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Reise

Frankreich: Saison für Tourismus verloren?

Die französische Tourismusbranche stellt sich nach dem Anschlag von Nizza auf deutliche Einbußen für den Rest des Sommers ein. Laut einer Schätzung sollen voraussichtlich 30 Prozent weniger Besucher kommen.

"Frankreich hat der Welt in den letzten 18 Monaten viele Bilder der Gewalt geschickt", sagt Vanguelis Panayotis von der Beratungsgesellschaft MKG, die auf die Tourismusbranche spezialisiert ist. "Der Effekt bei den Unternehmen wird groß sein." Dies sei besonders bitter, weil Frankreich eigentlich gerade aus einer sehr erfolgreichen Fußball-Europameisterschaft komme - mit dem eigenen Team im Finale und ohne Anschläge während des Turniers. Nach Nizza sei das Gefühl der fehlenden Sicherheit wieder zurück. In den kommenden Monaten dürften jetzt voraussichtlich etwa 30 Prozent weniger Besucher kommen.

Nach Paris ist Nizza die meistbesuchte Stadt des Landes. Dort hatte es am 14. Juli, als die berühmte Strandpromenade wegen des Feuerwerks am Nationalfeiertag voller Menschen war, einen Anschlag gegeben. Mindestens 84 Menschen starben. Die Extremisten-Miliz IS hat die Verantwortung für die Tat übernommen. Die französische Regierung fürchtet weitere Anschläge.

Am Wochenende blieben viele Cafes, Restaurants und Strandbars in Nizza leer. Die Stadt an der Cote d'Azur nimmt dank der Touristen eigentlich 1,5 Milliarden Euro im Jahr ein. Joanna Marat, Besitzerin des Hotels Cronstadt nahe der Strandpromenade, sagt, bei ihr seien Gäste aus Australien wegen des Anschlags abgereist. "Sie hatten Angst. Ich wollte eigentlich zusätzliche Mitarbeiter einstellen, die im August mithelfen sollten. Aber jetzt musste ich Ihnen sagen: Es wird keine Jobs geben."

Unklar ist, ob der Anschlag nur kurzfristig einen Dämpfer bedeutet oder ob der Tourismus auch auf längere Sicht unter Druck steht. In Spanien und Großbritannien wurde in den vergangenen Jahren nach Anschlägen die Wirtschaft nur kurz belastet. So war es auch in Frankreich nach den Angriffen in Paris im November. Der Konsum ging zurück, aber nicht für lange. Das dürfte jetzt wieder so sein, sagt der Ökonom Christopher Dembik von der Saxo Banque.

Philippe Waechter, Chefökonom beim Vermögensverwalter Natixis, widerspricht teilweise: Die tragischen Ereignisse zeigten, dass Anschläge jetzt auch außerhalb von Paris passieren könnten. Frankreich werde von Ausländern womöglich zunehmend als riskantes Land wahrgenommen. Mitentscheidend sei aber das Image, wenn Touristen eine Reise buchten. Das bekamen Fluglinien wie Air France und Europas größte Hotelkette Accor bereits nach den Paris-Anschlägen zu spüren. Für Reisekonzerne wie TUI und Thomas Cook spielen aber andere Länder mit mehr Pauschaltourismus eine noch größere Rolle.

Frankreich ist das meistbesuchte Land der Welt. Es lockt nicht nur mit der sonnigen Mittelmeerküste, sondern auch mit viel Kultur, beliebten Städten, Weinregionen und Skigebieten. Das Geschäft mit den Besuchern aus aller Welt steht landesweit für bis zu acht Prozent der Wirtschaftsleistung.

is/at (rtr)

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