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Europa

Frankreich und der atomare Müll

Wenn Orte für die Lagerung gefunden werden, sind die Anwohner überhaupt nicht begeistert - und das, obwohl ein Endlager viel Geld in die Gemeindekassen spülen könnte.

Geigerzähler zeigt Strahlung vor Behäler (Foto: dpa)

Wohin mit dem giftigen Müll?

Frankreich ist ein Atomland und dort werden in aller Ruhe Atommeiler gebaut und Atommüll entsorgt. So fangen auch seit dem Amtsantritt von Präsident Sarkozy alle Geschichten an. Doch ein kleines Dorf im bislang eher verschlafenen Departement Aube leistet nun Widerstand. Anders als von den Behörden bereits öffentlich ausgeschrieben, wird in Auxon kein Testgelände für die Endlagerung von Atommüll entstehen. Die 1000 Bürger haben mit ihren Protesten eine frühere Gemeinderats-Entscheidung wieder rückgängig gemacht, freut sich Laetitia Carougeat, Präsidentin der Dorfinitiative Auxon sagt NEIN: "Die Gemeindevertreter haben es verstanden, auf die Bevölkerung zu hören und sie zu befragen. Sie haben gemerkt, dass dieses Projekt hier keine Wurzeln schlagen kann. Die Leute wollen es einfach nicht", sagt sie. Der Bürgermeister hat inzwischen seinen Rücktritt eingereicht.

"Atomfreie Zone" im auserwählten Dörfchen

Französische Demonstranten lehnen sich gegen das atomare Endlager auf. (Foto: Suzanne Krause)

Nicht nur in Bure/Lorraine demonstrieren die Bürger gegen ein atomares Endlager.


Doch weshalb die ganze Aufregung? Auxon ist doch nur eine von 36.000 Gemeinden in Frankreich. Einfach deshalb, weil zuvor bereits ein anderes, 74-Einwohner-Dorf, die Atommüll-Entsorger ratlos im Regen stehen ließ. Die ANDRA hatte große Mühe, überhaupt einen geeigneten Kandidaten für Frankreichs Atommüll-Academy zu finden. Über 3000 potenziell geeignete Gemeinden wurden angeschrieben, lediglich 40 haben sich im vergangenen Jahr freiwillig gemeldet. Nur zehn qualifizierten sich als "sehr gut geeignet".

Wenn jetzt auch noch die zwei auserwählten Mini-Dörfer sich plötzlich zur atomfreien Zone erklären und dafür auf Millionen von Euro an Gewerbesteuern verzichten, dann fragt sich der naive Beobachter, was ist los im Atomland Frankreich ? Stéphane Lhomme vom Anti-Atom-Netzwerk Sortir du nucléaire meint: "Die Behörden suchen nun andere Gemeinden als möglichen Standort, aber sie wissen bereits heute, dass genau Gleiche passieren wird und das gibt ein großes Problem hinsichtlich des Zeitplans.Wir sind jedoch sehr zuversichtlich und glauben, dass es keinen Standort für ein unterirdisches Lager für Atommüll in Frankreich geben wird".

Marode Atommüll-Lager sind ein gefundenes Fressen

Das marode Lager Gorleben ist ein gefundenes Fressen für die Gegner. (Foto: AP/Christof Stache)

Das marode Lager Gorleben ist ein gefundenes Fressen für die Gegner. (Foto: AP/Christof Stache)



Das Paradox dabei: Im Departement Aube gibt es seit 1992 bereits zwei überirdische Zwischenlager für leichtstrahlenden Atommüll. Doch diesmal wurden Teile des Departements anvisiert, in denen Champagnertrauben reifen und herkunftskontrollierter Käse hergestellt wird. Die Vorstellung von 15 bis 200 Meter tief vergrabenem Atommüll, der über 100.000 Jahre lang strahlt, wirkte da wie eine Image-Bombe und mobilisierte die Einwohner.

Das marode Atommüll-Lager Asse und die Gorleben-Diskussion in Deutschland waren für die Atomgegner in Frankreich ein gefundenes Fressen. Der Präsident der französischen Agentur für die Atommüll-Entsorgung (ANDRA) interpretierte im Regionalfernsehen France 3 den unerwarteten Aufstand der Gemeinden als - so wörtlich - "üble und gewalttätige Hetz- und Verleumdungs-Kampagne" von Anti-Atom-Fanatikern. "Ich glaube, weder die Regierung, noch die ANDRA, verdienen derart viele Lügen, Gewalt und Hass, wie dies bestimmte Leute zum Ausdruck gebracht haben, die oftmals nicht aus dem Departement Aube kamen, um dieses Projekt zu torpedieren".

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Radioaktive Fässer im Salzbergwerk

Wohin mit dem radioaktiven Müll?


Das Problem dabei: Allzu laut wollen das die zuständigen Behörden auch wieder nicht sagen, weil sie fürchten, dass die lokale Revolte auf andere Gemeinden übergreift: Der Super-Gau der Kandidatenkür als dunkle Wolke, die an der Departements-Grenze gestoppt werden soll. Dem französischen Staat bleibt nichts anderes übrig, als still und leise zwei andere Gemeinden zu finden. Möglichst schnell. Denn die politische Zeituhr tickt. Bis 2011 muss die Standortfrage endgültig geklärt sein. Ein 2006 verabschiedetes Gesetz sieht vor, dass das Endlager spätestens 2019 fertig sein muss.

Autor: Siegfried Forster
Redaktion: Heidi Engels

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