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Frankreich

Frankreichs Sozis küren ihre Kandidaten

Wofür stehen die sieben Politiker, die in Frankreich für die Sozialistische Partei in den Wahlkampf ziehen wollen, und wie stehen ihre Chancen? Die DW stellt Manuel Valls, Arnaud Montebourg und deren Konkurrenten vor.

Gleich sieben Kandidaten haben ihren Hut in den Ring geworfen. Nachdem die französischen Konservativen François Fillon zu ihrem Kandidaten für die Präsidentschaftswahl bestimmt haben, stehen nun bei den Vorwahlen Sozialisten im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Mit dabei sind viele bekannte Gesichter der Sozialisten, wie der ehemalige Premierminister Manuel Valls und Ex-Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg, aber auch einige unbekanntere Politiker aus Kleinparteien. Doch wer von den sieben Kandidaten - sechs Männern und einer Frau -  hat die besten Chancen, die Vorwahl zu gewinnen? Und wofür stehen die Kandidaten? 

Manuel Valls – der gemäßigte Favorit

Ex-Premier Manuel Valls gilt als Favorit im Rennen um die Kandidatur. Valls war unter Präsident François Hollande Premierminister von 2014 bis 2016 und zuvor Bildungsminister. Der multilinguale Sohn eines spanischen Künstlers und einer schweizerischen Erzieherin gilt als Vertreter des rechten Parteiflügels der Sozialisten. Er setzt sich für eine unternehmensfreundliche Wirtschafts- und Sozialpolitik ein, ist für Migrationsbegrenzungen und ein Kopftuchverbot in öffentlichen Einrichtungen. Valls gilt als ein enger Vertrauter von Präsident Hollande. Wenngleich Hollande in Frankreich zurzeit sehr unbeliebt ist, erhält Valls in Umfragen zur Vorwahl etwa 40 Prozent der Stimmen.

Arnaud Montebourg – Liebling der Linken

Auf den Fersen von Manuel Valls klebt Arnaud Montebourg. Er ist eine der prominentesten Stimmen der Parteilinken. Der ehemalige Wirtschaftsminister verlor 2014 seinen Posten, weil er Hollandes Kurswechsel - weg von einer sozialistischen hin zu einer wirtschaftsfreundlicheren Politik -  offen kritisierte. Montebourg bezeichnet sich selbst als den "französischen Bernie Sanders". Er befürwortet einen starken Sozialstaat sowie ökonomischen Protektionismus und ist gegen eine strenge Sparpolitik. Während der studierte Jurist zurzeit in einer ersten Vorwahl gegen alle sechs Konkurrenten knapp hinter Valls liegen würde, schneidet er im direkten Vergleich besser ab als der Ex-Premier. Er könnte eine zweite Vorwahl also für sich entscheiden.

Benoît Hamon –  Merkels Kritiker 

Die Nummer drei im Kandidatenkarussell ist gemäß Hochrechnungen Benoît Hamon. Der 49-jährige ist wie Montebourg ein Parteilinker und scharfer Kritiker von Präsident Hollande. Er trat 2014 als Bildungsminister zurück, um gegen Hollandes Kurswechsel zu protestieren. Hamon ist ein Kritiker der französischen und europäischen Sparpolitik. Er hat der deutschen Kanzlerin Angela Merkel vorgeworfen, durch ihr Festhalten am Europäischen Fiskalpakt der Wirtschaft in anderen europäischen Ländern, zum Beispiel Griechenland und Frankreich, geschadet zu haben. Wie Valls hat auch Hamon einen internationalen Hintergrund – als Kind lebte er vier Jahre im Senegal.

Vincent Peillon – der Philosoph

Der vierte Kandidat aus der Sozialistischen Partei ist auch Nummer vier in den Umfragen. Der ehemalige Bildungsminister Vincent Peillon wirbt für sich als Kandidat der "Einheit", denn er ist weder so scharf links wie Hamon und Montebourg, noch ein bei der Parteilinken verhasster Unternehmerfreund wie Valls. Der ehemalige Lehrer und Doktor der Philosophie sitzt zurzeit im Europäischen Parlament.

Sylvia Pinel – die Radikale, die nicht radikal ist

Die Vorsitzende der Radikalen Linkspartei (PRG) ist die jüngste Kandidatin und einzige Frau im Rennen um die Nominierung. Die PRG steht, anders als der Name vermuten lässt, für einen gemäßigten Linkskurs. Die kleine Partei arbeitet seit Jahrzehnten eng mit der Sozialistischen Partei zusammen. Pinel war unter Hollande Ministerin für Wohnen sowie für Handel und Tourismus. Die studierte Europarechtlerin wurde 2007 bereits im Alter von 29 Jahren in die französische Nationalversammlung gewählt. Experten sehen es als unwahrscheinlich, dass einer der drei Kandidaten von Kleinparteien die Nominierung gewinnen könnte - Pinel schneidet im Vergleich mit François de Rugy und Jean-Luc Bennahmias jedoch noch am Besten in Umfragen ab.

François de Rugy – der grüne Kandidat

Der selbst-ernannte "ökologische Kandidat" trat 2016 aus der grünen Fraktion im französischen Parlament aus, um zusammen mit fünf Kollegen die Regierung Hollandes zu unterstützen. In Umfragen liegt er zuletzt bei etwa zwei Prozent.

Jean-Luc Bennahmias – der gemäßigte Außenseiter

Der Gründer der gemäßigt linken Kleinpartei Demokratische Front bekommt in Erhebungen derzeit etwa ein Prozent. Mit 62 ist das ehemalige Mitglied des Europäischen Parlaments der älteste Kandidat. Experten erwarten, dass keiner der sieben Kandidaten  in der ersten Vorwahlrunde  am 22. Januar eine absolute Mehrheit gewinnen kann – das Rennen würde dann in einer Stichvorwahl zwischen den zwei erfolgreichsten Kandidaten am 29. Januar entschieden.

Kaum Chancen in der Präsidentschaftswahl?

Doch egal, wer die Vorwahl der Sozialisten gewinnt – er oder sie wird abgeschlagen in das Rennen um die Präsidentschaft gehen. Der scheidende Präsident François Hollande, ein Sozialist, ist bei den Wählern enorm unbeliebt, seine Partei steckt im Umfragetief. Zudem treten zwei bekannte Politiker aus dem linken Spektrum unabhängig von der Sozialistischen Partei an - der ehemalige Wirtschaftsminister Emmanuel Macron, ein gemäßigter Linker, und Jean-Luc Mélenchon von der sozialistisch-kommunistischen Linken Front. Beide schneiden in Umfragen besser ab, als alle Kandidaten der Sozialisten.

Als Favoriten in der Wahl gelten François Fillon von den konservativen Republikanern und Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National. Viele rechnen damit, dass Fillon mit Le Pen oder auch Underdog Macron nach einer ersten Wahlrunde im April in die Stichwahl ziehen wird. Diese findet im Mai statt - es sei denn, ein Kandidat kann bereits im April die absolute Mehrheit erringen. 

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