Spanien gescheitert. Blancs Rücktritt dürfte wohl weniger in dieser Niederlage begründet sein als in den Begleitumständen der EM-Auftritte seines Teams.

Schon nach dem 0:2 im letzten Vorrundenspiel gegen Schweden war der Trainer mit einem seiner Spieler aneinandergeraten. Hatem Ben Arfa forderte nach seiner Auswechslung Blanc auf, ihn doch gleich nach Hause zu schicken. Noch schlimmer führte sich Stürmer Samir Nasri auf. Nach dem Viertelfinal-K.o. gegen Spanien beschimpfte er einen Reporter als "Hurensohn". Das erinnerte ein wenig an den peinlichen Auftritt der Equipe Tricolore bei der WM 2010: Damals wurde Angreifer Nicolas Anelka nach einer Beleidigung des Trainers Raymond Domenech nach Hause geschickt. Seine Teamkollegen boykottierten aus Protest das Training. Frankreich schied nach der Vorrunde aus.

Der niederländische Trainer Bert van Marwijk bei der EM. Foto: AP(dapd

Als Favorit zur EM gekommen, ohne Punkt gefahren - van Marwijk wirkte ratlos

Frustrierte Reservespieler

Vor Blanc hatte auch schon der niederländische Nationaltrainer Bert van Marwijk das Handtuch geworfen. Der 60-Jährige verabschiedete sich in den Urlaub, ohne einen Kommentar zu den Gründen seines Rücktritts als Bondscoach abzugeben. Nach drei Niederlagen in der Vorrunde hatte Vizeweltmeister Niederlande die Heimreise antreten müssen. Auch im Oranje-Team krachte es mächtig im Gebälk. Vor allem Bundesliga-Torschützenkönig Klaas-Jan Huntelaar und Spielmacher Rafael van der Vaart verbreiteten schlechte Stimmung, weil sie nicht van Marwijks erste Wahl waren. Angeblich sollen die beiden auf einer Liste jener Profis gestanden haben, mit denen van Marwijk künftig nicht mehr zusammenarbeiten wollte. Die Liste, gedacht für die Gespräche mit dem niederländischen Fußballverband, gelangte an die Öffentlichkeit. Van Marwijk zog den Schlussstrich.

Dem Rücktritt zuvorgekommen

Sein Landsmann Dick Advocaat kam gar nicht erst in die Verlegenheit, zurücktreten zu müssen. Das wäre wohl von Advocaat erwartet worden, nachdem die von ihm trainierte russische Mannschaft nach dem blamablen 0:1 gegen Griechenland im letzten Vorrundenspiel die Segel hatte streichen müssen. Doch der Niederländer hatte seine Rückkehr in die Heimat schon vor der EM verkündet. Advocaat wird Trainer beim PSV Eindhoven. Der Vorrunden-K.o. kostete jedoch den Präsidenten des russischen Fußballverbands, Sergej Fursenko, seinen Job. Und auch der polnische Nationaltrainer Franciszek Smuda zählt zu den EM-Verlierern. Sein Vertrag wird nach dem Vorrunden-Aus der Gastgeber nicht verlängert. Kroatiens Trainer Slaven Bilic hatte seinen Wechsel zum russischen Club Lokomotive Moskau schon vor dem Turnier bekanntgegeben, kam also möglichen Diskussionen über seine Zukunft zuvor.

Bundestrainer Löw blickt zum Himmel. Foto: Reuters

Der Himmel half nicht - Löws Mannschaft verlor das Halbfinale gegen Italien

Klinsmann: "Löw wirft nicht hin"

Weitgehend ungeschoren kam bisher Bundestrainer Joachim Löw davon. Seine Taktik im verlorenen Halbfinale gegen Italien wurde zwar kritisiert, seinen Rücktritt aber forderte niemand. Als ein Reporter Löw auf dem Rückflug in die Heimat fragte, ob er an einen Rücktritt denke, reagierte der Bundestrainer unwirsch. Die Frage sei unpassend, antwortete Löw. Schließlich sei seine Mannschaft nicht in der Vorrunde gescheitert. Der Bundestrainer räumte jedoch ein: "Ich muss mir natürlich meine Gedanken machen, welche neuen Ansätze und Anreize man finden kann." Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann glaubt nicht an einen Rücktritt seines einstigen Assistenten: "Joachim Löw wirft nicht hin. Da bin ich sicher."