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Welt

Frankreich verbietet Gebete auf der Straße

In Paris dürfen Muslime nicht mehr auf der Straße beten. Die Stadt stellt nun eine alte Kaserne als Bedarfsmoschee. Notfalls will Frankreichs Innenminister die Gläubigen auch mit Gewalt vom öffentlichen Gebet abhalten.

Freiwillige bereiten eine alte Feuerwehrhalle als Bedarfsmoschee vor (Foto: AP/dapd)

Freiwillige Helfer bereiten eine Bedarfsmoschee vor

Erst wurde die Burka verboten, jetzt das Gebet auf der Straße: In Präsident Nicolas Sarkozys Frankreich gehört Religion eindeutig nicht in die Öffentlichkeit. Denn in dem Land gilt die strikte Trennung von Kirche und Staat, die nicht mehr mit öffentlichen Gebeten vereinbar ist. Denn von diesem Freitag (16.09.2011) an gilt in Paris das Straßengebetsverbot. Auch in Nizza und Marseille werde es durchgesetzt, sagte der französische Innenminister Claude Guéant in einem Interview der französischen Tageszeitung "Le Figaro" am Mittwoch.

In Frankreich lebt die größte muslimische Gemeinde Europas. Seitdem eine große Moschee in dem Pariser Vorort Goutte d’Or vor einigen Jahren geschlossen wurde, wurde es eng in den beiden Moscheen in der Nachbarschaft: Seit Jahren sammelten sich die Gläubigen für das Freitagsgebet auch vor den beiden Gebetshäusern. Zwischen Fußgängern und vorbeirauschendem Verkehr breiteten die Gläubigen ihre Gebetsteppiche auf dem Fußgängerweg für das Freitagsgebet aus. Dieses gilt als das wichtigste Gebet im Islam, für das viele Muslime eine Moschee aufsuchen.

Notfalls mit Gewalt gegen Straßengebete

Frankreichs Innenminister Claude Guéant (Foto: picturealliance/dpa)

Möchte die Gäubigen von der Straße holen: Claude Guéant

Die Straßengebete gefallen der Regierung gar nicht: "Auf der Straße zu beten entspricht nicht der Würde einer Religion und widerspricht den Prinzipien der Trennung von Kirche und Staat", sagte der Innenminister Guéant in dem Interview. Gebete auf der Straße werde der französische Staat nicht länger tolerieren. "Wenn es dennoch einige versuchen auf der Straße zu beten, werden wir dagegen vorgehen", sagte er. Dies werten Beobachter als Warnung, notfalls mit Polizeigewalt gegen Straßengebete vorzugehen.

Doch dazu dürfte es erstmal nicht kommen: Der Rektor der Großen Moschee von Paris, Dalil Boubakeur, gab bekannt, dass sich die französische Regierung mit der muslimischen Gemeinde in Paris geeinigt hätten. Die Freitagsgebete würden fortan in einer Behelfsmoschee abgehalten. Es handelt sich um eine ehemalige Kaserne am Stadtrand von Paris, die den Muslimen für drei Jahre für die jährliche Summe von 30.000 Euro überlassen werde.

Auch in Marseille und Nizza Gebetverbot

Die Moscheen in der Nachbarschaft würden die nächsten drei Wochen lang geschlossen bleiben, sagte ein Imam. Man wolle damit die Menschen ermutigen, die neue Behelfsmoschee aufzusuchen. Die Strategie schien am Freitag aufzugehen: Etwa 2000 Muslime hätten sich zum mittäglichen Gebet in der Kaserne eingefunden, meldeten örtliche Korrespondenten. In Nizza würden Busse bereitgestellt, um Gläubige zu anderen Moscheen zu transportieren. Auch in Marseille, einer Stadt in Südfrankreich, in der viele Muslime leben, werde ein großes Gebäude bereitgestellt, erklärten die Behörden.

Doch nicht allen gefällt die Regelung. Die rechtsextreme Parteichefin Marine Le Pen sprach von einer Verletzung der Trennung von Staat und Religion: Es sei nicht hinnehmbar, dass der Staat Muslimen ein Gebäude zur Verfügung stelle, damit diese nicht mehr auf den Straßen beteten. Solche Äußerungen dürften bei vielen Muslimen den Verdacht aufkommen lassen, dass ihre Religion nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern in ganz Frankreich, unerwünscht ist.

Autorin: Naomi Conrad (afp, dpa, kan, rtr)

Redaktion: Martin Muno

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