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Syrien-Krieg

Frankreich sieht Assad-Regime hinter Giftgasangriff

Für die französische Regierung steht der Verantwortliche der verheerenden Giftgasattacke Anfang April in Syrien fest. Außenminister Ayrault nennt Einzelheiten und schließt jeden Zweifel aus.

Frankreich Außenminister Jean-Marc Ayrault (Getty Images/AFP/S. De Sakutin)

Für Außenminister Ayrault gibt es nur einen Schuldigen: Syriens Machthaber Assad

Der Angriff in Chan Scheichun, bei dem 87 Menschen getötet worden waren, trage "zweifellos die Handschrift des Regimes" in Damaskus, teilte Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault in Paris mit. Bei dem in der Kleinstadt eingesetzten Giftgas handele es sich um das Nervengas Sarin, erläuterte der sozialistische Minister und bezog sich auf Laboruntersuchungen von Proben, die der Geheimdienst in Syrien gesichert habe. Die Zusammensetzung des verwendeten Gases zeige "zweifelsfrei", dass es für die syrische Regierung hergestellt worden sei.

Es gleiche einem Kampfstoff, den die syrische Regierung im April 2013 bei einem Angriff auf den Ort Sarakeb im Norden des Landes verwendet habe, sagte Ayrault. UN-Experten hatten seinerzeit ebenfalls von einem Chemiewaffenangriff gesprochen. Allerdings konnten sie nicht die näheren Umstände klären und auch nicht die Verantwortlichen hierfür benennen.

Der französische Außenminister, der seinen Bericht auch über Twitter verbreitete, erklärte weiter, Syrien habe wiederholt seine Zusage verletzt, keine Waffen mehr einzusetzen, die von der internationalen Gemeinschaft geächtet werden. Insgesamt seien fünf Sarin-Attacken in Syrien seit April 2013 "bewiesen".

Russland widerspricht Frankreichs Äußerungen

In einer ersten Reaktion wies die russische Regierung die Darstellung der Franzosen zurück. Die Auswertung der Proben und die Tatsache, dass Nervengas verwendet wurde, beweise noch lange nicht, wer hinter dem Angriff stecke, sagte Kreml-Sprecher Dmitry Peskow in Moskau. Der einzige Weg, die Wahrheit herauszufinden, sei die Einsetzung einer unabhängigen internationalen Untersuchungskommission. Russland unterstützt die syrischen Streitkräfte und hatte nach der Attacke in Chan Scheichun erklärt, das Nervengas stamme aus Beständen der Rebellen.

Syrien Idlib Giftgasangriff (Getty Images/AFP/O. H. Kadour)

Unter den Opfern des Giftgasangriffs in Chan Scheichun sind viele Kinder

Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) stellte vor einer Woche offiziell fest, dass bei dem Angriff in Chan Scheichun in der syrischen Provinz Idlib "unbestreitbar" das Nervengas Sarin oder eine ähnliche Substanz eingesetzt wurde. Die OPCW ließ Proben von zehn Opfern des Angriffs in vier Labors untersuchen. In Frankreich wurden nun zusätzliche Analysen vorgenommen.

In Damaskus bestreitet die Führung von Machthaber Baschar al-Assad vehement, chemische Waffen verwendet zu haben. Assad beschuldigte den Westen kürzlich, einen Vorwand für einen eigenen Angriff konstruiert zu haben. Als Vergeltung für den Giftgaseinsatz in Idlib hatten US-Kampfjets 59 Tomahawk-Raketen auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt Al-Schairat abgefeuert. Es war der erste direkte Angriff der US-Streitkräfte auf syrische Regierungstruppen.

se/mak (afp, dpa, ap, rtr)

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